Logo
Gesellschaft

Ukraine-Hilfsprojekt: Neue Heimat in der Markuskirche

28.09.2022
Weil es in der Kornfeldkirche zu vielen Terminkollisionen kam, ist die Markuskirche zum neuen Treffpunkt für Ukraine- Vertriebene geworden.

«Die Euphorie hat zwar abgenommen, die Solidarität ist hingegen weiterhin vorhanden», erklärt Camelia Winkler, die sich seit Beginn des Überfalls Russlands auf die Ukraine für die ukrainischen Vertriebenen engagiert. Die 48-jährige gelernte Krankenschwester, studierte Theologin und Erwachsenenbildnerin sei die treibende Kraft hinter dem Ukraine-Projekt, unterstreicht Daniel Frei vom Pfarramt für weltweite Kirche im Gespräch mehrfach. «Camelia ist die Frau der ersten Stunde, arbeitet ohne Unterlass für die Sache und stellt sich nie in den Vordergrund. Es geht ihr einzig und allein um das Wohl der Menschen – einfach bewundernswert.» Camelia Winkler koordiniere die Treffen der Ukraine-Vertriebenen und die Deutschkurse mit grosser Umsicht und sei mit fast übermenschlichem Engagement dabei.

Kornfeldkirche Riehen
Im März 2022 nahm die Familie Winkler fünf Personen in ihrem Haus in Riehen auf. Relativ rasch entwickelte sich dank der Unterstützung von Ehrenamtlichen in der Kornfeldkirche ein Hilfsprojekt für die in Riehen privat aufgenommenen Ukraine-Vertriebenen. Camelia Winkler nennt eine Vielzahl von Namen, die sich spontan und mit grosser Verve für das Projekt einsetzten. Sie sei sehr dankbar, dass sich diese Menschen ohne viel Aufhebens engagieren. «Stellvertretend für viele andere möchte ich Maya Frei erwähnen, die bis Ende Juni als Sozialarbeiterin für die Menschen da war, sich um das Zvieri und den Znacht im Kornfeld kümmerte und auch bei der Wohnungs- und Arztsuche half.» Zentral sei für die Menschen aus der Ukraine, dass diese so rasch wie möglich Deutsch lernten, erklärt Camelia Winkler. Sie wisse aus eigener Erfahrung, dass dies keine einfache Angelegenheit ist. Im Alter von zwanzig Jahren ist sie aus Rumänien in die Schweiz gekommen und verstand damals kein Wort Deutsch. Mittlerweile unterrichtet sie die Sprache.

Markuskirche im Hirzbrunnenquartier
Im Laufe der Monate wurden die Räumlichkeiten in der Kornfeldkirche aufgrund der eigenen wöchentlichen Aktivitäten zu eng. Ein Umzug drängte sich auf. Auch strukturell zeigte sich, dass die Gründung eines Vereins einige Vorteile bieten würde. Für beides konnte eine Lösung gefunden werden. «Seit Anfang Juli finden die Ukraine-Treffen in der Markuskirche statt. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Kirchgemeinde Kleinbasel Gastrecht gewährt. Und wir sind überglücklich, dass uns der neu gegründete Verein UKR – Ukrainischer Klub Riehen als Organisationsstruktur künftig neue Chancen eröffnet», sagt Camelia Winkler. Neben der Weiterführung des «Deutsch-Cafés» für die ukrainischen Freundinnen und Freunde sei es ein grosser Wunsch, das nötige Geld für einen kleinen Bus oder ein Auto aufzutreiben. «Mit dem Auto könnten wir Zügelhilfe anbieten oder die Einkäufe erledigen. Das wäre sehr hilfreich», sagt Winkler.

Toni Schürmann

Treffpunkt für Vertriebene aus der Ukraine
Vier Pfeiler bilden die Grundlage der Angebote in der Markuskirche: Gemeinschaft, Bildung, Vernetzung und geistliche Hilfe. Jeweils am Dienstag- und Donnerstagnachmittag mutiert das Parterre der Markuskirche zum Treffpunkt. Den Garten und den Vorplatz dürfen die Kinder aus der Ukraine zum Spielen nutzen. Weiterhin gesucht sind freiwillige Mitarbeitende, die sich die Erteilung von Deutschunterricht in Kleingruppen zutrauen oder den Schulkindern bei deren Hausaufgaben helfen. Ideal hierfür wären ehemalige Lehrerinnen bzw. Studierende der Pädagogik. Das Hilfsprojekt kann auch finanziell unterstützt werden: UKR – Ukrainischer Klub Riehen, CH27 0900 0000 1599 6643 4