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Neue Kirchenmusik als multimediales Gesamtkunstwerk

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31.05.2016
Die Preisträger des Wettbewerbs «Klang & Gloria» sind auserkoren. Im Konzertsaal der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK hat das grosse Finale stattgefunden. Gewonnen haben nicht nur die Komponistinnen und Performer. Auch für das Publikum war der Konzertabend ein Gewinn und machte allen klar: die Kirchenmusik lebt.

Wer unter Kirchenmusik schleppend gesungene Gemeindelieder mit schmalbr├╝stiger Orgelbegleitung versteht, sollte sich mal richtig umh├Âren. Der Wettbewerb, den die reformierte und die katholische Kirche im Kanton Z├╝rich zusammen mit der Hochschule der K├╝nste ausgeschrieben hatten, suchte neue, innovative Formen der ┬źmusikalischen Verk├╝ndigung┬╗ und fand sie auch. Unter den rund zwanzig Wettbewerbsbeitr├Ągen, die von Musikerinnen und Performern, Profis und Laien, Kollektiven und Einzelk├╝nstlern aus der ganzen Schweiz eingereicht wurden, fand sich so ziemlich alles an Darstellungsformen: Rap, klassische Kompositionen, Popsongs, Performance und multimediale Werke. ┬źK├╝nstlerinnen und Darsteller aus den unterschiedlichsten Sparten haben sich mit ihren Arbeiten f├╝r die Kirchenmusik stark gemacht. Dieses Engagement zeigt mir, dass ein grosses Interesse besteht┬╗, sagt Beat Sch├Ąfer.

T├Âne und Bewegung
Sch├Ąfer ist Leiter Kirchenmusik an der Z├╝rcher Hochschule der K├╝nste und pr├Ąsidierte die Jury des Wettbewerbs ┬źKlang & Gloria┬╗. Zwanzig Jahre junge Kulturschaffende h├Ątten mitgemacht, sagt der Schul- und Kirchenmusiker, aber auch ├╝ber Sechzigj├Ąhrige. Das habe ihn gefreut und beeindruckt. ┬źViele der Beitr├Ąge beschr├Ąnkten sich nicht auf die musikalische Umsetzung der vorgegebenen Texte. Die Musik wurde verwoben mit Bildern, Videos und Bewegungselementen. Dabei entstanden dichte Inszenierungen, die das Publikum unmittelbar erreichten.┬╗

Texte und Ger├Ąusche
Am Nachmittag des 28. Mai konnten sieben der Wettbewerbsteilnehmer ihre Werke im Vortragssaal der Hochschule der K├╝nste auf dem Areal der ehemaligen Toni-Molkerei in Z├╝rich vorstellen. Gleich im Anschluss traf die Jury ihre Wahl, und abends traten dann die f├╝nf Gewinnerinnen und Gewinner auf. ┬źDer Orgelsaal war proppenvoll┬╗, sagt Kerstin Lenz, die Informationsbeauftragte der katholischen Kirche im Kanton Z├╝rich. Und das Publikum sei fasziniert gewesen von den spannenden Projekten. Auch wenn einem die szenische Umsetzung zuweilen einiges an Offenheit abgefordert habe. ┬źIn einem stockdunklen Saal zu sitzen und irgendwelchen T├Ânen, S├Ątzen und Ger├Ąuschen zu lauschen, war recht anspruchsvoll. Aber auch ├╝berraschend und anregend.┬╗

Zuh├Âren und mitsingen
Der erste Preis in der Sparte ┬źKreation┬╗ ging an den jungen Komponisten, Performer und Installationsk├╝nstler L├ęo Collin. Er kombiniert in seinem Werk die Musik mit choreografischen Elementen, mit gesprochenen Texten und dem Spiel mit Licht und Dunkelheit. ┬źSeine radikale Umsetzung hat am meisten ├╝berzeugt┬╗, meint der Jurypr├Ąsident Beat Sch├Ąfer. Aber auch andere K├╝nstlerinnen und K├╝nstler boten ├╝berraschende und stimmige Inszenierungen. Etwa Alexander Bayer, der bei seinem ┬źCircle Song┬╗ das Publikum zum Klangk├Ârper machte. Oder die S├Ąngerin und Songwriterin Manuela Gagliotta mit ihrem perfekt dargebotenen Popsong. Besonders gefallen hat der Jury auch die Vertonung eines Gedichts von Hilde Domin der Organistin Zrinka Durut. Zusammen mit dem Perkussionisten Robert Mark schuf sie ein dichtes Klangevent. ┬źDie beiden versetzten das Publikum mit Kl├Ąngen und Ger├Ąuschen in einen meditativen Zustand und kreierten ein grosses stimmiges Gem├Ąlde.┬╗

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Katharina Kilchenmann / reformiert. / 31. Mai 2016

 

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