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Schöpfungszeit

Ein zweites Leben für alte Dinge

von Vera Rüttimann
min
04.09.2026
Bis 4. Oktober steht die Schöpfungszeit unter dem Motto «Der Mehrwert der Dinge». In der Brockenstube der reformierten Kirchgemeinde Eschenz-Burg sorgt Erika Schwarz dafür, dass Aussortiertes neue Besitzer findet. Der Erlös kommt Hilfswerken und Projekten zugute.

Seit ihrer Pensionierung vor drei Jahren arbeitet Erika Schwarz in der Brocki Eschenz-Burg. Dort erlebt sie, wie Dinge ein zweites Leben erhalten. «Schon vor über 40 Jahren hatte eine Gruppe von Frauen die Idee, eine Brocki zu eröffnen, damit Leute mit kleinem Budget hier einkaufen können», erzählt sie. Die Gemeinde stellte das alte Spritzenhaus zur Verfügung und mietete gegenüber im Volg­Gebäude einen weiteren Raum. Die Brockenstube wird von der Kirchgemeinde Eschenz-Burg getragen, die in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen zu Hause ist.

Im Zeichen der Schöpfungszeit

Warum Erika Schwarz sich engagiert, beschreibt sie so: «All diese Berge an Plastik und Kleidern, die an Afrikas Strände angespült werden. Ich staune immer wieder, wie manche Leute sich fast wöchentlich neue Kleider anschaffen.» Gegen diese Entwicklung wolle sie etwas tun. Sie zeigt auf die hübsche Bluse, die schon ihre Mutter trug – sie starb mit 92 Jahren. «Sie ist von guter Qualität, sie gefällt mir, sie passt mir, und es ist ein Andenken an meine Mutter.» Dieser Ansatz passt perfekt zur diesjährigen ökumenischen Schöpfungszeit, die bis zum 4. Oktober unter dem Motto «Wertvoll leben – der Mehrwert der Dinge» steht. 

In der Brocki hat Erika Schwarz mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. «Sie kommen aus allen Schichten. Berührungsängste kenne ich nicht.» Dabei helfe ihr auch ihr beruflicher Hintergrund, wie die gebürtige Affeltrangerin sagt. Viele Jahre war sie im Hotelfach tätig. Später arbeitete sie in der Alterspflege und wechselte in die Betreuung von beeinträchtigten Menschen in einer Wohngruppe.

Dinge finden Menschen – und umgekehrt

Einkaufen macht glücklich. Erika Schwarz hat schon viele berührende Begegnungen in der Brocki gehabt. Zwei Geschichten: Das war die Oma, die mit ihrem Enkel kam. Er entdeckte für sich eine alte, coole Lederjacke. Die wollte er unbedingt haben. Ein Teil davon musste er jedoch aus seinem Sackgeld zahlen. «Er fragte mich, was sie koste. Er überlegte hin und her. Schliesslich gab ich sie ihm zum halben Preis. Sie stand ihm wirklich gut», erzählt Erika Schwarz.

Ein ostdeutsches Paar machte auf seiner Radtour Halt in der Brocki in Eschenz. Der Mann arbeitet in einer Tagesstätte für Kinder aus sozial schwachen Familien. «Die Kinder, so erzählte er mir, stritten sich um die wenigen Taucherbrillen und Flossen. Deshalb hat er bei uns das ganze Paket der begehrten Ware aufgekauft.» 

Von der Brockenstube in die Vereinskasse

Neben zwölf Frauen sind auch zwei Männer dabei. Alle arbeiten ehrenamtlich. Der Erlös gehe hauptsächlich an lokale Vereine. «Vor allem Vereine, die Jugendförderung bieten, sind uns wichtig», betont sie. Die Brocki unterstützt auch Behindertenwerkstätten und den Behindertensport. Spenden fliessen auch, wenn die Glückskette für Opfer von Naturkatastrophen Geld sammle.

Was Gegenstände erzählen

Erika Schwarz stöbert privat selbst gern in Brockis. Ihre Wohnung zeugt davon. Von den «tausend» schönen Dingen, die sie schon entdeckt hat, findet sich da ein Teller, dort eine Tasse oder ein handgeflochtener Korb im Garten. Besonders stolz ist sie auf eine Waage mit grosser Gewichtsanzeige. Was sie immer wieder neu fasziniert: «Jeder Gegenstand hat eine Geschichte. Wo ist er gestanden? Wer hat das bedient? Und: Wem hat dieser Gegenstand zuvor Freude bereitet?»

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