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Kirchliches Rettungsschiff im ersten Einsatz

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27.08.2020
Die «Sea-Watch 4» hat auf ihrer ersten Mission vor der Küste Libyens bereits über 200 Bootsflüchtlinge gerettet, unterstützt von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.

Das Seenotrettungsschiff Sea-Watch hat Mitte August den Hafen von Burriana in Spanien verlassen und sich auf den Weg in die Such- und Rettungszone vor Libyen gemacht. Das Schiff habe innerhalb von 48 Stunden ├╝ber 200 Menschen aus Seenot gerettet, teilte die Organisation Sea-Watch mit. Unter den Geretteten befanden sich auch unbegleitete Minderj├Ąhrige sowie mehrere Kinder unter f├╝nf Jahren. Zurzeit wartet die ┬źSea Watch 4┬╗ vor Sizilien darauf, in einen Hafen in Italien oder Malta einlaufen zu k├Ânnen.

Das ehemalige Forschungsschiff ┬źSea Watch 4┬╗ wurde vom B├╝ndnis UnitedÔÇĹRescue finanziert, das die Evangelische Kirche Deutschland EKD initiierte. Auch die Evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz EKS und die Schweizerische Bischofskonferenz SBK beteiligten sich finanziell.

Schlimmstes Ungl├╝ck
Bevor die ┬źSea Watch 4┬╗ ausgelaufen ist, waren gem├Ąss den Angaben von Sea-Watch seit sechs Wochen keine zivilen Rettungskr├Ąfte mehr in der Such- und Rettungszone im Einsatz, fast alle Seenotrettungsschiffe seien wegen angeblicher Sicherheitsm├Ąngel in Italien festgesetzt worden. In dieser Zeit h├Ątten die Aufkl├Ąrungsflugzeuge von Sea-Watch im zentralen Mittelmeer ├╝ber 1500 Personen in Seenot dokumentiert, mehr als 3500 Menschen wagten laut der Internationalen Organisation f├╝r Migration IOM die gef├Ąhrliche ├ťberfahrt. Und kurz bevor die ┬źSea Watch 4┬╗ die Such- und Rettungszone erreichte, waren vor der K├╝ste Libyens mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Es handelt sich um das schlimmste Ungl├╝ck mit Bootsfl├╝chtlingen, das in diesem Jahr bislang bekannt wurde.

Symbolischer Beitrag der Kirchen
Mit der finanziellen Unterst├╝tzung von UnitedÔÇĹRescue schaltete sich die EKS in die europ├Ąische Fl├╝chtlingspolitik ein und unterst├╝tzt die private Seenotrettung im Mittelmeer mit einem ┬źsymbolischen finanziellen Beitrag von einigen Tausend Franken┬╗.

Der Rat der EKS begr├╝ndet das Engagement mit christlicher Menschenliebe und Barmherzigkeit. Er stelle sich ┬źausdr├╝cklich hinter die vier Ziele und Forderungen des Aktionsb├╝ndnisses: Recht auf Seenotrettung, keine Kriminalisierung der Seenotrettung, faire Asylverfahren und sichere H├Ąfen┬╗.

Fehlende staatliche Rettung
Doch es gibt auch Kritik an der Unterst├╝tzung der Kirchen. Die private Seenotrettung ermutige die Menschen, ihre Heimatl├Ąnder zu verlassen, um ├╝ber das Meer nach Europa zu kommen. ┬źObwohl h├Ąufig ein solcher Pull-Effekt behauptet wird, ist dies bis heute wissenschaftlich und empirisch nicht ├╝berzeugend nachgewiesen worden┬╗, kontert der Theologe Frank Mathwig, Ethikbeauftragter der EKS.

Die zivilgesellschaftliche Seenotrettung sei nur die Reaktion auf das Fehlen einer staatlichen Seenotrettung. ┬źDie Rettung von Ertrinkenden darf weder von deren Herkunft, noch von deren Aussichten auf sp├Ątere Asylanerkennung abh├Ąngig gemacht werden. Der Schutz von Leib und Leben und vor unmenschlicher Behandlung sind nicht verhandelbar. Der Einsatz f├╝r Bed├╝rftige, Schwache und Hilflose geh├Ârt zu den Kernaufgaben und zum Selbstverst├Ąndnis kirchlicher Diakonie┬╗, so Mathwig.

Faire Asylverfahren
Neben der Seenotrettung engagiert sich der Rat der EKS auch f├╝r die in Europa angekommenen Fl├╝chtlinge. ┬źMit dem B├╝ndnis UnitedÔÇĹRescue fordert die EKS faire Asylverfahren. Die Kirchen erinnern die Politik an ihre rechtsstaatliche Pflicht┬╗, sagt Frank Mathwig.

So habe die EKS an Ostern an den Bundesrat appelliert, unbegleitete minderj├Ąhrige Fl├╝chtlinge aus den Lagern auf den griechischen Inseln in die Schweiz zu holen. ┬źF├╝r die EKS geh├Âren Fl├╝chtlingshilfe mit Partnern vor Ort und Seenotrettung zusammen┬╗, betont der Theologe.

Karin M├╝ller, kirchenbote-online

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