Ökumene als Lebensaufgabe – Pfarrer Armin Mettler verstorben
Als 1968 Studierende auf die Strasse gingen, bediente Armin Mettler Eisenbahnweichen. Er arbeitete als Betriebsbeamter der SBB im Zürcher Oberland. Von den Studentenunruhen habe er vor allem aus der Zeitung erfahren, erzählte er später dem «Kirchenboten». Und doch wurde auch für ihn 1968 zum Jahr des Aufbruchs: Mettler entschied sich für ein Theologiestudium in Basel.
Dort begegnete er dem reformierten Theologen und Ökumeniker Oscar Cullmann. Die Begegnung sollte seinen weiteren Weg prägen. Mettler studierte bei den Waldensern und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, besuchte orthodoxe Kirchen im damaligen Ostblock und den Berg Athos. Zeitweise lebte er als «Bruder auf Zeit» in einem Benediktinerkloster. Die Ökumene wurde für ihn zur Lebensaufgabe.
Dabei blieb es nicht bei theologischen Gedanken. Zusammen mit dem katholischen Pater Vincenz engagierte sich der Reformierte in den 1970er-Jahren für die Wiederbelebung des Klosters Beinwil. Später wechselte Mettler in den Journalismus und wurde Chefredaktor bei der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM). Das Blatt bezog deutlich Stellung zu entwicklungspolitischen Fragen, kritisierte die Apartheid in Südafrika und die Rolle der Schweiz.
Noch einmal eine neue Richtung nahm sein Leben mit Mitte fünfzig. Mettler gab seine Stelle auf, um Seelsorger zu werden. Der Wechsel erwies sich als schwierig: Fünf Jahre arbeitete er als Stellvertreter und freischaffender Theologe. 2006 fand er schliesslich eine Stelle als Seelsorger im Hildegard-Hospiz in Basel. Ein Jahr später wurde er Pfarrer in Flüh SO.
Dort war Mettler am richtigen Ort angekommen. Die Kirche in Flüh wurde von Katholiken und Reformierten gemeinsam getragen – ein Modell, das seinem Verständnis von Kirche entsprach. Elf Jahre wirkte er dort als Pfarrer. Zu seinen besonderen Traditionen gehörte die Narrenpredigt am Sonntag vor der Basler Fasnacht, die jeweils zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzog. Ende 2018 ging er mit 71 Jahren in Pension.
Seinem Lehrer Oscar Cullmann blieb Mettler ebenfalls verbunden. Er arbeitete an dessen Nachlass mit und gehörte der Fondation oecuménique Oscar Cullmann an.
Mit der Entwicklung der Ökumene war Mettler zuletzt nicht nur zufrieden. Er beobachtete, dass konfessionelle und nationale Identitäten wieder stärker betont wurden. 2018 warnte er im Gespräch mit dem «Kirchenboten» davor, das Trennende über das gemeinsam Christliche zu stellen. Für ihn begann Ökumene nicht bei kirchenpolitischen Papieren, sondern beim einzelnen Menschen: Der Dialog, sagte er, müsse «im eigenen Herzen starten».
Am 29. August 2026 ist Armin Mettler vestorben.
Ökumene als Lebensaufgabe – Pfarrer Armin Mettler verstorben