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Neue Gärten beider Basel

Garten der Kulturen

von Noemi Harnickell
min
28.05.2026
Im interkulturellen Gemeinschaftsgarten Therwil wächst afghanischer Lauch neben Schweizer Radieschen. Über ein Projekt, das nicht nur den Magen, sondern auch die Seele füllt. 

Im Randenbeet werden viele Sprachen gesprochen. Ukrainisch, Französisch, Deutsch. Hier und da fällt ein Wort auf Farsi. Beim gemeinsamen Gärtnern ist Sprache oft zweitrangig. Was zählt, ist das gemeinsame Ziel: anbauen und ernten. Im interkulturellen Gemeinschaftsgarten Therwil treffen sich jeden Donnerstagnachmittag bis zu 25 Menschen aus Mali, der Ukraine, Afghanistan und der Schweiz.

Idylle im Flüchtlingsalltag

Momo steht mit einem grossen Rechen mitten im Beet und wühlt die Erde auf. Hier möchte er Blumenkohl, Brokkoli und Fenchel setzen. Riza sägt an den Ästen eines wuchernden Busches. Liubov und Anna kauern im Beet nebenan und jäten das Unkraut mit den Händen. Die Erde ist feucht vom Regen am Morgen und wenn gerade niemand redet, hört man fast nichts ausser dem Rauschen des Grases und dem Vogelgezwitscher.

Fast alle Gärtnerinnen und Gärtner haben eine Vergangenheit, die weit weniger idyllisch ist. Sie sind vor Krieg, Gewalt und Hunger geflüchtet, einige haben grosse Gefahren auf sich genommen, um überhaupt hier zu sein. Mit dem interkulturellen Gemeinschaftsgarten, der zum Programm «Neue Gärten beider Basel» des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) gehört, sollen Menschen aufgefangen und beim Wurzelschlagen in der Schweiz unterstützt werden.

Gärtnerwissen aus aller Welt

Flurina Müller kniet im Beet und reisst das Unkraut mit ihren Händen aus. Handschuhe trägt sie keine. «Ich liebe das Gefühl der kühlen Erde auf der Haut», sagt sie und zeigt lachend ihre braunen Hände. Sie ist Agronomin und beim Heks für den Bereich Garten und Gesellschaft verantwortlich.

Alle Teilnehmenden haben ein eigenes kleines Beet, das sie nach ihren Wünschen bepflanzen können. In den Gewächshäusern und auf den gemeinschaftlichen Beeten werden zusammen Sachen angepflanzt. Kürbis zum Beispiel, Tomaten oder Randen. Wer sich für den Gemeinschaftsgarten anmeldet, verpflichtet sich, eine Saison lang jeden Donnerstagnachmittag zu den Gartentreffen zu kommen und den Garten zu pflegen.

Begegnung beim Essen

Das Projekt «Neue Gärten» verfolgt mit seinem Programm drei Ziele: Erstens die soziale Vernetzung. «Menschen, die neu hier ankommen, sind oft isoliert», sagt Flurina Müller. Zweitens die Förderung der psychischen und physischen Gesundheit. «Wenn man psychisch belastet ist, kann es schwer sein, Leute kennenzulernen.» Und drittens das gegenseitige Voneinander-Lernen: Sprache, Gartenbau, integrationsrelevante Informationen. «Im Programm haben wir 17 verschiedene Nationalitäten», sagt sie und zählt auf: «Senegal, Kongo, Ukraine, Syrien, Afghanistan, Türkei ... aber erst wenige Leute aus der Schweiz. Dabei ist es uns wichtig, einen Begegnungsort zu schaffen, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Lebensrealitäten auf Augenhöhe begegnen können.»

Momo, der vor einigen Jahren als Teenager von Mali nach Frankreich geflüchtet ist und seit einem Jahr in der Schweiz lebt, sagt: «Das Gärtnern leert einem den Kopf.» Die Ukrainerin Alyona erzählt, sie habe zu Hause ein Schmetterlingshaus. Erst kürzlich konnte sie zusehen, wie aus einer Raupe ein Schmetterling wurde. «Schmetterlinge lieben Fenchel», sagt sie und zeigt auf ihr Beet. Seit zwei Jahren leidet sie an Brustkrebs und das Gärtnern hat für sie eine neue Bedeutung gewonnen: «Beim Arbeiten mit den Händen muss ich nicht viel denken.»

Die Nachfrage, vor allem vonseiten der zugewanderten Menschen, ist gross. Das Heks bewirtschaftet mehrere solche Gemeinschaftsgärten, sowohl in Baselland wie auch in Basel-Stadt. In Therwil ist der Gemeinschaftsgarten ein Kooperationsprojekt mit der Reformierten Kirchgemeinde Oberwil-Therwil-Ettingen. Flurina Müller nennt die Zusammenarbeit eine Win-win-Situation. «Der Garten belebt das Kirchenareal und die Infrastruktur», sagt Flurina Müller. Zweimal im Jahr kocht die Gruppe ausserdem mit dem eigenen Gemüse für den Mittagstisch der Kirchgemeinde, hilft beim Apfelfest im Herbst mit und arbeitet regelmässig mit der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchgemeinde im Garten. Beim gemeinsamen Kochen lernt auch die Schweizerin neue, überraschende Geschmäcker kennen: «Der afghanische Lauch schmeckt wie Knoblauch!»

Mehr erfahren: www.heks.ch/neue-gaerten-beider-basel

 

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