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Froh-Botschafterin

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01.01.2016
In ihrem soeben erschienenen Buch gibt Schwester Benedikta Einblick in ihr Leben als Eremitin. Und dieses ist keineswegs einsam. Im Gegenteil.

Steil fallen die Wände in die Schlucht hinab, durch die sich der Bach schlängelt. Die kleine Kartause duckt sich unter einem überhängenden Felsvorsprung. Schummriges Licht fällt durch die alten Bäume. Es sei ein mystischer Ort, erklärt Schwester Benedikta. Seit einem Jahr lebt die Einsiedlerin in der Verenaschlucht oberhalb von Solothurn. Wie die heilige Verena, die im 3. Jahrhundert hier Wunder wirkte.
Doch einsam ist es für die Einsiedlerin nicht: Spaziergänger mit Hunden, Wanderer und ganze Schulklassen kommen in ihrem Garten vorbei. Nicht wenige klopfen an der Pforte der Kartause an. Ihre Vorgängerin hatte nach kurzem gekündigt. Der Rummel war ihr zu gross. Die Menschen stören Schwester Benedikta weniger: «Etwas Zentrales in der Spiritualität von uns Einsiedlern ist die Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber den Menschen, die Rat, seelsorgerliche Gespräche oder ein Gebet suchen.»
Schwester Benedikta, einst verheiratet und Mutter, lebte schon seit sechs Jahren als Einsiedlerin. Zunächst als Stadteremitin, zurückgezogen in einer Wohnung, später im Bündnerland. Ihr Tagesablauf ist geprägt vom Gebet, Schweigen, dem Psalmgesang in der St.-Martins-Kapelle und den Gesprächen mit den Besuchern. Schweigen bedeutet für sie, «ruhig werden und absinken». In diesen Momenten komme sie der Quelle näher. «Je näher ich zu Gott komme, umso stärker spüre ich, dass ich zu mir komme.»
In den nächsten Tagen wird die Eremitin etwas weniger Zeit für Rückzug und Schweigen haben. Ende August erscheint ihre Biografie «Licht auf meinem Pfad». Im letzten Herbst stand jemand vom Orell-Füssli-Verlag vor ihrer Pforte und unterbreitete ihr diese Idee, sie solle doch ein Buch über ihr Leben und ihre Berufung schreiben. Sie sagte zu. «Wenn ich von Christus überzeugt bin, dann möchte ich etwas erzählen.»

Beeindruckt von Niklaus von Flüh
Das Leben der 52-Jährigen verlief keineswegs gradlinig. Als Kind in einer Adoptivfamilie aufgewachsen, durchlebt sie eine schwierige Jugend, geplagt von Selbstzweifeln, Drogen und Depressionen. Sie erlernt Kleinkindererzieherin, heiratet und bekommt vier Kinder. Der Glaube und die Sehnsucht und Suche nach Gott begleitet sie seit ihrer Kindheit. Mit 13 Jahren liest sie die Biografie von Niklaus von Flüh und ist stark beeindruckt.
Ihr Lebensweg sei schwierig gewesen, gibt sie zu. «Ich lebte mit dem Gefühl, nicht erwünscht zu sein, und hatte grosse Mühe mich selbst anzunehmen.» Für ihre Adoptiveltern sollte sie so sein wie sie selbst. «Das konnte ich nicht und erlebte ihre Hilflosigkeit und ihr Unverständnis.»
Als sie die Bibel las, begegnete sie dort einem Gott der Liebe und Barmherzigkeit, der sie so akzeptierte. Mit 39 Jahren erfuhr sie, dass Gott zu ihr sagte: Leg deine Arbeit nieder und führe ein Leben im Gebet. Der Ruf begleitete sie über Jahre. Immer wieder wehrte sie sich dagegen, bis ihr ein Priester erklärte: «Wenn Gott dich so sehr ruft, musst du dich stellen.» Die Trennung von ihrem Mann und der Familie sei eine schwierige Zeit gewesen, meint sie. Das wolle sie nicht verhehlen.
Schwester Benedikta erlebt, wie sehr sich die Leute nach Wahrheit, Klarheit und Echtheit sehnen. Sie hält nicht viel von den Werbestrategien, welche einige Kirchgemeinden entwickeln. Man müsse einfach zu den Leuten hingehen, mit dem Evangelium, der Froh-Botschaft. Eine «Kirche, die den Gott der Liebe vor sich herträgt, trifft die Menschen in ihrem Herzen.» Niklaus von der Flüh mahnte die Eidgenossen vor 500 Jahren zur Einigkeit. Was rät die heutige Einsiedlerin der Politik? Dass sie den Frieden sucht, erklärt Schwester Benedikta. Das klinge jetzt etwas simpel. Aber in einer Zeit, in der so viel Unruhe und Angst herrsche, sei es wichtig zu zeigen, dass das Ziel des Lebens die Liebe sei. «Wir dürfen dabei auf Gottes Handeln vertrauen.» Das hat Schwester Benedikta immer wieder erlebt.



Schwester Benedikta: Licht auf meinem Pfad, Orell Füssli Verlag, 26.90 Fr.

Tilmann Zuber

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