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Kirche in Bewegung

Grösste Schweizer Landeskirche fördert Neuland

von Marius Schären/reformiert.info
min
05.06.2024
Mit einer neuen Phase von «Kirche in Bewegung» sollen sich Projekte etablieren können, die auch Kirchenferne ansprechen. Die Synode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn genehmigt einstimmig einen Kredit von 3,5 Millionen Franken.

Alles auf Gr├╝n geschaltet: Zum Schluss des Gesch├Ąfts unterstrich die Abstimmungstafel im Berner Grossratssaal deutlich, was die Mitglieder des Kirchenparlaments, die Synodalen, zuvor ge├Ąussert hatten. Durchs Band gab es klaren Zuspruch f├╝r einen Kredit von 3.5 Millionen Franken f├╝r drei Jahre an die zweite Phase des Projektes ┬źKirche in Bewegung┬╗ (KiB) der reformierten Landeskirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) ÔÇô und auch Lob f├╝r die Erarbeitung der Vorlage. Eine Einstimmigkeit, die auch im Kirchenparlament nicht die Regel ist, wie Refbejuso in einer Mitteilung festh├Ąlt.

Das Geld soll kirchliche Projekte mitfinanzieren, die neuartig, originell und ├╝berraschend sind. Vorgesehen ist, dass insgesamt zehn Projekte ├╝ber drei Jahre je maximal 350ÔÇś000 Franken von der Landeskirche erhalten. 20 Prozent der Projektkosten m├╝ssen aber jeweils selbst ├╝bernommen werden. Die meisten Projekte d├╝rften aus dem Pool kommen, die in der vorangehenden ersten Phase durche den sogenannten ┬źErprobungsphase┬╗ initiiert wurden. Seit 2021 sind das bisher 16 Initiativen.

├ťber das Bisherige hinaus

Mit dem Projekt ┬źKirche in Bewegung┬╗ richte sich Refbejuso an bisher nicht erreichte Menschen und wolle ├╝ber die ┬źbisherige Ordnung┬╗ hinausgehen, auch etwa mit neuen Partnerschaften, sagte Synodalrat Iwan Schulthess eingangs der Diskussion. Und die gef├Ârderten lokalen Initiativen d├╝rften ganz unterschiedlich sein: mit Neuem oder Bew├Ąhrtem, Schrillem oder Diskretem und lokal oder global wirken.

Die Sprecherinnen und Sprecher der verschiedenen Fraktionen in der Synode fanden viele lobende Worte f├╝r Vorlage. Das Herzblut der Projektleitenden imponiere und die Vorgehensweise ├╝berzeuge, zog die Finanzkommission den Hut. ┬źEin wertvolles Instrument┬╗ nannte es die jurassische Fraktion und hob die Unterst├╝tzung der lokalen Initativen durch Beratung und Vernetzung vonseiten Refbejuso hervor. Und die liberale Fraktion wertete speziell positiv, dass es ┬źkein Wasserkopfprojekt┬╗ sei, sondern tats├Ąchlich an der Basis entstehe, von Menschen vor Ort getragen.

Anscheinend haben die Möglichkeiten mit diesem Erprobungsfonds etwas ausgelöst.

Abenteuerweg und Blitzgottesdienst

Die bereits unterst├╝tzten Projekte von der ersten Phase sind auf der Website kircheinbewegung.ch vorgestellt. Da gibt es einen Abenteuerweg, ein Repair-Caf├ę, ein Camp f├╝r Einelternfamilien, einen Gemeinschaftsgarten, ein ambulantes Pfarramt, Blitzgottesdienste vor Wohnblocks oder ein Pfarrhaus, das zum Caf├ę, Veranstaltungsort und Co-Working-Space wurde.

Welche davon in der zweiten Phase Unterst├╝tzung erhalten werden, ist noch nicht bekannt. Aber gem├Ąss Franziska Huber von der Fachstelle Theologie bei Refbejuso sind bereits jetzt einige Projekte bereit, sich f├╝r die Unterst├╝tzung zu bewerben und den Kriterien zu stellen. Und nicht nur das: F├╝r die erste Phase der Unterst├╝tzung seien ihr Kollege Ralph Marthaler und sie, verantwortlich f├╝r Kirche in Bewegung, in den letzten Monaten geradezu ├╝berflutet worden mit Antr├Ągen von neuen Initiativen. ┬źAnscheinend haben die M├Âglichkeiten mit diesem Erprobungsfonds etwas ausgel├Âst┬╗, sagt Huber.

Breite Zustimmung dank Erfolg

Dass die Vorlage ihres Teams f├╝r die zweite Phase in der Synode auf ungeteilte Zustimmung st├Âsst, empfindet sie als grosse Anerkennung und Wertsch├Ątzung. ┬źUnd es ist nat├╝rlich eine grosse Freude f├╝r alle Erproberinnen und Erprober selbst.┬╗ Viel Mut gegeben habe ihr auch, dass die Synode ein so komplexes und kostspieliges Gesch├Ąft mittr├Ągt.

Gew├╝rdigt wurde im Parlament ebenso die erste Phase, die auf allen Seiten als Erfolg gilt. Diesen sieht Franziska Huber in mehreren Punkten. Dank dem Erprobungsfonds mit einem Budget von 1.2 Millionen Franken sei seit 2021 ein Netzwerk von Pionierinnen entstanden. ┬źSo konnten wir quasi dank Schwarmintelligenz ein Konzept mit breiter Akzeptanz entwickeln┬╗, sagt Franziska Huber. Weiter w├╝rden sie von Refbejuso zwar Projekte beraten, aber das ├╝bern├Ąhmen nun auch andere Mitglieder des Netzwerks selbst. Und als Erfolg bezeichnet Huber auch, dass die Projekte sehr vielf├Ąltig sind und nicht nur aus einer bestimmten theologischen Richtung kommen.

Lernen aus Fehlern

Erfolg k├Ânne zudem auch sein, wenn ein Projekt nicht die urspr├╝nglich angepeilten Ziele erreiche, sagt die Theologin weiter. Als fiktives Beispiel nennt sie ein Projekt mit einer bestimmten Zielgruppe, das nicht wie vorgesehen auf Resonanz st├Âsst ÔÇô aber bei anderen Menschen Anklang findet. ┬źUns ist ganz wichtig, dass man auch Wirkungen erkennen kann, die gar nicht vorgesehen waren.┬╗ So k├Ânnten Projekte weiterentwickelt und es k├Ânne voneinander gelernt werden. Deshalb seien die geforderten Wirkungsziele f├╝r Projekte der zweiten Phase auch ziemlich offen formuliert.

Doch so sehr Franziska Huber mit ┬źKirche in Bewegung┬╗ quasi an einem Netzwerk von vielen ┬źReformati├Ânchen┬╗ arbeitet, hebt sie auch hervor, was die Kirche an nach wie vor Bew├Ąhrtem bietet. Darunter etwa die Pr├Ąsenz vor Ort: ┬źDas dichte Filialnetz mit Arbeitenden, Zugwandten, Freiwilligen ├╝berall, gibt der Kirche eine riesige Kraft.┬╗ Und auch die reiche Tradition mit Texten und Geschichten sei eine volle Schatztruhe. Huber betont aber auch: ┬źWichtig ist zu erkennen, dass es nicht ├╝berall das Gleiche ist. Das Bew├Ąhrte und Sch├╝tzenswerte kann von Ort zu Ort etwas anderes sein.┬╗

 

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