Älteste Taufbücher Europas wieder in Basel als Nachdruck
Eigentlich ist es eine grosse Sensation; die beiden Taufbücher der Kirchgemeinde St. Theodor (14901797) können in Basel bald wieder bestaunt werden. Sie wird indes durch einen Umstand geschmälert: Die beiden Kostbarkeiten liegen «nur» als Nachdrucke sowie als Digitalisat vor. Die Taufbücher sind die ältesten ihrer Art nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern in ganz Europa. Dass sie zumindest als Kopie wieder in Basel vorliegen, ist den grossen Bemühungen von Andreas Nidecker, Emanuel Isler, Peter Pardey und Peter Stalder, Meister der Ehrengesellschaft zum Rebhaus, zu verdanken.
Vier Rückhol-Versuche blieben ergebnislos
Im Fall der beiden Taufbücher sind aller schlechten Dinge vier. Denn vier Versuche in den Jahren 1867, 1921 und 1984, die Originale nach Basel zu holen, scheiterten wie auch 2015. Während aus der Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich eine unvollständige Abschrift vorhanden ist, aus dem Jahre 1921 eine schlechte Negativkopie vorliegt und der Versuch 1984 scheiterte, konnten nun zwei farbige Buchbände hergestellt werden. Sie liegen derzeit im Basler Staatsarchiv und sollen dereinst in St. Theodor für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Die beiden Taufbücher haben eine abenteuerliche Geschichte hinter sich, die im Jahre 1490 beginnt. Damals war es weder üblich noch Pflicht, ein Taufbuch zu führen. Der Leutpriester von St. Theodor, Johann Ulrich Surgant noch als katholischer Priester legte dennoch eines an. Erst mit der Reformation wurde verordnet, Taufen zu registrieren. In Basel ab dem Jahre 1529. Der erste Band umfasst die Jahre 1490 bis 1625, der zweite die Jahre 1626 bis 1737.
Aus Versehen mit dem Nachlass verkauft
Das Ungemach nahm nach dem Tod von Johann Jakob von Brunn (17971861), Pfarrer zu St. Theodor seinen Lauf. Irrtümlich wurden die Taufbücher mit seinem Nachlass verkauft. Die beiden Originale gelangten so nach London ins British Museum und später in die British Library, wo sie sich heute noch befinden. Alle Abklärungen und Rückholversuche seit dem ersten Anlauf im Jahre 1867 ergaben das gleiche Resultat: Aus rechtlichen Gründen ist es nicht möglich, die Originale nach Basel zu holen. «Weitere Versuche sind aussichtslos», hält Esther Baur vom Basler Staatsarchiv fest.
Für Pfarrer Philipp Roth, heute Pfarrer zu St. Theodor, wie für das Basler Staatsarchiv stellen die beiden Taufbücher dennoch einen historisch grossen Wert dar. Für Nachforschungen stehen sie als Digitalisat im Online-Archivkatalog des Staatsarchivs unter dem Suchbegriff «Taufbuch St. Theodor» bereits zur Verfügung. Bis die Nachdrucke in St. Theodor ausgestellt werden, wird es wohl Winter werden, erklärt Pfarrer Philipp Roth.
Die Kosten für Digitalisierung der rund 1700 Seiten umfassenden Taufbücher belaufen sich dank Entgegenkommen der British Library auf «nur» rund 30 000 Franken, Zusammen mit fachmännischem Druck und Binden steigt dieser Betrag auf rund 46 000 Franken. Er wurde durch Spenden und Stiftungen aufgebracht. Noch nicht vollständig finanziert ist die Ausstellung der Bücher in der Theodorskirche.
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».
Zum Bild: Zwei Buchseiten aus dem Nachdruck eines Taufbuchs.
Franz Osswald / Kirchenbote / 19. August 2015
Älteste Taufbücher Europas wieder in Basel als Nachdruck