Frauen in der Bibelüberlieferung systematisch benachteiligt
Ein Forschungsteam der Universitäten Rostock und Wismar sowie der Evangelischen Hochschule Hessen hat einen internetbasierten «TextVariant-Explorer» entwickelt. Das Werkzeug durchsucht rund 831'900 altgriechische Versvarianten des Neuen Testaments nach Ähnlichkeiten, Unterschieden und Auslassungen.
Die Analyse zeigt eine klare Tendenz: Frauennamen wurden in der Überlieferung zu Männernamen, nie umgekehrt. Ein bekanntes Beispiel ist die von Paulus erwähnte Apostolin Junia (Römer 16,7), die noch im vergangenen Jahrhundert als männlicher «Junias» übersetzt wurde. Ähnliches gilt für Nympha in Kolosser 4,15 – die Schlachter-Bibel nennt sie bis heute als Mann.
«Wir müssen es aushalten, dass es verschiedene Varianten in der biblischen Überlieferung gibt», sagte die Rostocker Neutestamentlerin Soham Al-Suadi.
Die Ergebnisse des Projekts «GenderVarianten digital» sind noch bis zum 27. Juni im Bibelhaus-Erlebnismuseum in Frankfurt am Main in der Kabinettausstellung «Vergessene Frauen» zu sehen.
Frauen in der Bibelüberlieferung systematisch benachteiligt