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Gott liebt Trump und die Reichen

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20.01.2017
Bei der heutigen Amtseinsetzung von Donald Trump spielt die Tele-Evangelistin Paula White eine herausgehobene Rolle. Die Allianz zwischen der evangelikalen Frontfrau und dem neuen Präsidenten zeigt, wie eng Trumpismus und das Wohlstandsevangelium miteinander verzahnt sind.

Vier von f├╝nf weissen, evangelikalen W├Ąhlern votierten im November f├╝r Donald Trump. Die Liebe zwischen Donald Trump und den Evangelikalen mag auf den ersten Blick verwundern. Der Lebemann und Party-G├Ąnger passt nicht gerade ins Bild christlicher Tugendhaftigkeit. Und dass er f├╝r seine Eskapaden auch nie Gott um Vergebung gebeten hatte, sollte ihn eigentlich f├╝r fundamentalistische Christen unw├Ąhlbar machen. Nicht einmal als er seinen Sieg verk├╝ndete, kam ihm das in Amerika allen Politikern so gel├Ąufige ┬źGod Bless America┬╗ ├╝ber die Lippen.

Aber Trump hat um die Evangelikalen gebuhlt. Er hat seine Bibel aus Kindheitstagen bei Versammlungen hochgestreckt, er verrenkte sich mit tapsigen Tanzschritten zum enthusiastischen Halleluja bei erweckten Sonntagsgottesdiensten. Immer wieder organisierte er Zusammenk├╝nfte mit evangelikalen Pastorinnen und Pfarrern. Die Koordinatorin seines religi├Âsen Beraterstabs w├Ąhrend des Wahlkampfs war die Tele-Evangelistin Paula White. Seine spirituelle Stimmgabel hat immer wieder gegen├╝ber Journalisten betont, wie ernst es Trump ist, wenn es um Glaubensdinge geht. ┬źGott ist nicht etwas, was neu ins Leben von Trump eingetreten ist. Er hat ein weites Herz, einen absoluten Hunger, um mit Gott in Beziehung zu sein┬╗, erkl├Ąrte White.

Das Evangelium nach Paula White
Schon vor vielen Jahren hatte Trump Paula White als pers├Ânliche Seelsorgerin auserkoren. 2006 stattete er der Tele-Evangelistin einen Besuch ab, um etwas Werbung f├╝r sein damals erschienenes Buch ┬źWarum wir reich sein wollen┬╗ zu machen. Dass er den Weg zu Paula White fand, hatte einen guten Grund: Sie predigt das Wohlstandsevangelium, eine christliche Botschaft, die eines ins Zentrum stellt: Je reicher du bist, desto mehr von Gottes Liebe kommt dir zu. Und auf ihrer Homepage finden sich denn auch Gebete wie ┬źWarum Gott dich wohlhabend w├╝nscht┬╗. Nicht nur Trumps Buchtitel und die ├ťberschrift ihres Sermons stimmen ├╝berein, sondern beide funken mit ihrer Wohlstandstheologie auf der gleichen Wellenl├Ąnge.

Seit ihrer ersten Begegnung vor zehn Jahren haben sie sich nicht mehr aus den Augen verloren. Die Wohlstandsverk├╝nderin White aus Florida hat sich gleich im Trump-Tower New York einen Zweitwohnsitz eingerichtet. Auch ihre Beziehungsgeschichten geben einiges her f├╝r gemeinsamen Gespr├Ąchsstoff. Denn White, so sehr sie sich daf├╝r in ihren tele-evangelikalen Verk├╝ndigungen geisselt, hat, wie Trump, eine zweite Scheidung hinter sich. Beiden wird zudem immer wieder ein intransparentes Gesch├Ąftsgebaren unterstellt, beide haben schon eine Pleite hingelegt. Whites aggressive Gesch├Ąftspraktiken wurden gar von einer Untersuchungskommission des US-Senats drei Jahre lang durchleuchtet. Aber juristisch verwertbare Unregelm├Ąssigkeiten liessen sich nicht aufdecken.

Social-Media-Virtuosen
Was beide zudem verbindet: Virtuos bespielen sie das Instrumentarium der sozialen Medien. Wie der erste Twitter-Pr├Ąsident zwitschert auch Paula White ihrer halben Million Follower ihre Botschaften zu, streut auf Instagram Selfies von sich und ihrem Gatten, dem ber├╝hmten Rockstar Jonathan Cain. Auch auf Youtube ist sie aktiv.

Heute wird sie auf den Treppen des Kapitols das Gebet sprechen. Ungeachtet dessen, dass viele White als eine theologische Hochstaplerin beschimpfen, als eine H├Ąretikerin, welche die Dreieinigkeit bezweifle, h├Ąlt Trump unverbr├╝chlich zu ihr. Sie war seine religi├Âse Beraterin, begleitete ihn seine ganze Kampagne hindurch und sammelte Gelder aus dem evangelikalen Bereich. Jetzt darf sie sich f├╝r ihre bedingungslose Unterst├╝tzung in das Schaufenster der globalen Medien stellen, damit der Samen ihres Wohlstandsevangeliums nicht nur im Trump-Tower aufgeht, sondern weltweit.

Delf Bucher / reformiert.info / 20. Januar 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

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