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Mittagsclub Muttenz

Ein halbes Jahrhundert gemeinsam Zmittag essen

von Noemi Harnickell
min
28.05.2026
Der Mittagsclub Muttenz wird dieses Jahr 50. Wer gemeinsam isst, merkt schnell: Man ist nie zu alt, um Neues zu lernen!

«En Guete mitenand!», tönt es aus 30 Mündern. Die Stimmung ist an jedem Tisch die gleiche: fröhlich, ausgelassen. Die Suppe wird gelobt, mit Apfel-schorle wird angestossen. Insgesamt sind es etwa 30 Leute, Pärchen wie Einzelpersonen, die hier einmal pro Woche zum gemeinsamen Mittagessen zusammenkommen. Und das seit 50 Jahren: Der Mittagsclub Muttenz selbst, könnte man sagen, geht auf das Pensionsalter zu.

Markus Bürki sieht nicht aus wie einer, der für die Landeskirche arbeitet: lange Haare, Tattoos auf Armen und Händen, eine Gitarre im Gepäck. «Ich bin vieles», sagt er. Sozialdiakon, Vater und Metal-Fan. In der Kirchgemeinde Muttenz ist er mitunter für die Seniorenarbeit zuständig und organisiert den Mittagsclub. Jede Woche sitzt er hier an einem anderen Tisch, um die Menschen kennenzulernen. «Manchmal lade ich mich einfach zu den Leuten auf einen Tee ein», sagt er. «Mich interessiert, was ihre Themen sind und wo sie Hilfe brauchen. Der Mittagsclub kann dafür ein erster Anknüpfungspunkt sein.»

Die Welt auf dem Teller

Das Essen wird jede Woche frisch zubereitet. Fünf Frauen engagieren sich freiwillig für Kochen, Vorbe-reiten und Aufräumen. Heute haben sie Moussaka gemacht, ein neues Gericht, womöglich sogar eine Premiere in der Geschichte des Mittagsclubs. Einige Gäste stochern neugierig auf ihrem Teller herum. «Was soll das sein, dieses Moussaka?», will ein Mann wissen. Die Köchin erklärt es geduldig. «Ein Auberginengericht», sagt sie, «aus Griechenland.» Was denn Auberginen seien, fragt eine Frau. Eine dumme Frage ist es nicht. Auberginen sind schliesslich erst in den 1960er-Jahren mit der Zuwanderung italienischer Arbeitskräfte in die Schweiz gekommen und sind in der traditionellen Schweizer Küche nicht gerade tief verankert.

Auch im Alter Neues Lernen

Der Mittagsclub sei eine Gelegenheit für die Menschen, auch im Alter Neues zu lernen, sagt Markus Bürki. Einmal habe er, weil er selbst ein grosser Metal-Fan ist, einen Song der Band Pantokrator mitgebracht. «Erst las ich ihnen den Text vor», sagt er. Im christlichen Metal werden nämlich oft Psalmen vertont. «Ich fragte: ‹Gefällt euch das?› Sie bejahten. Also sagte ich: ‹Gut, dann hören wir es uns mal an!› Das hat sie überrascht!»

Charlotte und ihr Mann Hans kommen seit mehr als zehn Jahren jede Woche zum Mittagsclub. «Ich bin eigentlich gar nicht christlich», sagt Hans. «Aber ich muss sagen, die Kirche hat wirklich tolle Angebote. Ich habe heute eine andere Sicht darauf als früher.» Auf den Mittagsclub kam das Ehepaar, als Charlotte zu ihrem 80. Geburtstag eine Einladung von der Kirchgemeinde bekam. «Wir waren sofort begeistert», erinnert sich Hans. «Seither kommen wir jede Woche.» Sie liebe das Essen, sagt Charlotte. Und die Leute. «Ich freue mich jedes Mal zu kommen. Man lacht viel und man isst gut!»

Ein grosser gesellschaftlicher Mehrwert

Seit seinen Anfängen hat sich der Mittagsclub kaum verändert. Seit 50 Jahren richtet er sich an Seniorinnen und Senioren und hat zum Ziel, Menschen zusammenzubringen. «Der Mittagsclub erfüllt einen grossen gesellschaftlichen Mehrwert», sagt Markus Bürki. «Er geht theologisch in die Tiefe mit den Geschichten, Liedern und Gebeten und ist zugleich auch Beziehungsarbeit. Menschen essen hier zusammen und finden Unterstützung und ein offenes Ohr.»

 

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