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Kirchenasyl ist Teil der Seelsorge

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30.09.2016
Existiert es oder existiert es nicht, das Kirchenasyl? Das Papier «Zufluchtsraum Kirche» des Kirchenbundes gibt erstmals eine Antwort darauf. Und es zeigt den Kirchgemeinden den Rahmen, in dem Kirchenasyl möglich ist.

Das Kirchenasyl in Lausanne, Basel und Kilchberg ZH machte Schlagzeilen. Dort suchten Fl├╝chtlinge Zuflucht in der Kirche oder im Pfarrhaus und beriefen sich auf das Kirchenasyl. Trotzdem halten sich Beh├Ârden und Polizei heute nicht mehr zur├╝ck, dringen in die Gottesh├Ąuser ein und f├╝hren die Asylsuchenden ab.

Nun legt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK erstmals ┬źeine Entscheidungshilfe zur aktuellen Diskussion um 'Kirchenasyl'┬╗ vor. Fazit: Auch wenn es das Kirchenasyl rechtlich nicht gibt, als Teil der Seelsorge hat es durchaus seine Berechtigung. Kirchenasyl sei keine politische, sondern eine seelsorgerliche Aufgabe, h├Ąlt das SEK-Papier klar fest. ┬źDies f├Ąllt in einer sehr politisierten Diskussion oft unter den Tisch┬╗, sagt Autor Frank Mathwig, Beauftragter f├╝r Theologe und Ethik beim SEK.

Nicht rechtsfrei, nicht heilig
Im Zentrum steht die Frage, wie weit eine Kirche gegen├╝ber dem Staat Schutz geniesst und Schutz gew├Ąhren kann. Kirchen sind keine rechtsfreien R├Ąume und f├╝r Reformierte auch keine heiligen Orte. Der Schutz lasse sich aber damit begr├╝nden, dass der Kirchenraum als besonderer Ort der Seelsorge Anteil daran hat, was durch das Seelsorgegeheimnis gesch├╝tzt wird. ┬źDas wird vom Staat respektiert und darauf reagiert er mit Zur├╝ckhaltung┬╗, erkl├Ąrt Mathwig.

In seinen Ausf├╝hrungen geht der SEK nicht auf die j├╝ngsten Vorf├Ąlle ein. Das Papier ┬źZufluchtsraum Kirche┬╗ sei ┬źkein politisches Statement zu einer tagespolitischen Aktion┬╗, betont Mathwig. ┬źDer Kirchenbund will die Kirchgemeinden dabei unterst├╝tzen, eine gemeinsame L├Âsung zu finden, wenn es darum geht, ob Kirchenasyl gew├Ąhrt werden soll.┬╗ F├╝r den SEK ist ├╝berdies klar: Die Kirchgemeinde als ganze muss das Kirchenasyl tragen. ┬źDie Gew├Ąhrung von Kirchenasyl kann nicht delegiert werden. Es kann nicht von Aktivistengruppen oder Asylsuchenden eigenm├Ąchtig definiert oder erkl├Ąrt werden.┬╗

Weil es sich beim Kirchenasyl um einen rechtlich nicht geregelten Vorgang handelt, empfiehlt der Kirchenbund den Verantwortlichen, den Kontakt zu den Beh├Ârden zu suchen. Mit verbindlichen Vereinbarungen verhinderten die Kirchen, dass sie instrumentalisiert werden, etwa durch Besetzung von Interessengruppen oder gar Enteignung durch den Staat. ┬źDie Kirchen m├╝ssen auf ihrem Recht zur Selbstbestimmung als ├Âffentlich-rechtliche Institution bestehen┬╗, sagt Mathwig.

Zu viele Warnungen
Das Dokument des SEK enthalte viele wichtige und grunds├Ątzliche Informationen zum Kirchenasyl, sagt der Theologe Pierre B├╝hler. ┬źWas es ist, woher es kommt, auf welchen biblisch-theologischen Grundlagen es beruht und in welchen F├Ąllen es zur Anwendung kommen kann.┬╗ In diesem Sinne erstaune die Bezeichnung als ┬źEntscheidungshilfe┬╗. ┬źIn vielen Hinsichten ist das Dokument des SEK auch ein Grundsatzpapier┬╗, findet B├╝hler. Es w├╝rden Kriterien und Minimalbedingungen formuliert, was sicher n├╝tzlich sei im Umgang mit konkreten Situationen in den Kirchgemeinden.

B├╝hler vermisst dennoch eine klare Einstellung zum Kirchenasyl, die sich viele Kirchenmitglieder w├╝nschten. Obschon der SEK die M├Âglichkeit des Kirchenasyls anerkennt, h├Âre er aus dem Dokument ┬źviel Warnung vor Gefahren und m├Âglichen Missbr├Ąuchen und wenig Ermutigung┬╗, bedauert B├╝hler. Das Thema Kirchenasyl d├╝rfe man nicht den Kirchgemeinden ├╝berlassen, meint er zugleich. ┬źEs fehlt mir ein Aufruf an die Kirchenleitungen. Sie m├╝ssten ermutigt werden, die betroffenen Kirchgemeinden zu begleiten, ihre Rolle als Mediatoren im Gespr├Ąch mit dem Staat zu erf├╝llen.┬╗ Da es um ├Âffentliche Handlungen gehe, sei die Haltung eines Kirchenrats entscheidend, wie sich in Basel gezeigt habe.

Der emeritierte Theologieprofessor setzt sich in den letzten Jahren stark f├╝r eine Kirche ein, die sich mit den Fl├╝chtlingen solidarisch zeigt, und hat den SEK deswegen auch schon kritisiert. Im Fr├╝hling verfasste Pierre B├╝hler das Manifest ┬źKirchen als Asylorte┬╗. B├╝hler sieht die Rolle einer Kirchenbesetzung nicht nur negativ: Aus einer Besetzung durch Aktivisten ┬źkann f├╝r die Kirchgemeinde durchaus eine heilsame Herausforderung hervorgehen, wie sich etwa in Lausanne gezeigt hat┬╗. In dieser Situation sei es wichtig, dass die Kirchenleitung nicht nur negativ reagiere und rechtliche Massnahmen ergreife.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Karin M├╝ller / Kirchenbote / 30. September 2016

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