Ein Ausflug in die Welt der Bibelpflanzen
Die Bibel ist das meistgelesene Buch der Welt. Man muss sie nicht gelesen haben, um ihre wichtigsten Geschichten zu kennen. Moses und die Zehn Gebote, die Arche Noah, Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem, Jesus am Kreuz. Was aber die meisten nicht wissen, ist, dass die Bibel auch reich ist an botanischem Wissen.
Jürg Meier, Präsident der Bibelgesellschaft Basel und emeritierter Professor für Zoologie, bietet am Auffahrtssonntag eine kleine Wanderung in das faszinierende Reich der Bibelpflanzen an. «Die Pflanzen der Bibel werden oft etwas stiefmütterlich behandelt», erklärt Meier. «Dabei sind viele dieser Pflanzen nicht nur botanisch spannend, sie erzählen uns auch viel über die Menschen von damals.»
Von Heil- bis Giftpflanzen
Dill, Senf, Granatapfel, Wein, Feigen …: Die Liste der biblischen Pflanzen ist lang. Viele von ihnen kann man auch im Raum Basel finden. Der Ausflug findet im Rahmen der jährlichen Bibelwanderung statt, die von den Bibelvereinen der Nordwestschweiz in abwechselnder Reihenfolge organisiert werden. Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst in der St. Jakobskirche, gestaltet von Pfarrer Beat Weber. Die Kirche ist nicht zufällig gewählt: Im 13. Jahrhundert stand hier ein Siechenhaus, in dem leprakranke Menschen unterkamen. In der Bibel sind nicht nur Geschichten der Heilung erwähnt, sondern im Besonderen auch Giftpflanzen. Auch auf die will Meier bei seiner Führung eingehen.
Nach dem Gottesdienst geht es weiter in die Merian-Gärten. «Über Pflanzen lässt sich vieles aus der Bibel neu ergründen», erklärt Meier. So verspreche Gott Moses und dem Volk der Israeliter ein Land, in dem «Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, in dem es Ölbäume und Honig gibt».
Für Jürg Meier sind das mehr als nur Leckereien, mit denen die Menschen durch die Wüste gelockt werden: «Für ein Volk, das so lange Zeit in der Wüste verbringt, klingt das wie ein Schlaraffenland», so Meier. «Tatsächlich ist mit all diesen Pflanzen die komplette Ernährungsgrundlage gedeckt, zumindest wenn man Vegetarier ist.» Oder sogar Veganer, denn: «Es handelte sich dabei nicht um Bienenhonig, sondern um Dattelsirup.»
Kein Apfel, aber sehr viel Getreide
Das ganze Leben richtete sich zur Zeit des Alten Testaments nach dem Zyklus von Ernten und Säen, das Überleben der Menschen hing von der Witterung ab: «Es gab nur zwei Regenzeiten. Regnete es einmal nicht, dann brach sofort eine Hungersnot aus.» So einiges dürfte die Teilnehmenden auch überraschen. Wussten Sie zum Beispiel, dass in der Schöpfungsgeschichte nie von einem Apfel die Rede ist? Dabei ist das wohl die bekannteste Bibelfrucht und das meistverbreitete Sinnbild für die Sünde. «Der Apfel ist reine Mythologie», so Jürg Meier. «In der Bibel ist nur von einer Frucht die Rede, weil sie nur ein Symbol für die Verführung sein soll.»
Und warum verfluchte Jesus einen Feigenbaum? Nun, dafür müssen Sie wirklich an die Führung kommen!
Auffahrt, 14. Mai, 9.45 Uhr. Treffpunkt: Kirche St. Jakob, Basel. Anmeldung bis 11. Mai an: j.meier@jumeba.ch.
Ein Ausflug in die Welt der Bibelpflanzen