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Leserbriefe

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01.01.2016
Ihre Zuschriften im November

Kibo November

1:12-Initiative

Falsch verstanden
Pfarrer Peter Ruch hat wohl die Idee und den Sinn der 1zu12-Initiative falsch verstanden. Es sind nicht die tiefsten Löhne die nach oben korrigiert werden sollten, damit die Abzocker möglichst gleich viel verdienen können, sondern die höchsten Löhne sollten nach unten korrigiert werden. Robert Glasz, Allschwil

Eine Frage der Gerechtigkeit
Ich möchte Herrn Pfarrer Ruch widersprechen. Meiner Meinung nach ist sein Ansatz falsch. Es geht ja nicht darum, die niedrigen Löhne aufzubessern, weil man sich nach denen der Manager richtet. Umgekehrt muss es sein. Die hohen Löhne müssen herunterkommen, wieder ein gesundes Mass finden. Dies ist eine Frage der Ethik und der Gerechtigkeit, denn «Gerechtigkeit ist der politische Name der Liebe» (Dorothee Sölle). Christine Salathé-Auckenthaler, Basel


Flüchtlingsdrama in Lampedusa

Verhallende Worte
«Katholiken mahnen Reformierte schweigen», so lautet der Titel des Artikels. Katholiken und Reformierte werden einander gegenübergestellt, so, als hätten sie eine unterschiedliche Einstellung zu Flüchtlingsschicksalen. Um Leiden und Tod von Flüchtlingen wahrzunehmen, braucht es weder ein katholisches noch ein reformiertes Verständnis. Gefühl und menschliche Kultur reichen aus. Christliche Konfessionalisierung, wie der Artikel nahelegt, wird dazu nicht benötigt. Es gibt wirksame Mönchesworte in der Geschichte, in der Schweizergeschichte sogar Einsiedler, die etwas bewirkt haben. Ob die einsiedelischen Klosterworte dazu zählen, ist fraglich, sind sie doch nur dem Papst nachgesprochen. Die schweigsame, mithin unspektakuläre Zurückhaltung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen der Schweiz zum Unglück vor Lampedusa ist nicht weniger hilfreich als die institutionelle und persönliche Selbstinszenierung, welche sich mittels Aufruf und Mahnung verhallender Worte bedient. Ferner braucht das Flüchtlingsunglück nicht kommentiert zu werden, da es für sich selber spricht. Hans Winklehner, Luzern


Interview mit Peter Greenaway

«Leute über 80 vereinigt euch!»
Jeder Diskussion über die These, dass Leute über 80 nicht mehr lebenswert seien, ist unpassend und absolut inakzeptabel. Ich weiss: In Holland redet man viel über Euthanasie und tut sich schwer damit. Doch «verpflichtende Euthanasie», weil man sich nicht mehr fortpflanzen kann, ist zu absurd, um darüber zu reden. Das wäre Anstiften zum Mord. «Leute über 80 vereinigt euch!» Wir wollen leben un die Aufgabe erfüllen, die Gott uns gegeben hat. In diesem Sinne freue ich mich über die Kampagne «Alles hat seine Zeit. Das hohe Alter in unserer Gesellschaft». Arjana Metting van Rijn-Baud, Erlinsbach

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Kibo Oktober


Für das Elend verantwortlich
Als ich heute den Kirchenboten aus meinem Briefkasten nahm traf mich fast der Schlag. Da schaut mich doch aus der Titelseite die «Mutti» der Deutschen an. Was haben Sie sich dabei gedacht? Diese Person ist unter anderem für das Elend in Griechenland verantwortlich. Als Basler, der mit seiner deutschen Ehefrau sowohl in Basel als auch im Schwarzwald lebt, erlebe ich die miserable Politik dieser Person und ihrer CDU/CSU hautnah. Fragen Sie mich nicht, wer sie gewählt hat. Ich kenne niemanden. Christus hat sich, so weit ich seine Botschaft verstanden habe, für die Armen und Unterdrückten stark gemacht. Unsere Kirche sollte auch heute noch für die Menschen da sein, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Es gibt viel zu tun, um allen Menschen eine lebenswerte Zukunft zu geben. Merkel leistet dazu keinen Beitrag. Jürg Jösslin, Basel

Zeit für aufgeklärte Politik!
Mir ist es absolut unverständlich, wie entschieden wurde, Kanzlerin Merkel eine halbe Seite im Kirchenboten einzuräumen, um ihre doppelbödige Politik ohne weitere Gegenrede ins rechte Licht zu rücken. Daher zur Relativierung so viel: Erstens sind die Dramen von Lampedusa grossteils durch die zerstörerische Macht der Handelsliberalisierung zwischen EU und afrikanischen Staaten in Verbindung mit den Agrarsubventionen in der EU bedingt. EU-Billigimporte zerstören heute lokale afrikanische Märkte. Politisch seit den 90ern gewollt und beschlossen von wertkonservativ-wirtschaftsliberalen Parteien wie der CDU. Das klare Bekenntnis politisch Verfolgte genössen Asylrecht wird so zum versteckten Zynismus. Zweitens sind Staat und Religion in Deutschland nicht getrennt, so erfolgt z.B. an Schulen statt gemeinsamem Ethikunterricht konfessionell getrennter Religionsunterricht. Doch vielleicht hat dies Tradition, denn drittens ist das christliche Wertefundament «unserer» Gesellschaft nicht so ruhmreich, wie Merkel glauben machen will: Exemplarisch sei an die Rolle der christlichen Staatskirche im 5. Jh n. Chr. erinnert, als öffentliche Schulen und Bibliotheken geschlossen wurden. Ideen der Antike, von Aufklärung und Humanismus sollten korrekter von christlichen unterschieden werden. In diesem Lichte ist viertens zu fragen, wie freiheitlich Luthers Menschenbild wirklich war. Dezidiert hat er sich für antisemitische, sexistische und obrigkeitshörige Positionen stark gemacht, d.h. letztlich für menschenrechtsverachtende. Axel Schubert, Basel

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