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Bruder Klaus – der Aussteiger: Litt er an einem Burn-out?

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28.03.2017
Interview mit Samuel Pfeifer, Prof. Dr. med., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, war 25 Jahre lang Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie «Sonnenhalde» in Riehen bei Basel/Schweiz.

Herr Pfeifer, Niklaus von der Fl√ľe litt unter massiver Niedergeschlagenheit. Hatte der Heilige ein Burn-out oder eine Depression?

Man kann sein Zustandsbild durchaus als Midlife-Depression bezeichnen. Daf√ľr sprechen die starken Selbstzweifel und das Gef√ľhl, seiner Familie zur Last zu fallen. Zudem w√ľrde auch eine posttraumatische Belastungsst√∂rung aus der Kriegszeit ins Bild passen.

Weisen die Visionen von Gott und Teufel auf eine psychische Krankheit hin?

Man muss zwischen mystischen Erfahrungen und Krankheitssymptomen unterscheiden. Eine mystische Erfahrung f√ľhrt zu einer fokussierten Lebensweise und zu einer Neuausrichtung. Das war bei Bruder Klaus der Fall.

Bruder Klaus fand seinen Seelenfrieden, indem er sich radikal zur√ľckzog und meditierte. War das eine Selbsttherapie?

Ja, denn es ist ihm gelungen, nicht in ein verschrobenes Einsiedlerleben abzudriften, sondern Kraft zu schöpfen in der neu gewonnen Stille. Er lebte auf und konnte den Menschen viel vermitteln.

Er fing auch an, sich zu kasteien und streng zu fasten.

Fasten kann ein sehr bewusstes Loslösen vom bisherigen Lebensstil in ein fokussiertes Dasein bewirken. Ausgehend von den traumatischen Kriegserlebnissen kann das Fasten bei Bruder Klaus als Bussritual verstanden werden.

Erfordern Lebenskrisen Richtungsänderungen?

Ja. Menschen mit Burn-out √ľbernehmen oft neue Lebenshaltungen und nehmen sich Auszeiten. Um das so radikal zu tun wie von der Fl√ľe, braucht es allerdings eine innere Berufung.

Brauchen wir heute alle ein wenig ¬ęH√∂hle Ranft¬Ľ auf Zeit, um gesund bleiben zu k√∂nnen?

Sicher. Wir alle ben√∂tigen Ruhe, um dar√ľber nachdenken zu k√∂nnen, was uns wichtig ist im Leben. Das ist in der heutigen Leistungsgesellschaft jedoch nicht eingeplant. So f√ľhren Zusammenbr√ľche schliesslich zu zwangsm√§ssigen Pausen, um das eigene Gleichgewicht wiederzufinden.

Mehr Informationen: www.seminare-ps.net

Interview: Adriana Schneider, Kirchenbote, 28.3.2017

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