News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

Ein Ja zum Leben

min
02.05.2022
Franz Immer, Herz- und Gefässchirurg und Direktor der Stiftung Swisstransplant, ist für die erweiterte Widerspruchslösung.

Bei der Organspende geht es um Tod und Leben: Jemand stirbt, spendet seine Organe, und jemand anderes erh√§lt damit die Chance auf ein neues Leben. Momentan warten 1462 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Hoffnung auf den erl√∂senden Anruf: ¬ęWir haben ein passendes Organ f√ľr Sie!¬Ľ ist f√ľr die Menschen auf der Warteliste gross. Da es in der Schweiz zu wenig Spenderorgane gibt, bleibt dieser Anruf aber f√ľr viele aus: Pro Woche sterben ein bis zwei Personen, w√§hrend sie auf ein Organ warten.

Weil heute zu wenig Menschen ihren Willen festhalten, m√ľssen oftmals die Angeh√∂rigen im Sinn der verstorbenen Person entscheiden. Im schwierigen Trauermoment lehnen sie eine Organspende mehrheitlich ab. Dies, obwohl 80 Prozent der Bev√∂lkerung grunds√§tzlich bereit sind, ihre Organe zu spenden. Es muss somit davon ausgegangen werden, dass der Entscheid der Angeh√∂rigen oft nicht dem der verstorbenen Person entspricht.

Mit dem neuen System der erweiterten Widerspruchsl√∂sung wird √∂fter bekannt sein, wenn eine Person ihre Organe nicht h√§tte spenden wollen ‚Äď im Ernstfall eine Erleichterung f√ľr Angeh√∂rige und Spitalpersonal. Am sicheren Prozess der Organspende √§ndert sich nichts. Weiterhin d√ľrfen die Angeh√∂rigen vor einer Organspende so lange bei der Patientin, dem Patienten bleiben, wie sie m√∂chten. Nach der Transplantation wird die verstorbene spendende Person so zurechtgemacht, dass Familie und Freunde in Ruhe und W√ľrde Abschied nehmen k√∂nnen. Eine normale Bestattung ist ebenfalls m√∂glich.

Alle Weltreligionen sagen grunds√§tzlich Ja zur Organspende als Akt der N√§chstenliebe. Es gibt keine moralische Pflicht zur Spende, der Akt erfolgt freiwillig. Dies wird auch im neuen System gew√§hrleistet, da bei unbekanntem Willen weiterhin die Angeh√∂rigen im mutmasslichen Sinn der verstorbenen Person entscheiden. K√∂nnen sie nicht erreicht werden oder bestehen Sprachbarrieren, ist eine Organentnahme unzul√§ssig. Der Respekt gegen√ľber allen Involvierten steht an erster Stelle. Die Organspende ist ein Geschenk ‚Äď f√ľr sich und f√ľr andere: Eine Organspende kann bis zu neun Menschen das Leben retten und ihre Lebensqualit√§t deutlich verbessern. Dass man selbst oder ein Familienmitglied auf ein Spenderorgan angewiesen sein k√∂nnte, ist dabei sechsmal wahrscheinlicher, als dass man seine Organe spenden kann. Der Systemwechsel zur Widerspruchsl√∂sung rettet Leben, bringt Sicherheit und Klarheit und entlastet die Angeh√∂rigen. Ein JA zum neuen Transplantationsgesetz schenkt den 1462 Menschen auf der Warteliste Hoffnung. Ein JA am 15. Mai ist ein JA zum Leben.

Franz Immer, kirchenbote-online

Unsere Empfehlungen

69-Jährige im neuen Look

69-Jährige im neuen Look

Das «Wort zum Sonntag» gehört zu den ältesten Sendungen von SRF. Jetzt wurde ihr Auftritt optisch überarbeitet. Über die alte Sendung in neuem Glanz.