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Zukunft Religionsunterricht

Säen, was bleibt: Katechetinnen im Spannungsfeld

von Noemi Harnickell
min
22.04.2026
Im Februar wurden zum ersten Mal in der Geschichte Basellands Katechetinnen feierlich beauftragt. Als Religionslehrerinnen tragen sie die Kirche in die Gesellschaft. Aber die  Zukunft des Berufs steht an einer kritischen Schnittstelle.

«Es ist so schön, dass ich den Lebensrucksack der Kinder mit einem schönen Bild von Gott und der Kirche füllen darf!», schwärmt Ruth Sinning, die im November 2025 den Fachausweis Katechetin erhalten hat und im Februar in Therwil beauftragt wurde. «In diesen Lebensrucksack der Kinder lege ich ganz bewusst ein kleines Fundament. Ich hoffe, dass sie es lange mit sich tragen.»

Wie alle der frisch beauftragten Katechetinnen liebt Ruth Sinning ihren Beruf. Zugleich steht dieser aktuell vor grossen Herausforderungen: Aufgrund finanzieller Engpässe können manche Kirchgemeinden keine Katechetinnen mehr anstellen. An den Schulen indes wird der Religionsunterricht vermehrt an den Rand des Stundenplans geschoben. Welche Massnahmen ergreift die Reformierte Kirche Baselland? Und warum sind so viele Katechetinnen trotzdem überzeugt, den richtigen Beruf gewählt zu haben?

«Wissen stemmt Vorurteile ab»

Der Religionsunterricht ist mehr als nur das Herunterbeten des Vaterunsers. Ruth Sinning sagt: «Der Religionsunterricht erklärt die kulturellen Wurzeln und Traditionen der Schweiz, fördert das Verständnis für Feiertage und gesellschaftliche Strukturen, unterstützt den respektvollen Umgang mit verschiedenen Religionen und bietet Orientierung in einer vielfältigen Gesellschaft.» Dem stimmt auch Toya Schweizer zu: «Wissen stemmt Vorurteile ab.»

Dennoch geben viele Katechetinnen an, sich frustriert zu fühlen: Weil manche Kirchgemeinden sich nur noch kleine Stellenprozente leisten können, die Religionslehrpersonen aber auf höhere Pensen angewiesen sind, müssen sie sich zum Teil von mehreren Schulen in verschiedenen Kirchgemeinden anstellen lassen. Viele fühlen sich weder als Teil der Kirchgemeinde noch als vollständiges Mitglied des Lehrergremiums, zentrale Ansprechpersonen fehlen. Immer wieder kommt es auch zu Burnout-Fällen. Dennoch sagt Barbara Ballmer, eine der frisch beauftragten Katechetinnen: «Wir wollen eine Zukunft haben in dem Beruf – und an den Schulen.»

Vorstoss auf politischer Ebene

Das Gesetz schreibt derzeit vor, dass der Religionsunterricht im schulischen Stundenplan seinen Platz haben muss, obwohl es sich um ein freiwilliges Schulfach handelt. Die Unterrichtsperson muss von der Landeskirche gestellt werden. «Wenn ein Schulrektor mit Kirche wenig am Hut hat und den Sinn des Reli-Unterrichts nicht sieht, kann er die Stunde einfach auf den Mittwochnachmittag legen», erklärt Kirchenrätin Katharina Gisin. «Die meisten Kinder gehen da aber lieber nach Hause.» In der Folge habe man es mit einer verunsicherten Basis zu tun: die Schulen auf der einen, die Kirchgemeinden und Religionslehrpersonen auf der anderen Seite.

«Die Katechetinnen müssen stärker in das Gesamtschulsystem integriert werden», sagt Gisin. Derzeit ist geplant, Gespräche mit dem Amt für Volksschule zu führen, an denen auch die katholischen Landeskirchen beteiligt sind. «Wir müssen die Politiker in den Prozess einbinden, denn sie sind es, die ihn weitertragen. Alle Landräte, mit denen ich bisher gesprochen habe, sind sehr offen für eine Zusammenarbeit.» Die Idee sei, die Kirchgemeinden mit den politischen Gemeinden, die für die Primarschulen verantwortlich sind, in eine Kooperation zu bringen.

Zuversicht trotz Herausforderungen

Die Ausbildung beim ökumenischen Ausbildungsverbund OekModula dauert insgesamt drei Jahre und wird von den Katechetinnen gelobt. Ihre Erfahrung geben die Katechetinnen auch im Unterricht weiter. «Ich mache einen Raum auf für Fragen», sagt Toya Schweizer. «Wer passt auf mich auf, wenn es mir schlecht geht? Was passiert nach dem Tod?» Und Barbara Ballmer freut sich: «Ich darf etwas säen.» Es sei ein Privileg, Kinder auf ihrem Weg zu begleiten und religionsübergreifende Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu vermitteln.

Katharina Gisin ist überzeugt: «Im Bildungssystem Schweiz hat man immer wieder die Möglichkeit, die Ausbildung so zu ergänzen, dass man auf lange Zeit eine berufliche Zukunft finden kann.»

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