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Surfen auf der Kirchenbank

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06.07.2016
In der Kirche kostenlos ins Internet? In Berlins evangelischen Kirchen ist das schon bald möglich. Auch in den reformierten Kirchen der Schweiz kennt man Internet-Zugang. Jedoch ist dieser geschützt. Die Berliner Idee jedenfalls weckt beim Sigristen des Berner Münsters zwiespältige Gefühle.

Es tönt nach Witz, und war zunÀchst auch einer: Die Satire-Website «Der Postillion» berichtete 2011, die evangelische Kirche in Deutschland installiere in allen Kirchen drahtlose Netzwerke mit Hochgeschwindigkeitsinternet (WLAN). So wolle sie die nachlassende Beteiligung an den Gottesdiensten bekÀmpfen.

Nun setzt die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EBKO) diese Idee um. 220 Kirchen, PfarrhĂ€user und kirchliche Einrichtungen in Berlin werden in den kommenden Wochen mit einem WLAN-Hotspot ausgerĂŒstet. Mit «Godspot» lĂ€sst sich innerhalb und ausserhalb der KirchengebĂ€ude gratis surfen. Markus Dröge, Bischof der EKBO, sieht darin laut einer Nachricht des deutschen evangelischen Pressedienstes eine Chance, die Botschaft des Evangeliums zu verbreiten.

Gehört zur technischen Grundausstattung
Nutzer des freien WLAN werden zunĂ€chst auf eine von den Kirchengemeinden gestaltete «Landing-Page» geleitet. Sie bietet Informationen zum GebĂ€ude und zur Gemeinde sowie zu den Themen Glaube und Leben. Von dort aus können sich die User frei im Internet bewegen. Die Kirche lĂ€sst sich das etwas kosten: 100‘000 Euro stellt sie zur VerfĂŒgung. Ziel soll sogar sein, in allen 3‘000 Kirchen und kirchlichen GebĂ€uden der EKBO Godspot einzurichten.

Und wie steht es in den reformierten Kirchen der Schweiz mit dem Zugang zum Internet? Freies WLAN in Kirchen scheint hierzulande noch kein Thema zu sein. Hingegen steht WLAN fĂŒr den internen Gebrauch da und dort zur VerfĂŒgung. FĂŒr die Einwahl bekommen die Nutzer einen Code. Im Berner MĂŒnster oder im Offenen St. Jakob in ZĂŒrich gehört das zur technischen Grundausstattung. «Wir hatten es eingerichtet, um bei einer Fotovernissage direkt mit dem KĂŒnstler in Afghanistan skypen zu können», sagt Hanny Sidler, Sigristin der reformierten Citykirche. FĂŒr einen Gottesdienst haben sie es bis jetzt aber nicht gebraucht.

Potential liegt in einer Gesamtschau
Im Berner MĂŒnster nutzen den geschĂŒtzten Internet-Zugriff Veranstalter von kulturellen AnlĂ€ssen. Felix Gerber, Sigrist und Betriebsleiter des Berner MĂŒnsters, sieht hingegen freies WLAN eher skeptisch: «Unsere Kirchen sind unter der Woche dafĂŒr da, ein Ort der Ruhe und Einkehr, der Besinnlichkeit und des Gebets zu sein.» Er findet, dass sich ein CafĂ© besser eignet zum Surfen im Netz. Er gewinnt der Berliner Idee aber auch Positives ab. Ihm gefĂ€llt die Idee der Landing-Page, die HintergrĂŒnde zum Bau und zum spirituellen und kulturellen Angebot der Kirche bietet. Das habe durchaus auch Potential fĂŒrs MĂŒnster: «Dies könnte bei uns die aufwĂ€ndige Lösung mit dem Audioguide ablösen.»

Wenn ĂŒberhaupt, dann schwebt ihm aber eine gesamtstĂ€dtische Landing-Page vor. Er hat auch schon Ideen, was sie enthalten könnte: Ein FĂŒhrer durch die Orgel-Landschaft von Bern oder ein Hinweis auf das Haus der Religionen, aber auch wann und wo welche kirchlichen Feiern angeboten werden. Das mĂŒsse aber ökumenisch oder gar interreligiös angegangen werden. Gerber meint, dass dann womöglich die Vorteile ĂŒberwiegen, die sonst örtlich durch freies WLAN entstehen. NĂ€mlich weniger Ruhe und Besinnlichkeit.

godspot.de

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch»

Raphael Kummer / ref.ch / 6. Juli 2016

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