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Nationale Kirchen-App stösst auf mittleres Interesse

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23.06.2016
Eine nationale Kirchen-App für 6500 Sakralbauten in der Schweiz interessiert die befragten reformierten und katholischen Kirchgemeinden nur «mittel». Dies zeigt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz.

«Wie heisst wohl diese Kirche und welche Heilige stellt jene Statue an der SĂ€ule gegenĂŒber dar?» Zwei Fragen, die sich Touristen stellen könnten, die gerade auf Durchreise sind und vor einem Sakralbau stehen oder in einer Kirche die kĂŒnstlerische Ausgestaltung betrachten. Abhilfe könnte hier eine «Kirchen-App» schaffen. Um das Interesse daran in Kirchgemeinden und Pfarreien abzuklĂ€ren, fĂŒhrte die Fachhochschule Nordwestschweiz eine gross angelegte Umfrage durch.

Reformierte mit hohem RĂŒcklauf
Rund 6500 Sakralbauten gebe es in der Schweiz. 80 Prozent der Einwohner des Landes wĂŒrden tĂ€glich ihr Smartphone benutzen. Was liegt nĂ€her, kommt die Studie zum Schluss, als diese beiden Grössen zu verbinden und zu nutzen? 1228 katholische und 1980 reformierte Pfarreien und Kirchgemeinden wurden mit einem detaillierten Fragebogen angeschrieben. Die RĂŒcklaufquote war mit 24,8 Prozent ĂŒberdurchschnittlich hoch. Interessanter an dieser Zahl ist indes ihre Zusammensetzung: WĂ€hrend 566 reformierte Kirchgemeinden auf die Umfrage reagierten, taten dies lediglich 225 katholische Pfarreien.

Die katholischen Pfarreien nutzen gemĂ€ss der Studie die digitalen Medien leicht weniger als reformierte Kirchgemeinden. Zwei Pfarreien verzichten ganz auf die Nutzung des Internets. Alle anderen sind mit einer Webseite im Netz zu finden. Rund jede vierte Kirchgemeinde/Pfarrei nutzt auch Facebook, wobei hier die Katholiken etwas fortschrittlicher sind. Bei WhatsApp ist das VerhĂ€ltnis umgekehrt. Punkto vermittelter Inhalte zeigt die Studie, dass ein eher traditioneller Geist weht. Gottesdienstzeiten, Agenden, Kontaktdaten und Ähnliches werden bereits genutzt und auch fĂŒr eine allfĂ€llige Kirchen-App gewĂŒnscht. Informationen zu Architektur und Kunst der Sakralbauten bewerten die Befragten positiv.

«Bedarf an Überzeugungsarbeit»
Die Studie hĂ€lt fest, «dass es noch an Überzeugungsarbeit bedarf, um eine nationale Kirchen-App mit interaktiven Elementen entwickeln zu können». Doch nicht nur in diesem Bereich sind weitere Anstrengungen vonnöten. Was das Interesse an einer nationalen Kirchen-App angeht, sind sich beide Konfessionen fĂŒr einmal einig. Auf einer Skala von «hoch» ĂŒber «mittel» bis «gering» votierten sie mit je 47 Prozent fĂŒr «mittel». Der Zuspruch fĂŒr eine Kirchen-App liegt bei der Altersgruppe um 50 Jahre am höchsten.

Der Möglichkeiten, die eine nationale Kirchen-App bietet, wĂ€ren laut Studie viele. Beispielsweise im Religionsunterricht, wo mit Hilfe der Kirchen-App Inhalte mit Games oder einem Quiz jugendgerecht vermittelt werden könnten. Die Bandbreite der Kosten fĂŒr die Entwicklung der App, so hĂ€tten vier Offerten gezeigt, seien allerdings erheblich. Sie liegen zwischen 80'000 und 176'000 Franken. FĂŒr die Umsetzung schlĂ€gt die Studie ein rasches Tempo vor. Das sei nötig, «um der Konkurrenz zuvorzukommen». Bei optimaler Projektierung wĂ€re die Realisierung einer nationalen Kirchen-App bis zum FrĂŒhjahr 2018 möglich.

Die Studie zu einer nationalen Kirchen-App entstand im Auftrag von Pascal Steck in Zusammenarbeit mit «katholisch bl.bs», der Fachstelle der katholischen Kirche Basel-Stadt und Baselland. Steck betreut verschiedene kirchliche Projekte und arbeitete als Internetbeauftragter fĂŒr die reformierte Kirche Basel-Stadt.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie

Franz Osswald / Kirchenbote / 22. Juni 2016

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