Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug
Weihnachtspäckliaktion Gellertkirche

«Die Päckli schenken uns Freundlichkeit und Liebe»

von Noemi Harnickell
min
28.10.2026
Im November findet in der Gellertkirche wieder die Aktion Weihnachtspäckli statt. Die Geschenke werden an armutsbetroffene Familien und Einzelpersonen in Osteuropa verteilt.

«Ein so teures Geschenk habe ich noch gar nie gesehen», staunt der achtjährige Marius, als er sein Weihnachtsgeschenk auspackt. Darin befinden sich Schulsachen, Shampoo und vor allem: Süssigkeiten! Seine ältere Schwester Elena indes freut sich über den selbst gestrickten Schal und die dazu passende Mütze. «Alles riecht so gut!»

Hygieneartikel und Spielzeug

Marius und Elena sind zwei von insgesamt acht Geschwistern, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Moldawien leben. Das Geld reicht oft kaum für Essen, geschweige denn für Weihnachtsgeschenke. Dass sie so reich beschenkt wurden, verdanken sie der Aktion Weihnachtspäckli, die ihre Geschichte auch dokumentiert hat.

Die Aktion wird von verschiedenen Schweizer Hilfswerken getragen und verteilt Weihnachtsgeschenke an arme Menschen in Osteuropa. Auch in der Gellertkirche befindet sich dieses Jahr von 17. bis 20. November wieder eine Sammelstelle: Wer sich beteiligen möchte, kann Geld und Geschenke spenden.

2004 schlossen sich die Hilfswerke AVC, Christliche Ostmission, Hilfe für Mensch und Kirche und Licht im Osten zur Kooperation «Aktion Weihnachtspäckli» zusammen. Sammelstellen in der ganzen Schweiz nehmen bis zum 21. November die Pakete an. Im Falle der Gellertkirche werden diese durch Licht im Osten von Frauenfeld im Lastwagen nach Albanien, Bulgarien, Kosovo, Moldawien, Rumänien, Estland und in die Ukraine transportiert. Partnerorganisationen vor Ort verteilen sie dann weiter.

«Mit den Päckli vermitteln wir praktische Hilfe, Solidarität und Hoffnung», sagt Sozialdiakon Reto Gloor, der die Aktion Weihnachtspäckli in der Gellertkirche seit 2022 organisiert. «Wir schenken den Menschen Dinge, die sie zum Leben brauchen, wie Hygieneartikel, Zahnpasta, Seife und Kaffee. Dazu legen wir immer etwas Gestricktes und für Kinder auch ein Spielzeug.»

Was in die Päckli kommt, gibt die Aktion Weihnachtspäckli vor. Besonderer Wert wird auch auf die Qualität der Ge-schenke gelegt. «Wo wir können, sollten wir das Beste geben», betont Gloor. «Ich verschenke zum Beispiel nur Zahnpasta, die ich auch selber verwenden würde.» Letztes Jahr wurden in der Gellertkirche über 840 Päckli gemacht, insgesamt knapp 120‘000 Geschenke verteilten die Hilfswerke im Jahr 2025.

Päckli als Zeichen der Solidarität

Vor einigen Jahren ist der Vater von Elena und Marius an einem Herzinfarkt gestorben. Ihre Mutter Inna züchtet Hühner, Gänse und Enten. Jeden Monat erhält sie ausserdem 70 Franken vom Staat. Doch allein das Brennholz für den Winter kostet über 300 Franken. Das Beispiel der Grossfamilie zeigt für Gloor die Bedeutung auf, die die Aktion Weihnachtspäckli für die Menschen hat: «Mit der Aktion besinnen wir uns ­darauf, dass wir Beschenkte sind. Es ist nicht selbstverständlich, alles zu haben.» Für Inna und ihre Familie ist es ein Zeichen der Solidarität: «Die Päckli lösen nicht all unsere finanziellen Sorgen», sagt sie, «aber mit ihnen schenken Sie uns Freundlichkeit und Liebe.»

Sammelstelle Gellertkirche Basel: 17. bis 20. November, jeweils 15 bis 18 Uhr, www.gellertkirche.ch/aktion-weihnachtspaeckli

Unsere Empfehlungen

Kein roter Teppich für Anna Netrebko

Kein roter Teppich für Anna Netrebko

Am 30. November soll die russische Opernsängerin Anna Netrebko in Basel auftreten. Dagegen protestierte der Verein «Ukrainer in Basel»: Netrebko stehe dem Kreml nahe. Unterstützt wird der Verein von der Reformierten Kirche Basel-Stadt, die sich zum Konzert differenziert äussert.
Südsudan: die Kraft der Hoffnung im Krieg

Südsudan: die Kraft der Hoffnung im Krieg

Hungersnöte und Gewalt prägen das Leben in Südsudan. Eine hoffnungslose Situation – könnte man meinen. Zwei Projektarbeiter waren bei Mission 21 zu Besuch und erzählten von ihrer Arbeit für den Frieden und warum sie nicht aufgeben.
Spitex-Besuch aus Transsilvanien

Spitex-Besuch aus Transsilvanien

Seit sieben Jahren arbeitet der rumänische Spitex-Dienst Diakonia mit der Spitex Pratteln-Augst-Giebenach zusammen. Im August waren erstmals acht Vertreterinnen aus Siebenbürgen zu Besuch. Was können die zwei Spitex-Kulturen voneinander lernen?