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Die Stadt Schaffhausen entschuldigt sich nach 600 Jahren

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14.09.2018
An der Schaffhauser Neustadt erinnert neu eine Gedenktafel an die Ermordung der jüdischen Bevölkerung im Mittelalter. Nach 600 Jahren entschuldigt sich die Stadt Schaffhausen erstmals für diese Justizmorde.

Gut hundert Menschen verfolgten an der Neustadt 39 mit, wie der Initiant Peter B├Âsch gemeinsam mit dem Stadtpr├Ąsidenten Peter Neukomm eine Gedenktafel enth├╝llte. Die Inschrift erinnert an die grausamen Judenmorde im sp├Ąten Mittelalter. Die Tafel h├Ąngt im damaligen Judenquartier, wo sich die Synagoge befand. In den Jahren 1349 und 1401 verbrannte Schaffhausen die Juden in der Stadt nach Verleumdung und Folter auf dem Scheiterhaufen.

Juden als S├╝ndenb├Âcke
┬źEs ist schwierig, die vergangenen Geschehnisse mit n├╝chternem Blick zu betrachten┬╗, sagte Stadtarchivar Peter Scheck, der ├╝ber die Judenverfolgung im sp├Ąten Mittelalter berichtete. In der Vergangenheit habe der Jude in wirtschaftlich schwierigen Verh├Ąltnissen immer wieder als S├╝ndenbock herhalten m├╝ssen. ┬źDa Christen das Zinsnehmen verboten war, waren die Juden im Bankwesen t├Ątig, manche z├Ąhlten zu den wohlhabenden B├╝rgern. Das hat den Hass gegen sie gesch├╝rt┬╗, erz├Ąhlte Scheck. ┬źDie christlichen B├╝rger grenzten die Juden aus, sperrten sie in Ghettos, bezichtigten sie des Ritualmordes und beschuldigten sie w├Ąhrend der Pestzeit, die Brunnen vergiftet zu haben.┬╗ Man sperrte die Juden ein und folterte sie. Die erpressten falschen Gest├Ąndnisse brachten 40 Juden auf den Scheiterhaufen.

┬źEin Mahnmal f├╝r Toleranz┬╗
Heute, 600 Jahre sp├Ąter, entschuldigt sich die Stadt erstmals ├Âffentlich f├╝r die Justizmorde. ┬źEs ist ein dunkles Kapitel der Stadt Schaffhausen, aber wir finden es wichtig, dass man sich daran erinnert┬╗, sagt Stadtpr├Ąsident Peter Neukomm und nimmt Bezug zu den ausl├Ąnderfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz: ┬źFremdenhass, Nationalismus und Intoleranz sind leider noch weit verbreitet. Die Gedenktafel soll ein Mahnmal sein f├╝r Toleranz in der Gesellschaft als Grundwert unserer Demokratie.┬╗

Sich der Vergangenheit stellen
F├╝r Peter B├Âsch, Initiant der Aktion und Pr├Ąsident der Evangelischen Allianz Schaffhausen, steht die Tafel f├╝r Verantwortung: ┬źDiese Tafel soll erinnern und vers├Âhnen, indem wir uns dem stellen, was in der Vergangenheit passiert ist. Wir m├╝ssen bereit sind, Verantwortung daf├╝r zu ├╝bernehmen. Wir d├╝rfen nicht schweigen, wenn wir auf Ungerechtigkeit stossen.┬╗

B├Âsch erfuhr erstmals in einem Berliner Museum von den Schaffhauser Judenmorden und war ersch├╝ttert. F├╝r ihn sind die Morde im Mittelalter ein Vollzug des Antijudaismus, den die Theologen zu dieser Zeit predigten. Dabei lasse sich das Christentum nicht vom Judentum trennen. ┬źIch bin dankbar f├╝r die Bereicherung durch das j├╝dische Kulturgut┬╗, sagt B├Âsch und fordert die christlichen Kreise auf, gegen den Antisemitismus Stellung zu beziehen.

Adriana Schneider, kirchenbote-online, 14. September 2018

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