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Gesellschaft

Fasten in den Religionen

Die Reformation begann mit einem Wurstessen.

In den meisten Religionen ist Fasten ein spiritueller Weg, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Gott näher zu kommen. Für Buddhisten erleichtert weniger essen das Meditieren. Die Mönche verzichten ab Mittag auf Speisen. Im Judentum darf am Jom Kippur, dem Versöhnungs- und Fastentag weder gegessen noch getrunken werden. Man arbeitet nicht, wäscht sich nicht und bleibt sexuell enthaltsam.

Im Islam bildet das Fasten eine der fünf Säulen der Religion. Gefastet wird im Ramadan. Dreissig Tage lang nehmen Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nichts zu sich. Am Abend treffen sich Familien und Freunde zum Fastenbrechen.

Bei den Christen dauert die Fastenzeit vierzig Tage. In dieser Zeit vor Ostern sollen die Gläubigen Busse tun und sich auf Gott ausrichten. 

Im Mittelalter weiten die Kirchen die Fastenregeln immer stärker aus. Das Konzil von Konstanz erklärt Biber, Dachs und Otter zum Fisch, sodass diese an fleischlosen Tagen auf der Speisekarte landen. Und in den Klöstern brauen die Mönche starkes Bier für die leeren Mägen. «Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen», wettert Martin Luther in seinem «Sermon von den guten Werken». 

Eine Wurst wird in Zürich zum Fanal der Reformation. Als der Drucker Christoph Froschauer während der Fastenzeit im Jahr 1522 Würste in Anwesenheit von Huldrych Zwingli auftischt, kommt es zum Skandal. Der Leutpriester muss sich erklären. In der Schrift «von Erkiesen und Freiheit der Speisen» macht Zwingli aus Fasten keinen Zwang: «Wiltu gerne vasten, thu es; wiltu gern das fleisch nicht essen, iss es nit, lass aber mir daby den Christenmenschen fry.» Erste Priorität hat für den Reformator die  Freiheit. Sie soll man sich selber und anderen zugestehen. Für die Reformierten hat der Verzicht einen gesellschaftspolitischen Aspekt. 

In der Schweiz thematisieren die Hilfswerke während der Fastenzeit sozialpolitische Themen. 2018 unter dem Stichwort «Wandel».

Tilmann Zuber, Kirchenbote, 22.1.2018