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Leserbriefe

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01.01.2016
Ihre Zuschriften im Oktober.

Kibo Oktober

«Den Herrgott haben wir nicht ausgemustert»

Ein Zeichen der Reife
Wie beschrieben, haben die Armee und die Kirche etwas Grundlegendes gemeinsam, nämlich dass bei beiden Organisationen zunehmend die Menschen fern bleiben. Für mich ist die Begründung offensichtlich. Einfach gesagt: Ich glaube an die Mündigkeit, an die weitere geistige Entwicklung (gemäss der Evolution) der Menschen. Wenn früher die Religionen dem Volk, auch der Politik, weit voraus waren, hinken sie (Traditionen) heute zunehmend hinten nach. Die politischen, diplomatischen Vereinbarungen und (Menschenrechts)-Gesetze bewirken immer mehr Frieden auf dieser Welt, als es eine religiöse Empfehlung oder der Glaube vermag. Deutliche Zeichen sind überall zu sehen, so auch in den aktuellen Verhandlungen im Syrienproblem. Was früher der Glaube und die Religion zum Guten bewirkte, ist es heute immer mehr die Bewusstheit der Menschheit. Ein gutes Zeichen. So braucht es auch immer weniger Militär und entsprechend weniger Militärseelsorger, was nach wie vor ein deutlicher Widerspruch ist! Das Beispiel von Urs Aebi von den Erfahrungen von diesem Jesuiten in Ex-Jugoslawien stellt geradewegs sein Denken (seinen Glauben) in Frage. Statt Gleiches mit Gleichem vergelten, wissen wir heute bessere Lösungsmethoden. So braucht die neutrale Schweiz auch keine Armee als angebliche «Sicherheit». Dies ist ein alt gewohntes Denken, Glauben, Tradition, doch die Zeit geht voran. Und die Schweiz hat immer wieder viel guten Pioniergeist, wie in unserem Politsystem, Wirtschaftsverhalten oder religiösem, spirituellem Glauben, ich meine aber die Selbstbewusstheit. Daher gehen immer weniger junge Menschen, mit Freude schon gar nicht, zum Militär. Ein Zeichen der Reife!
Franz Vogel, Luzern-Littau


«E-Mail aus Kappel: Mit dem Herzen»

