Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug
Nachruf

Ökumene als Lebensaufgabe – Pfarrer Armin Mettler verstorben

von Stefan Degen
min
01.10.2026
Vom SBB-Beamten zum Theologen, vom Kloster auf Zeit ins Pfarramt: Armin Mettlers Lebensweg führte durch unterschiedliche kirchliche Welten. Was sie verband, war seine Leidenschaft für die Ökumene.

Als 1968 Studierende auf die Strasse gingen, bediente Armin Mettler Eisenbahnweichen. Er arbeitete als Betriebsbeamter der SBB im Zürcher Oberland. Von den Studentenunruhen habe er vor allem aus der Zeitung erfahren, erzählte er später dem «Kirchenboten». Und doch wurde auch für ihn 1968 zum Jahr des Aufbruchs: Mettler entschied sich für ein Theologiestudium in Basel.

Dort begegnete er dem reformierten Theologen und Ökumeniker Oscar Cullmann. Die Begegnung sollte seinen weiteren Weg prägen. Mettler studierte bei den Waldensern und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, besuchte orthodoxe Kirchen im damaligen Ostblock und den Berg Athos. Zeitweise lebte er als «Bruder auf Zeit» in einem Benediktinerkloster. Die Ökumene wurde für ihn zur Lebensaufgabe.

Dabei blieb es nicht bei theologischen Gedanken. Zusammen mit dem katholischen Pater Vincenz engagierte sich der Reformierte in den 1970er-Jahren für die Wiederbelebung des Klosters Beinwil. Später wechselte Mettler in den Journalismus und wurde Chefredaktor bei der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM). Das Blatt bezog deutlich Stellung zu entwicklungspolitischen Fragen, kritisierte die Apartheid in Südafrika und die Rolle der Schweiz.

Noch einmal eine neue Richtung nahm sein Leben mit Mitte fünfzig. Mettler gab seine Stelle auf, um Seelsorger zu werden. Der Wechsel erwies sich als schwierig: Fünf Jahre arbeitete er als Stellvertreter und freischaffender Theologe. 2006 fand er schliesslich eine Stelle als Seelsorger im Hildegard-Hospiz in Basel. Ein Jahr später wurde er Pfarrer in Flüh SO.

Dort war Mettler am richtigen Ort angekommen. Die Kirche in Flüh wurde von Katholiken und Reformierten gemeinsam getragen – ein Modell, das seinem Verständnis von Kirche entsprach. Elf Jahre wirkte er dort als Pfarrer. Zu seinen besonderen Traditionen gehörte die Narrenpredigt am Sonntag vor der Basler Fasnacht, die jeweils zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzog. Ende 2018 ging er mit 71 Jahren in Pension.

Seinem Lehrer Oscar Cullmann blieb Mettler ebenfalls verbunden. Er arbeitete an dessen Nachlass mit und gehörte der Fondation oecuménique Oscar Cullmann an.

Mit der Entwicklung der Ökumene war Mettler zuletzt nicht nur zufrieden. Er beobachtete, dass konfessionelle und nationale Identitäten wieder stärker betont wurden. 2018 warnte er im Gespräch mit dem «Kirchenboten» davor, das Trennende über das gemeinsam Christliche zu stellen. Für ihn begann Ökumene nicht bei kirchenpolitischen Papieren, sondern beim einzelnen Menschen: Der Dialog, sagte er, müsse «im eigenen Herzen starten».

Am 29. August 2026 ist Armin Mettler vestorben.

Unsere Empfehlungen

Bettina Ugolini: Allein ist nicht gleich einsam

Bettina Ugolini: Allein ist nicht gleich einsam

Wer allein lebt, ist nicht automatisch einsam. Für Bettina Ugolini, Alterspsychologin an der Universität Zürich, beginnt Einsamkeit dort, wo Menschen sich nicht mehr gesehen fühlen. Am Tag der älteren Generation in Zug spricht sie darüber, was dagegen hilft.
Pionierinnen mit Wirkung

Pionierinnen mit Wirkung

Fokusthema «Ohne Frauen keine Kirche»: eine Auswahl an Frauen, die die Kirche in der Schweiz vom Mittelalter bis heute auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben.