Extremistische Gewalt in Nigeria nimmt stark zu
Entführungen durch Extremisten in Nigeria sind im vierten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 153 Prozent gestiegen, wie eine Pressemitteilung von Open Doors zeigt.
Zwischen Oktober und Dezember 2025 wurden in Nigeria 3415 Menschen entführt, gegenüber 1352 im gleichen Zeitraum 2024. Das geht aus dem Bericht «Nigeria at the Crossroads» der Hilfsorganisation Open Doors hervor, die sich für verfolgte Christen einsetzt. Die Zahl der getöteten Zivilisten stieg im gleichen Zeitraum um 51 Prozent, von 1148 auf 1735.
Mehr Morde und Entführungen gehen laut Bericht auf das Konto von Milizen der Fulani-Ethnie als auf jenes der Terrorgruppe Boko Haram. Zwischen Oktober 2023 und Dezember 2025 wurden laut Bericht weiterhin zahlreiche Christen getötet; auch die Zahl getöteter Muslime nahm in diesem Zeitraum zu. Bei den Entführungen registrierte der Bericht einen Wechsel: Bis 2023 waren mehrheitlich Christinnen und Christen betroffen, seit 2024 werden mehr Musliminnen und Muslime entführt.
Die nigerianische Regierung ergriff laut Bericht einzelne positive Massnahmen gegen die Gewalt. Ohne einen anhaltenden Willen, das Problem anzugehen, werde sich die extremistische Gewalt im Norden Nigerias jedoch weiter verschärfen. Im November rief Präsident Bola Tinubu den landesweiten Sicherheitsnotstand aus, nachdem Entführungen von Schülerinnen und Lehrpersonen zur Schliessung von Schulen in elf Bundesstaaten geführt hatten. Im Oktober 2025 hatten die USA Nigeria zudem wegen Verstössen gegen die Religionsfreiheit erneut auf die CPC-Liste gesetzt.
Jane Boswell, Leiterin Advocacy bei Open Doors International, forderte verstärkte Sicherheitsmassnahmen, die Bestrafung der Täter und eine sichere Rückkehr für Vertriebene. Fast vier Millionen Menschen sind laut Bericht innerhalb Nigerias auf der Flucht; ohne Fortschritte bei Sicherheit und Straflosigkeit werde sich die Vertreibung weiter verschärfen.
Extremistische Gewalt in Nigeria nimmt stark zu