Glaubwürdige reformierte Glaubenssprache
Dem Kirchenbote sei Dank für die gelungene Wiedergabe des Essays von Pfarrer Christoph Hürlimann über die radikalen «Glaubenssprünge» der genialen Denker Pascal und Kierkegaard. Christlicher Glaube, von dem wir von der Bibel her Bescheid wissen, hat den einen Namen: Jesus Christus. Diese persönliche Erfahrung haben Pascal und Kierkegaard exemplarisch erlebt, gelebt und dokumentiert, wie der Essay bewegt und bewegend schildert. Solch christlicher Herzensglaube kommt sonst wenig zur Sprache. Auch im offiziellen reformierten Baselbieter Kirchenalltag und noch weniger in öffentlicher Wahrnehmung. Von dieser Selbstkritik soll sich Gottesdienst ausgenommen verstehen, auch christliche Seelsorge und sicher auch Familien-, Kinder-, Jugend-, Senioren- und Krankenarbeit. Aber worin bewegen wir uns von Montag bis Samstag, wenn nicht in unseren reformierten Institutionen und deren Sorgen, Kommunikation u. Ä.? Daran ist ja auch nichts auszusetzen solange die christliche Glaubensverkündigung gemäss unserer bibeltreuen Kirchenverfassung grundlegend und explizit an erste Stelle steht. Zur Erinnerung: Mit Karl Barth wurde christlicher Glaube von Grund auf erneut zum Fundament sine qua non aller kirchlicher Dogmatik (z.B. seine letzte Vorlesung «Einführung in die evangelische Theologie»). Dabei geht es um die alltägliche Entscheidung zur persönlichen Beziehung zum lebendigen, Gott («ich glaube, hilf meinem Unglauben»). Um die Entscheidung, Jesus Christus zu Herzen zu nehmen, zur Gerechtigkeit und in den Mund, zur Er-rettung (Römerbrief 10, 10).
Wir Baselbieter Reformierte erhalten dieses Jahr zwei einzigartige «Steilpässe», genau diese unabdingbare Voraussetzung unseres christlichen und kirchlichen Da-Seins und So-Seins erneut zu reflektieren. Und damit die Herzenssprache evangelisch-reformierten Glaubens wieder neu zu er-lernen, um sie auch glaubwürdig lehren zu können. Zunächst einmal von der Visitation 2013. Zudem Ende November von der Gedenkfeier zur Leuenberger Konkordie (1973), Vorläufer der heutigen Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE), welche entscheidend von Barth mitgeprägt worden war. Im historischen Dokument finden wir denn auch feierlichen Bezug auf das frühchristliche trinitarische Bekenntnis-Selbstverständnis mit Zentrum Jesus Christus. Für beinahe alle GEKE-Mitgliedskirchen bleibt liturgisches Bekenntnis selbstverständlich. Ausnahme bleiben wir Schweizer Reformierte mit unserer «Bekenntnisfreiheit» (1870). Wovor haben wir aber denn immer noch Angst wie damals als es um die Beilegung des unseligen innerreformierten «Apostolicumstreites» zwischen «Liberalen» und «Positiven» ging ? Es kann heute selbstredend keine Sprache mehr davon sein, theologisch reflektierten, evangelisch-reformierten Pluralismus, «Selber-Denken», verbindlich abschaffen zu wollen. Hingegen soll sinngemäss die Tür auch aufgestossen werden dürfen für lebendiges christliches Selbstverständnis. Insbesondere auch für christliche Seelsorge, Diakonie und Ökumene im weitesten Sinne, welche einer Volkskirche in einzigartiger Weise zustehen. Wäre es nicht höchste Zeit, unsere uns damals selbst verbindlich verordnete «Freiheit vom» Bekenntnis aus der Sicht der Freiheit, respektive Souveränität und Menschenfreundlichkeit des lebendigen, dreieinigen Gottes kreativ-innovativ zu reflektieren, zu paraphrasieren oder sogar neu zu formulieren? Für eine neue «Freiheit für» das Bekenntnis? Nein, nicht für eine gegenverordnete neue Verbindlichkeit, sondern vielmehr für verbindendes brückenschlagendes Bekenntnis-Verständnis und adäquate Liturgie ohne Ein- und Ausgrenzungen. Letztlich für Klarheit in Verkündigung, Unterricht, Seelsorge und damit zum Wohle eines gemeinsamen Lernprozesses für verständliche, glaubwürdige reformierte Glaubenssprache (sic. Ecclesia reformata, semper reformanda).
Hanspeter Mohler-Meyer, Liestal


Interview mit Angela Merkel

Der Glaube ist zentral
Grosse Achtung verdient Frau Merkel als lutherische Pfarrerstochter, dass sie in all ihren Terminen noch wissen wollte, was ist das für ein Mann in Rom. Dieser Papst hat sich viele Herzen erobert, auch in nichtkatholischen Kreisen. Doch Sympathien und Gefühle müssen zurückstehen hinter dem Worte Gottes. Wie meine ich das? Der Journalist E. Scalfari, der sich als Ungläubiger bezeichnet, stellte dem Jesuiten-Papst einige knifflige Fragen. Der warmherzige Papst antwortete darauf: Gott vergibt auch jenen, die nicht an ihn glauben. Stimmt das? Der Glaube ist zentral für einen Christen. Jesus sagt: «Wer an Ihn glaubt (Christus), wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet.» (Joh. 3.18 u. 36 u.a.) Der Mensch steht also in der Entscheidung.
Kurt Meyer, Pfäffikon

Für das Elend verantwortlich
Als ich heute den Kirchenboten aus meinem Briefkasten nahm traf mich fast der Schlag. Da schaut mich doch aus der Titelseite die «Mutti» der Deutschen an. Was haben Sie sich dabei gedacht? Diese Person ist unter anderem für das Elend in Griechenland verantwortlich. Als Basler, der mit seiner deutschen Ehefrau sowohl in Basel als auch im Schwarzwald lebt, erlebe ich die miserable Politik dieser Person und ihrer CDU/CSU hautnah. Fragen Sie mich nicht, wer sie gewählt hat. Ich kenne niemanden. Christus hat sich, so weit ich seine Botschaft verstanden habe, für die Armen und Unterdrückten stark gemacht. Unsere Kirche sollte auch heute noch für die Menschen da sein, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Es gibt viel zu tun, um allen Menschen eine lebenswerte Zukunft zu geben. Merkel leistet dazu keinen Beitrag.
Jürg Jösslin, Basel


