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1969 durften Frauen eigene Kirchgemeinden übernehmen

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27.08.2018

1968 lebte ich in einer WG in Z√ľrich und studierte an der Phil.-I-Fakult√§t der Z√ľrcher Universit√§t. Die Jugendkrawalle um ein autonomes Jugendzentrum waren in vollem Gange, und ich erlebte zahlreiche Demos mit harten Gewaltszenen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Studierenden forderten demokratische Strukturen und das Recht auf Mitbestimmung. Ich beteiligte mich an einzelnen Aktionen. Aus der studentischen Protestbewegung erwuchsen die neue Frauenbewegung und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Feminismus. Frauen forderten Gendergerechtigkeit auf allen Stufen. Die Professuren waren damals ausschliesslich mit M√§nnern besetzt.

Auch im Pfarramt waren die Frauen schlecht vertreten. Zwischen 1918 und 1954 ordinierten gerade mal 11 weibliche Pfarrpersonen in reformierten Schweizer Kirchen. Erst seit 1969 d√ľrfen Pfarrerinnen eigene Gemeindepfarr√§mter √ľbernehmen; vorher waren sie nebenamtliche Helferinnen des Gemeindepfarrers. Als erste Schweizer Kantonalkirche w√§hlte 1980 die Aargauer Kirche eine Frau ins Kirchenratspr√§sidium. Im kirchlichen Alltag aber dominierten die Frauen seit jeher als freiwillige Helferinnen in allen Sparten des kirchlichen Lebens. Kurz gesagt: Die Alltagskirche ist heute gendergerecht, die Wissenschaftskirche an den Universt√§ten noch immer eine M√§nner-dom√§ne. Mein Wunsch lautet: ¬ęMehr Frauen in wissenschaftlichen Kaderstellungen, mehr M√§nner als Freiwillige im kirchlichen Gemeindeleben.¬Ľ

Silvia Pfeiffer, Historikerin und Sozialethikerin, erste Präsidentin des Schaffhauser Kirchenrats

(aufgezeichnet durch Adriana Scheider, 27.8.2018, Kirchenbote) 

 

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