Ausgedient? Für diese Kleider fängt es erst an
Vor kurzem verstopften die Klamotten noch Egerkinger Kleiderschränke. Nun sind sie bereits per Lastwagen in den Osten unterwegs, wo sie dringend benötigt werden. «Am Ursprung der kirchlichen Sammelaktion stand unser ehemaliger Sozialdiakon, der eine Verbindung zur Christlichen Ostmission (COM) hatte», sagt Kirchgemeinderätin Rita Bützer. «In der Gemeinde wurden wir gefragt, ob man für Arme spenden könne. Er baute die Aktion auf. Seit er pensioniert ist, bin ich dafür zuständig.»
Konfirmanden packen an
Den Leuten sei es ein Bedürfnis, dass ihre Kleider weiterverwendet würden. «Und mir ist die Wegwerfgesellschaft ein Dorn im Auge.» Die kirchlichen Sammelstellen in Egerkingen und Wolfwil nehmen ganzjährig Kleiderspenden entgegen. Die September-Sammlung holt jeweils die Aktion für verfolgte Christen (AVC) ab, jene im Sommer die COM.
Während der Sammelwoche können jeweils an sechs Standorten Kleider abgegeben werden. Dann sind auch drei bis fünf Konfirmanden im Einsatz. «Sie sehen dann, was gelebte Kirche bedeutet», sagt Bützer. «Die Sammelstellen werden von Ehrenamtlichen betreut. Manche bieten Gebäck an und freuen sich über Gespräche. Es gibt ihnen eine Aufgabe und eine Bestätigung.»
Und die Kleiderspenden kommen an. «In manchen Gegenden, in denen sie verteilt werden, wissen die Empfänger nicht, wie sie durch den Winter kommen», sagt Bützer. «Da können Kleider Leben retten – und auch Würde geben.»
Osteuropa statt Abfalldeponie
Laut einer Greenpeace-Umfrage in Deutschland wird ein Drittel der Kleidung in deutschen Schränken kaum getragen. Nur knapp 40 Prozent der Kleidung kommen regelmässig zum Einsatz. Und immer mehr Kleidungsstücke werden bereits nach weniger als einem Jahr aussortiert. In der Schweiz dürften die Zahlen ähnlich sein. Immerhin landen in der Schweiz laut SRF rund 60 Prozent der entsorgten Kleider in Altkleidersammlungen. Doch auch das Altkleiderbusiness ist umstritten – manche Textilien landen auf afrikanischen Mülldeponien und verschmutzen dort Wasser, Luft und Böden.
Anders sieht es bei den Partnern der Kirchgemeinde Egerkingen aus. Im Falle der COM – die im Jahr 2025 insgesamt 213 Tonnen Altkleider und Schuhe sammelte – werden diese Spenden nach Moldawien, Weissrussland und in die Ukraine transportiert. COM-Geschäftsleiter Gallus Tannheimer erklärt: «Was wir bringen, gelangt durch einheimische kirchliche Partner und die Sozialdienste der lokalen Behörden direkt zu den Bedürftigen.»
Kleider aus Egerkingen für Kosovo
Die jüngste Sammlung in Egerkingen wird von der AVC in den Kosovo gebracht. Hansueli Lauber, Leiter Logistik bei der AVC: «In Pristina wird sie von einer Kirche in Empfang genommen. Ein Teil kommt in einen Secondhandshop, der Arbeitsplätze schafft. Dadurch wird der Transport finanziert. Der andere Teil wird an Bedürftige verschenkt.»
Mittlerweile ist Rita Bützer für ihr Engagement in der Region bekannt: «Manchmal bringt jemand einen Kleidersack zu uns an die Türe.» Und wenn sie nicht zu Hause ist, wird der Sack vor ihrem Eingang deponiert. Ein erster Schritt auf der Reise zu neuen Kleiderträgern.
Ausgedient? Für diese Kleider fängt es erst an