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Kibo BS Oktober B


«Kritik wegen Burka-Verbot»

Keine sachliche Auseinandersetzung
Im Kirchenboten findet sich der eher befremdliche Artikel «Kritik wegen Burka-Verbot», gezeichnet von Iras Cotis. Iras Cotis setzt sich seit 21 Jahren für eine sachliche Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften ein. In dem Artikel ist jedoch m. E. die Sachlichkeit auf der Strecke geblieben, denn es mutet sehr eigenartig an, das Tessin mit arabisch-islamischen Ländern zu vergleichen. Noch eigenartiger ist die Feststellung, dass es sich beim Tessiner Burka-Verbot um Populismus und Stimmungsmache gegenüber dem Islam handeln soll. Diese Äusserung ist für jeden, der sich nur ein bisschen mit dem Islam befasst, unhaltbar. Dazu empfiehlt sich die Lektüre aus reichhaltiger einschlägiger Literatur, wovon hier nur ein paar wichtige Titel in Erinnerung gerufen werden: Gabriel Mark, «Islam und Terrorismus», Peter Scholl-Latour, «Kampf dem Terror Kampf dem Islam», Ayaan Hirsi Ali, «Autobiographie» und «Ich bin eine Nomadin, Kampf gegen den radikalen Islamismus», Katajun Amirpur, «Den Islam neu denken».
Der Artikel erwähnt mit keinem Wort den radikalen Islamismus, der mit unserem Empfinden nicht vereinbar sein kann. Das Zusammenleben von lokaler Bevölkerung und Muslimen und Musliminnen in der Schweiz verläuft allgemein problemlos, und Islamisten sind bei uns (noch?) kein Problem. Die volle Verschleierung der Frau ist jedoch ein Kommunikationshindernis, eine Herabsetzung der Frau und manchmal auch eine Gefahr. Man erinnere sich an den Banküberfall in Frankreich, wo sich die Täter unter der Voll-Verschleierung versteckten. Im Übrigen sei auch daran erinnert, dass nirgends im Koran ein Verschleierungsgebot für Frauen zu finden ist. Der Islam bei uns gehört jedoch aufmerksam verfolgt, damit er nicht in Richtung des radikalen Islamismus kippt und daher dann untragbar wird wie eigentlich alle fundamentalistischen Strömungen.
Peter Appenzeller, Basel


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Kibo SH Oktober


«Gegen den Raubbau»

Regierungsrat verweigerte das Gespräch
Als vor 35 Jahren darüber verhandelt wurde, wie die staatlichen Pfarrgehälter durch einen pauschalen Staatsbeitrag an die Landeskirchen zu ersetzen seien, war es dem Regierungsrat ein Anliegen, das Gespräch mit seinen kirchlichen Partnern zu suchen. Anfänglich versprach er, der Staatsbeitrag könne «selbstverständlich indexiert» werden. An dieses Versprechen wollte er sich Jahre später nicht mehr erinnern. Die Folge war ein langes Seilziehen über die Frage: «Indexierung Ja oder Nein?» Schliesslich einigte man sich darüber, den Staatsbeitrag jährlich dem jeweils aktuellen Landesindex der Konsumentenpreise anzupassen.
Im Gegensatz zu damals hat der Regierungsrat heute den Kirchen das Gespräch verweigert. Er setzte sie im Rahmen seines Sparprogramms vor vollendete Tatsachen: massive Kürzung des Staatsbeitrags plus Sistierung der bisherigen Indexierung. Das Angebot der Kirchen, einen Beitrag an die Sparanstrengungen des Kantons zu leisten und unter Beibehaltung der Indexierung auf jährlich 400 000 Franken zu verzichten, ignorierte die Regierung. Dieses Vorgehen widerspricht dem Geist der Partnerschaft. Etwas konzilianter verhielt sich der Kantonsrat.
Als Staats- und Kirchenbürger bin ich am 24. November zur Abstimmung über die Neuregelung des Staatsbeitrags an die Kirchen aufgerufen. Aus dem unkooperativen Verhalten des Regierungsrates werde ich die Konsequenzen ziehen und ein Nein in die Urne legen.
Walter Wolf, Schaffhausen

