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«Die Kirche ist alt, aber noch lange nicht veraltet»

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28.06.2018
Im August werden in Lostorf zwei Vikare ordiniert: Elisabeth Weymann und Lysander Jakobi. Was bewegt heute junge Menschen dazu, Pfarrer und Pfarrerin zu ­werden?

Kirchenaustritte und schwindende Finanzen. Die Zukunft der Volkskirchen scheint nicht rosig. Elisabeth Weymann und Lysander Jakobi sind trotzdem hoffnungsvoll. In ihrem Vikariat haben sie erlebt , wie sehr Pfarrerinnen und Pfarrer auch heute gefragt sind. Sei es am Grab, bei den Abdankungen, im seelsorgerlichen Gespr├Ąch oder in der Kaffeestube. ┬źWir haben als Pfarrer einen grossen Vertrauensvorschuss. Die Leute freuen sich auf uns┬╗, sagt Weymann. Mitte August endet das Vikariat von Elisabeth Weymann und Lysander Jakobi mit der Ordination in Losdorf. Feierlich geloben dann die beiden in Anwesenheit des Synodalrates der Kantonalkirche, dem Wort Gottes zu folgen. Sie tragen ab dann den Titel VDM. F├╝r sie ist das kein Lippenbekenntnis. Das Evangelium durchdringe alle Bereiche des -Lebens, ist Jakobi ├╝berzeugt.

┬źKlassisches Berufungserlebnis┬╗
Jakobi, der in Breitenbach aufgewachsen ist, hat sein Vikariatsjahr in der Kirche St. Jakob in Basel absolviert. Er wird seine erste Pfarrstelle im z├╝rcherischen Niederhasli antreten.
Obwohl die Eltern beide Theologen sind, war Jakobi der Pfarrberuf nicht in die Wiege gelegt. ┬źIm Gegenteil┬╗, erkl├Ąrt der 28-J├Ąhrige. ┬źDas hielt mich eher ab, ich wollte nicht das Gleiche wie sie tun.┬╗Er war bereits f├╝r das ┬á Wirtschaftstudium angemeldet. Doch dann hatte Jakobi ein ┬źklassisches Berufungserlebnis┬╗, wie er dies bezeichnet. W├Ąhrend eines Auslandaufenthaltes betreute er in New York Kinder, die ohne V├Ąter aufwuchsen. Drogen, Bandenkriminalit├Ąt und Arbeitslosigkeit bestimmen den Alltag in den Sozialwohnungen des heruntergekommenen Viertels. Als Jakobi diese Kinder sah, wurde ihm klar, dass er sein Leben nicht mit dem Anh├Ąufen von Kapital verbringen wollte, er wollte den Menschen helfen. Jakobi studierte Theologie an der STH in Riehen, b├╝ffelte Hebr├Ąisch, Griechisch und Latein und vertiefte sich in die Bibel. ┬źEs war hart┬╗, sagt er, ┬źdie Erinnerung an meine Berufung half mir, das Studium durchzuhalten.┬╗

Vertrauen weitergeben
Auch Elisabeth Weymann fand ├╝ber Umwege zum Pfarrberuf. Die 31-J├Ąhrige wuchs in Genf auf, wo ihre Mutter ein Pfarramt hatte. Seit zwei Jahren lebt sie in Trimbach. Sie interessierte sich von Kindesbeinen an f├╝r Theologie. ┬źWie kann der Heilige Martin von Tours heilig sein, wenn er Soldat ist?┬╗, fragte sie als F├╝nfj├Ąhrige ihre Mutter. Der Beruf Pfarrerin kam f├╝r sie trotzdem lange nicht infrage.┬á
Nach der Matura wollte Weymann Medizin studieren, war aber ┬źnaturwissenschaftlich zu wenig affin┬╗, erz├Ąhlt sie. Sie studierte Theologie in Genf, besuchte dann aber die P├Ądagogische Hochschule in Liestal und merkte, das war nichts f├╝r sie. Schliesslich schrieb sich Elisabeth Weymann an der Theologischen Fakult├Ąt in Basel ein. In Glaubensfragen sei sie heute sicherer geworden. ┬źGlauben ist nicht Wissen, sondern Vertrauen┬╗, sagt sie. Und dieses Vertrauen will sie weitergeben.┬á
Jakobi und Weymann reden ├╝ber ihren Glauben mit entwaffnender Offenheit. Sie zitieren Bibelstellen, sprechen vom Evangelium, von der Gnade, von der Botschaft, die das Zentrum bilde, und von der Auferstehung Christi, welche die reformierte Kirche zu wenig betone.

Profil zeigen
Lysander Jakobi will den Glauben thematisieren und Profil zeigen. Es nervt ihn, wenn ┬źman alles harmonisiert┬╗. Er ist ├╝berzeugt, dass die Volkskirche Zukunft hat. Heute w├╝rden die Kirchgemeinden stark von der Frage der Finanzen und des Sparens dominiert. Die Realpolitiker h├Ątten das Sagen. Doch Kirche baue auch auf Gottvertrauen und Visionen auf. Glaube sei immer ein Wagnis. ┬źAls Kirche haben wir verlernt, dieses Risiko einzugehen, Gott zu vertrauen und freudig Neues zu wagen┬╗, sagt Jakobi. Mit dieser Freude will er ┬źGott und den Menschen dienen┬╗. Auch f├╝r Elisabeth Weymann hat die Kirche ┬źeine gute Zukunft: Die Kirche ist alt, aber noch lange nicht veraltet, wenn sie die Kraft aus dem Evangelium sch├Âpft.┬╗┬á

Tilmann Zuber / 28.6.2018

Ordinationsgottesdienst, 12. August, 10 Uhr, reformierte Kirche Lostorf

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