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Vergeblicher Protest der Kirchen

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30.08.2018
In seltener Einigkeit ­protestierten Kirchenvertreter und Hilfswerke beim Bundesrat gegen die Ausfuhr von Waffen in Kriegsländer. Genützt hat es nichts.

Als Mitte Juni der Bundesrat mitteilte, dass er k√ľnftig den Export von Waffen in B√ľrgerkriegsl√§nder zulassen will, protestierten die Evangelischen Frauen Schweiz, die Hilfswerke Heks und Caritas sowie 153 Pfarrerinnen und Pfarrer der Z√ľrcher Landeskirche. Auch Gottfried Locher, Pr√§sident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, und Bischof Charles Morerod schrieben Bundesrat Johann Schneider-Amman einen Brief, wie reformiert. berichtete.
¬£Der Entscheid des Bundesrats -widerspreche der humanit√§ren und christlichen Tradition der Schweiz, so Locher und Morerod. Es sei unertr√§glich, dass der Bundesrat wirtschaftliche Interessen √ľber die Not der -Menschen stelle, kritisierte der Frauenverband. Die Z√ľrcher Pfarrpersonen gingen in ihrem offenen Brief noch weiter und verweisen explizit auf das Erbe der Reformation.

Kein Profit mit Kriegen
Die Abschaffung des S√∂ldnerwesens und die Eind√§mmung der Kriegswirtschaft seien zentrale Anliegen Zwinglis und der Reformation gewesen, schreiben die Pfarrerinnen und Pfarrer. Der Initiant der Aktion, Pfarrer Johannes Bardill, sagte gegen√ľber ref.ch: ¬ę√Ąhnlich wie damals sichert sich die Schweiz heute ihren Reichtum mit Waffengesch√§ften, w√§hrend sie damit anderswo die Not vergr√∂ssert. Wir wollen keinen Profit mit fremden Kriegen machen.¬Ľ
Gen√ľtzt hat der Protest nichts. Nach dem Bundesrat unterst√ľtzt auch die Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats die gelockerten Bestimmungen f√ľr R√ľstungsexporte. Bundesrat und Kommission reagieren damit auf Forderungen der Schweizer R√ľstungsindustrie. Diese warnt vor dem Verlust von Arbeitspl√§tzen, wenn die R√ľstungsexporte, wie in den letzten Jahren der Fall, weiter zur√ľckgingen und die Ausfuhrbestimmungen nicht gelockert w√ľrden.
Die Sicherheitskommission sieht im Bundesratsentscheid weder einen Konflikt mit der humanit√§ren Tradition noch mit der Neutralit√§t der Schweiz. Es handle sich um eine ¬ęgewisse Anpassung der Bedingungen an die Praxis anderer europ√§ischer L√§nder¬Ľ, teilte sie am 20. August mit.

Konsequente ethische Haltung
Wirtschaftliche Argumente lassen die Kirchenvertreter nicht gelten. ¬ęMit einer konsequenten ethischen Haltung¬Ľ habe der Z√ľrcher Rat nach der Reformation christliche Grunds√§tze h√∂her gewertet ¬ęals wirtschaftliche Gewinnaussichten¬Ľ entgegnen die Z√ľrcher Pfarrerinnen und Pfarrer und betonen: ¬ęDie scheinbaren Nachteile in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik standen der l√§ngerfristigen Prosperit√§t nicht im Weg.¬Ľ
Obwohl der kirchliche Protest beim Bundesrat kein Geh√∂r findet, sei er nicht umsonst gewesen, meint Pfarrer Johannes Bardill: ¬ęEs war n√∂tig, ein Zeichen zu setzen.¬Ľ¬†

29.08.2018 /¬†Karin M√ľller/ref.ch

 

 

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