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«In diesem Land hat es genug Platz»

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28.04.2016
In Olten berichtete die Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser über die schwierige Situation in Palästina. Die Diskriminierung und Vertreibung ihrer Landsleute hätten zugenommen. Trotzdem will sie sich nicht zu Hass und Hoffnungslosigkeit hinreissen lassen.

Wenn Sumaya Farhat-Naser √ľber ihre Heimat Pal√§stina referiert, zeigt sie drei Karten: Eine von 1948, dem Gr√ľndungsjahr von Israel, eine von 1990 als der Friedensprozess nach Camp David einsetzte und eine von heute. N√ľchtern dokumentieren sie die Trag√∂die der Pal√§stinenser. Ihre Gebiete schwinden massiv, sodass sie einem Fleckenteppich gleichen. Letzte Woche reiste Sumaya Farhat-Naser auf einer Vortragsreise durch die Schweiz.

Sumaya Farhat-Naser lässt sich von der politischen Situation nicht entmutigen. In Schulen und Frauengruppen lehrt sie seit Jahren gewaltfreie Kommunikation und engagiert sich in der Friedensbewegung.

Zahlreiche Auszeichnungen
Sumaya Farhat-Naser hat Biologie, Geografie und Erziehungswissenschaften in Hamburg studiert. Ber√ľhmt wurde sie durch ihre B√ľcher, in denen sie das Schicksal und den Alltag unter israelischer Besatzung schildert. Seit 1982 arbeitete sie als Dozentin f√ľr Botanik und √Ėkologie an der Universit√§t Birzeit in Pal√§stina.

F√ľr ihr Engagement wurde die 68-J√§hrige mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Trotz dieser Ehrungen bleibt sie auf dem Boden. Sie misstraut jeglicher Ideologie, die die Menschen fanatisiere, ihre Seelen vergifte und die Religionen missbrauche. Ihre Ratschl√§ge sind hemds√§rmlig. Ab und zu blitzt der Schalk der Grossmutter auf. Ohne Pathos sagt sie, ¬ęalle Menschen sind gleich¬Ľ, ¬ęGott hat uns das Land verheissen und will, dass wir dort alle leben ‚Äď Juden, Christen und Muslime¬Ľ oder ¬ęman hasst nicht von Geburt an¬Ľ.

Solche Aussagen sind in Europa normal. In einer Region, in der seit √ľber 80 Jahre Krieg herrscht, h√∂rt man sie selten. Doch Sumaya Farhat-Naser wiederholt sie wie ein Mantra, als m√ľsste sie die Hoffnung ins Hirn der Menschen brennen. Sie ist davon √ľberzeugt: ¬ęIn diesem Land hat es genug Platz f√ľr alle.¬Ľ In dieser Situation h√§tten viele Pal√§stinenser die Hoffnung verloren, sagt sie, w√§hrend die Israelis wegschauten. Die israelische Friedensbewegung befinde sich im Koma angesichts des Fanatismus und der sozialen Probleme im eigenen Land. Viele Israelis wanderten ins Ausland aus. Der Westen wage nicht einzugreifen. Niemand emp√∂re sich dar√ľber, denn der Krieg in Syrien und die Fl√ľchtlingskrise beherrschten die Politik.

Verzweiflung und Angst
F√ľr Sumaya Farhat-Naser sind die Messerattacken der Pal√§stinenser auf Israelis Ausdruck der Verzweiflung. 33 Israelis wurden erstochen, 230 Pal√§stinenser wurden erschossen. Da sei jedes Menschenleben zu viel. Farhat-Naser will nicht in der Hoffnungslosigkeit verharren. Vor kurzem wurde das zweite Kulturzentrum fertiggestellt, das sie initiiert hatte. Trotz Erschwernissen durch Mauern und Kontaktverbot ruft sie beide Lager auf, den Kontakt und das Gespr√§ch zu suchen. So k√∂nne man auch den Standpunkt des anderen kennenlernen.

Man sehe beispielsweise die Angst der jungen israelischen Soldaten, die √ľberfordert den Finger allzu leicht am Abzug h√§tten. Gerade Frauen erlebten oft, wie ein L√§cheln den Kern aufweicht. Und Sumaya Farhat-Naser kennt etliche Israelis, welche die pal√§stinensische Friedensaktivistin unterst√ľtzen. Das gebe ihr Kraft und den Mut, weiterzuk√§mpfen.

4,5 Millionen Palästinenser auf engstem Raum
In ihrem Vortrag schilderte Sumaya Farhat-Naser die heutige schwierige Situation der Pal√§stinenser. Seit dem Scheitern des Friedensprozesses in den 90er-Jahren dr√§ngt Israel die Pal√§stinenser zur√ľck und annektiert ihr Land. Systematisch werden ihre Rechte durch das Milit√§rgesetz beschnitten. Heute leben 4,5 Millionen Pal√§stinenser auf engstem Raum, der durch die Siedlungen immer kleiner wird. Aus Gr√ľnden der Sicherheit baut Israel Mauern um die pal√§stinensischen St√§dte und riegelt sie ab. Nur stundenweise k√∂nnen die Einheimischen die Checkpoints und Eisengates passieren. Pal√§stina gleiche drei ummauerten Inseln, die schlecht miteinander verbunden seien, sagt Fahrhat-Naser. ¬ęHuman Deportation¬Ľ nenne sich diese Politik mit dem Ziel, die Pal√§stinenser aus ihrem Land zu vertreiben.

Tilmann Zuber / 28. April 2016

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