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«Schade um die Kirche»

Ein Plakat bringt das Dorf ins Gespräch

von Carmen Schirm-Gasser
min
24.09.2026
Mit dem provokanten Plakat «Schade um die Kirche» hat die Kirchgemeinde Gächlingen für Aufsehen gesorgt. Medien berichteten darüber, im Dorf wurde diskutiert. Der Kirchenstand war vor dem Volg mit der Bevölkerung im Gespräch. Auf diesem Weg sucht er Freiwillige. Die Bilanz fällt positiv aus.

Gipfeli, Getränke und viel Zeit für Gespräche: Drei Stunden lang standen vier Mitglieder des Gächlinger Kirchenstands an einem Samstag­vormittag im August vor dem Volg. Mit dabei war jenes Sujet, das seit Anfang August am Pfarrhaus für Aufmerksamkeit sorgte: «Schade um die Kirche. Eigentlich haben wir das nicht gewollt.»

Raus aus dem Kreis der Insider

Zwischen zehn und zwanzig längere und kürzere Gespräche seien an diesem Vormittag zusammengekommen, erzählt Pfarrer Werner Näf. Vor allem aber sei die Kirchgemeinde dort sichtbar und ansprechbar gewesen, wo die Menschen ihren Alltag verbringen. «Viele hatten keine Zeit für ein längeres Gespräch. Aber sie haben uns gesehen und wahrgenommen, dass wir für Fragen da sind.» Und Fragen gab es durchaus. Denn nicht alle hatten die Botschaft des ­Plakats so verstanden, wie sie gemeint war. Manche gingen zunächst davon aus, dass die Kirche geschlossen werden soll. «Wir mussten zuerst erklären und Missverständnisse ausräumen», sagt Näf. Danach seien die Reaktionen überwiegend positiv gewesen. Viele hätten es begrüsst, dass die Kirchgemeinde auf ungewöhnliche Weise auf ihre Situation aufmerksam macht.

Diskutiert wurde auch über mögliche Alternativen. Warum nicht mit einer anderen Kirch­gemeinde fusionieren? Warum hält Gächlingen an seiner Eigenständigkeit fest? Für Näf waren gerade solche Fragen wertvoll. Denn mit dem Stand vor dem Volg erreichte die Kirchgemeinde auch Menschen, die nicht zu ihren üblichen Informationsveranstaltungen kommen. «Bei Kirchgemeinde- und Informationsversammlungen erreichen wir vor allem die Insider», sagt Näf. Eine allgemeine Einladung allein reiche heute oft nicht mehr aus. Die Menschen müssten dort angesprochen werden, wo sie ohnehin unterwegs sind. Deshalb könnte das «Gipfeltreffen», wie die Aktion genannt wurde, durchaus eine Wie-derholung erleben. Unabhängig von der aktuellen Kampagne sei ein solcher unkomplizierter Kontakt zur Bevölkerung wertvoll, findet Näf.

Jetzt werden Freiwillige gesucht

Konkrete Folgen hat die Aktion bereits: Eine Frau erklärte sich interessiert, beim Besuchsdienst mitzuhelfen. Vor allem aber hat der Kirchenstand durch die Gespräche bereits mehrere Kontakte geknüpft. Das erleichtert nun die Suche nach Personen für die offenen Funktionen: Die Verantwortlichen können gezielt auf Menschen zugehen, mit denen sie bereits gesprochen haben, und müssen nicht bei null anfangen. Genau darum geht es der Kirchgemeinde in der nächsten Phase. Für die kommenden Jahre braucht sie Menschen, die sich freiwillig engagieren. Gesucht werden unter anderem ein neuer Stimmenzähler und eine Revisorin. Auch der Kirchenstand könnte Verstärkung gebrauchen. ­Darüber hinaus sollen im Zuge der geplanten Neuorganisation Aufgaben wie Gemeinde- oder Gottesdienstkoordination auf mehrere Schultern verteilt werden.

Dass sich jemand spontan vor dem Volg für ein Amt meldet, habe er allerdings nicht erwartet, sagt Näf. «Das funktioniert über persönliche Anfragen.» Das Plakat und die Gespräche haben dafür den Boden bereitet. Nun hat der Kirchenstand Ideen, wen er ansprechen könnte, und die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten wissen bereits, weshalb die Kirchgemeinde neue Wege sucht. Eine Personensuchgruppe wurde inzwischen gegründet. Sie soll dauerhaft bestehen und immer wieder Menschen auf eine mögliche ehrenamtliche Mitarbeit ansprechen. Näf kann sich vorstellen, dass daraus längerfristig eine Art Begleitgremium für Freiwillige entsteht.

Bilanz erst zu Weihnachten

Bis Weihnachten dürfte sich zeigen, ob die entstandene Aufmerksamkeit auch zu konkretem Engagement führt. Einen Effekt hat das Plakat aber schon jetzt: Über die Zukunft der Kirche in Gächlingen wird gesprochen. Anfang September wurde das Plakat nach einem Monat wieder abgehängt – «damit kein Gewöhnungseffekt eintritt», wie Näf sagt. Und die Kirchenvertreter haben festgestellt, dass der direkte Weg zu den Menschen manchmal nicht über den Pfarrhaussaal führt – sondern über ein Gipfeli vor dem Volg.

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