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Politik

Helfen tut not, schweigen ist Pflicht

24.03.2020
Die Opferhilfe St. Gallen-Ausserrhoden-Innerrhoden ist da für Menschen, die unter den Folgen körperlicher oder psychischer Gewalt leiden. Sie ist der Schweigepflicht unterstellt, kostenlos und anonym.

Das Spektrum der Straftaten, deren Betroffene die Opferhilfe berät, reicht von Raub, Körperverletzung, Tötung, Drohung, Nötigung, häuslicher Gewalt über Stalking, sexuelle Gewalt, Zwangsheirat, fürsorgerische Zwangsnahmen, Fremdplatzierungen, Verkehrsunfälle, Fahrlässigkeitsdelikte, wie Arbeitsunfälle und medizinische Behandlungsfehler, bis zu Menschenhandel.

Grosse Dunkelziffer

«Die Zahlenverhältnisse bleiben immer ziemlich gleich», sagt Brigitte Huber, Mitglied der Geschäftsleitung der Opferhilfe. «Bei der häuslichen Gewalt ist es aber keineswegs ein Abbild der tatsächlichen Vorkommnisse. Da gibt es eine grosse Dunkelziffer.» Manche Betroffene rufen die Opferhilfe selber an; ein Teil werde aber auch über die Polizei vermittelt, sagt Brigitte Huber: «Wenn jemand eine Strafanzeige einreicht, weist die Polizei auf die Opferhilfe hin. Wenn sie dies wünschen, rufen wir die Betroffenen an.» Auch Hausärzte und Sozialdienste raten Betroffenen, sich bei der Opferhilfe zu melden. Nach sexueller Gewalt ist es möglich, sich am Kantonsspital St. Gallen auf der Soforthilfe medizinisch untersuchen und behandeln zu lassen und für eine allfällige Strafanzeige Spuren zu sichern. Als Soforthilfe ist in den ersten drei Tagen nach einer Tat oft auch eine rechtsmedizinische Untersuchung zur Spurensicherung angebracht.

Alltagsbewältigung

Die Mitarbeitenden der Opferhilfe haben mit traumatisierten Menschen zu tun, die unter den psychischen Folgen einer Gewalttat leiden. «Es geht darum, sie zu stabilisieren, damit sie den Alltag überstehen. Angst und Panikattacken sind normale Reaktionen auf ein abnormales Ereignis», sagt Brigitte Huber. «Oft ist eine Zusammenarbeit mit Therapeuten angezeigt; bei massiven Symptomen ist ärztliche Unterstützung nötig.» 

Rayonverbot wird eingeführt

Die Opferhilfe arbeitet mit Opferhilfestellen in anderen Regionen zusammen. Hilfesuchende haben freie Wahl: «Da kommt etwa jemand aus Arbon nach St. Gallen, weil das näher liegt; oder jemand, der in Winterthur arbeitet, sucht die Stelle dort auf. Wir sind stark vernetzt mit Polizei, Rechtsanwälten und Staatsanwaltschaften. Wir beraten über rechtliche Möglichkeiten, so bei Stalking über ein Rayonverbot, das Appenzell Ausserrhoden längst kennt und im Kanton St. Gallen jetzt dann auch eingeführt wird.»  

Zur Deeskalation werden manche Frauen in bedrohlichen Situationen ins Frauenhaus geschickt. Aber manipulative, aggressive Konflikte gehen nicht nur immer von Männern aus. Auch Frauen üben Macht und Kontrolle aus. Unter häuslicher Gewalt leiden vor allem die Kinder. Manche Partnerinnen oder Partner halten Gewaltsituationen aus, weil sie sich wegen der Kinder nicht trennen wollen.

Text: Margrith Widmer, Journalistin BR, Teufen | Foto: pixabay – Kirchenbote SG, April 2020

Gewalt hat viele Facetten

Frau Huber, Sie sind Mitglied der Geschäftsleitung der Opferhilfe. Mit welchen Fällen beschäftigen Sie sich noch zusätzlich?

Brigitte Huber: Wir beraten Opfer von Zwangsmassnahmen vor 1981: fremdplatzierte Kinder, Verdingkinder, Menschen, die als «arbeitsscheu» oder «liederlich» administrativ versorgt wurden. Wir stellen auch Akteneinsichtsgesuche.

Betreuen Sie ausschliesslich Opfer?

Huber: Nein, wird beraten auch Angehörige, Freunde, Hinterbliebene von Opfern. Auch Menschen, die unverschuldet durch Verkehrsunfälle verletzt werden, haben Anrecht auf Unterstützung. Dies gilt ebenso für Fahrlässigkeitsdelikte, wie Arbeitsunfälle und medizinische Kunstfehler. Wir arbeiten mit spezialisierten Anwälten zusammen.

In welchen Kreisen kommen Zwangsheiraten vor?

Huber: Es kommen junge Frauen und Männer zu uns, die sich nicht verheiraten lassen wollen. Das kommt auch in sektenähnlichen Gemeinschaften vor. 

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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