Kirche und Hochaltrigkeit – Herausforderung im Alltag
Von Brunhilde Bergmann
Pfarrer Theo Dürig lebt mit seiner Ehefrau Friedy seit fünf Jahren im Alters- und Pflegeheim im Park in Schönenberg. Er mag das Wort hochbetagt nicht: «Ich sehe mich als enorm jung, meine Generation ist auch völlig anders alt geworden als mein Vater.» Seine Gattin Friedy blickt durch die Balkontür zum Fussweg am Thurufer und Schulhausplatz, sie freut sich an den ballspielenden Kindern. «Ihr Fenster zur Welt», meint Theo Dürig und weist auf den Bildschirm. «Meines ist das Internet.»
Auch Hochbetagte können geben
Mehr Beziehungsarbeit mit statt für ältere Personen – dieses Ziel einer Beteiligungskirche mag der 90-jährige Pfarrer doppelt unterstreichen. Manchmal sei es nur wenig, was ältere Menschen einbringen können, aber das Wenige wertet der pensionierte Seelsorger als sehr wichtig. «Wir können Zeit geben, können helfen, Belastendes gemeinsam aushalten oder im Gespräch und im Gebet zur Seite stehen. Auch jungen Menschen.» Umgekehrt seien Senioren im digitalen Zeitalter auf technische Mithilfe der Jungen angewiesen und bei Gebrechlichkeit auch auf körperliche Unterstützung. Das Ehepaar Dürig nimmt zwar an den regelmässigen Andachten im Haus teil. «Doch weil wir uns nach Gemeinschaft in der bunten Vielfältigkeit unserer Volkskirche sehnen, bedeutet meiner Frau und mir der Gottesdienst in der Kirchgemeinde sehr viel. Leider lassen das die Kräfte nicht immer zu.»
Kinder und alte Kirchenlieder
Friedy Dürig liegen besonders die von Demenz betroffenen Betagten am Herzen. Sie und ihr Ehemann plädieren für die Suche von neuen Wegen gemeinsam mit den Betroffenen: «Im Beisein mit Kindern geht das Herz auf. Wir werden doch zunehmend selbst wieder wie Kinder. Warum wagen wir im hohen Alter nicht Familiengottesdienste?», fragen Dürigs und beklagen: «Dort ist die Toleranz, wenn mal jemand unvermittelt Laute von sich gibt, hoffentlich grösser als im normalen Sonntags-Gottesdienst.» Ebenfalls auf der emotionalen Ebene sprechen vertraute Lieder an: «Sie sollten mal sehen, wie die Gesichter von Dementen leuchten, wenn altvertraute Kirchenlieder gesungen werden. In jedem Gottesdienst sollte deshalb neben modernen Liedern mindestens ein altes Kirchenlied gesungen werden.», spricht sich das Ehepaar Dürig für generationenverbindende Wege im Gottesdienst aus.
Kirche und Hochaltrigkeit – Herausforderung im Alltag