Wo bleibt der Anstand?
Ich schätze Menschen, die mit Achtung und Respekt mit Partnerschaften umgehen. Wo sind die Politiker/-innen, die, statt einzig ihr Sparprogramm durchzupauken, ihr Gegenüber wertschätzen und gemeinsam nach Lösungen suchen? Die Landeskirchen haben bezüglich ESH3 der Regierung ihre Gesprächsbereitschaft vergeblich angeboten. Und selbst unter diesen ernüchternden Voraussetzungen signalisierten die Landeskirchen dennoch Verständnis für die Sparbemühungen ESH3 und untermauerten dies mit einem konkreten «Vernunft-Sparvorschlag». Doch stattdessen wurde von welchen Politikern auch immer ein «Schachzug» ausgeheckt, welcher den Verzicht der Teuerungsanpassung beinhaltete. Was versteckt einer Scheidung auf Raten durch die Hintertür gleichkommt. Wo bleibt da der Anstand? Der anvisierte Verzicht auf die Partnerschaft Staat und Landeskirche ist ein Bumerang, welcher letztendlich mehr kostet als gespart wird. Ich stimme nein zur Änderung des Kirchengesetzes.
Heinz Lacher, Schaffhausen

Finanzpolitik fordert christlichen Kampfgeist!
Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen! Wir wissen zwar, was wir nicht wollen: Burkas, Minarette, Scharia. Wissen wir aber, was wir wollen? Unsere Vorfahren haben die Kirchen unter Entbehrungen in Stein gemeisselt. Für uns sind sie selbstverständlich geworden: Garanten unserer «christlichen» Gewohnheit, von der wir uns beliebig und aufgeklärter als die Väter entfernen können, ohne fundamentale Sicherheiten zu verlieren, die meist zum Staat verschoben in komplizierte Gesetzestafeln gemeisselt sind. Recht bequem und komfortabel existiert die Volkskirche, zwar institutionell streng getrennt vom Staat, finanziell und ethisch aber stark mit ihm verwoben. Auch im Staate wissen wir, was wir nicht wollen: höhere Steuern, keine Vasellas, keine Verbrecher. Wissen wir aber, was wir wollen? Einige wissen es genau: Möglichst viel Eigenbesitz und individuelle Freiheit. Viele sind zufrieden, wenn sie möglichst wenig vom Staate belästigt werden und selbstverständlich in garantierter Sicherheit leben können. Die Besten aber fördern ihren Besitz und setzen ihn zum Wohle vieler ein. Schade nur, dass sich das Leben nicht an unsere Wünsche hält. Störungen, wie die aufziehende Finanzkrise lassen die bisherige ganz ordentliche Gemeinschaft von Kirche und Staat auseinanderdriften. Wo, zum Teufel, sind die Schuldigen? Mit Verlaub: Wir sind es, die in ahnungsschwacher Bequemlichkeit an jeder Ordnung, sei sie staatlich oder kirchlich, ziemlich haltungslos herumzweifeln. Damit ist es nun vorbei! Entweder schlagen wir das Erbe unserer Väter aus, ohne dass wir irgendwo einen tragfähigen Ersatz gefunden haben, oder wir übernehmen das Erbe und erneuern sein Fundament in mutigen Vorwärtsschritten. Für die Unterlassungssünden am Erbe werden wir vom Staate zu Recht mit einer Reduktion des Saatsbeitrags bestraft. Der Staat hingegen muss am 24. November mit einem Nein zu seiner Vorlage bestraft werden für den geplanten Finanzgötzendienst, denn seine Träger haben vollkommen vergessen, dass die Welt nicht nur von Finanzgesetzmässigkeiten, sondern auch von wesentlich tieferer menschlicher Haltung abhängig ist. Nur dies führt zu einer Opfersymmetrie, die dem Ganzen dient!
Werner Geissberger, Schaffhausen

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