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Die neue sexuelle Freiheit

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27.08.2018

¬ęWer zweimal mit der gleichen pennt, geh√∂rt schon zum Establishment.¬Ľ Nach diesem Leitsatz haben wir damals tats√§chlich auch gelebt. Promiskuit√§t war das Stichwort. Ich war 1968 gerade einmal 20 Jahre jung und bewegte mich als Studentin in der entsprechenden Szene in Z√ľrich. Es war eine Erl√∂sung, ohne Bindungsabsichten einfach mit jemandem ins Bett zu h√ľpfen. M√∂glich machte dies in erster Linie die Antibaby-Pille. So konnten wir Frauen lernen, mit der eigenen Sexualit√§t umzugehen. Das war enorm befreiend. Das Problem: Ich heiratete im Alter von 20 Jahren das erste Mal. So jung zu heiraten, war damals ¬ęnormal¬Ľ. Doch: Diese Ehe hat diese neu gelebte sexuelle Freiheit nicht √ľberlebt. Als ich 30 Jahre alt war, liessen wir uns wieder scheiden.¬†

Die reformierte Kirche hatte sich mit der neuen Sexualmoral recht gut abgefunden. Nat√ľrlich gab es einzelne Gemeindemitglieder, die sich bez√ľglich der Ehe auf die g√∂ttliche Ordnung beriefen. Doch vergebens. Seit dieser Zeit hat sich die Rolle der Frau innerhalb der reformierten Kirche stark gewandelt.¬†

Was heute kein Problem mehr ist, sorgte damals noch f√ľr Aufregung: Zum Beispiel als ich mich als geschiedene Frau zur Pfarrerin w√§hlen liess. Ich war zwar in einer Beziehung. Nur extra f√ľr die Kirche zu heiraten, um dem Gerede der Leute zu entgehen und leichter an eine Pfarrstelle zu kommen, kam f√ľr mich nicht infrage. Ich heiratete meinen Lebensgef√§hrten erst nach 27 Jahren ‚Äď mit 60 Jahren. Und das ganz freiwillig.

Pfarrerin K√§thi La Roche, Jahrgang 1948, erste Pfarrerin am Grossm√ľnster in Z√ľrich

(aufgezeichnet durch Mirjam Panzer, 27.8.2018, Kirchenbote)

 

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