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Umbruch

Schaffhauser Synode ebnet den Weg für die «Kirche für morgen»

von Carmen Schirm-Gasser
min
18.06.2026
Die Schaffhauser Kantonalkirche steht vor einem historischen Umbruch. Mit nahezu einstimmigen Voten verabschiedeten die Synodalen neue kirchliche Berufsbilder und ebneten damit den Weg für einen tiefgreifenden Umbau der kirchlichen Strukturen.

Die Schaffhauser Kantonalkirche stellte die Weichen für einen der tiefgreifendsten Umbauprozesse ihrer Geschichte. Die Synode hat am Mittwoch die zentralen Berufsbilder des Projekts «Kirche für morgen» deutlich verabschiedet und damit den Weg für eine neue Verteilung kirchlicher Aufgaben geebnet. «Der Blick der reformierten Schweiz richtet sich derzeit auf Schaffhausen», sagte Kirchenratspräsident Wolfram Kötter. «Wir sind die erste Kantonalkirche, die so weitreichende Veränderungen anpackt.»

Hinter dem Projekt steht die Erkenntnis, dass sich der Mangel an Pfarrpersonen in den kommenden Jahren massiv verschärfen wird. Kötter verwies auf Prognosen der Kantonalkirchen für die Ostschweiz: Bis 2031 würden dort über 640 Pfarrpersonen pensioniert, während jährlich nur rund 20 neue Theologinnen und Theologen nachrückten.

«Die Synode kann heute Geschichte schreiben», sagte Kötter. Es gehe nicht darum, die heutige Situation auf den Kopf zu stellen. Vielmehr solle der Prozess greifen, wenn der Pfarrpersonenmangel seinen Höhepunkt erreiche. «Kirche für morgen ist ein Ermöglichungsprojekt.»

Weg vom klassischen Pfarramt

Kern des Projekts ist ein grundlegender Rollenwechsel. Künftig sollen Aufgaben stärker auf verschiedene Berufsgruppen verteilt werden. «Wir gehen weg vom Pfarramt, wie wir es über Jahrhunderte gekannt haben, hin zu Aufgaben, die auf mehreren Schultern getragen werden können», sagte Kötter. Gleichzeitig betonte der Kirchenratspräsident, dass die Autonomie der Kirchgemeinden gewahrt bleibe. Keine Gemeinde werde zu Veränderungen gezwungen. Wer die neuen Möglichkeiten nutzen wolle, könne dies tun.

Die Debatte konzentrierte sich auf die künftigen Berufsbilder von Pfarrpersonen, Sozialdiakonie, Katechese, Prädikantinnen und Prädikanten sowie der neu geschaffenen Gemeindekoordination. Trotz der grossen Zustimmung in den Abstimmungen verlief die Debatte nicht ohne kritische Zwischentöne. Markus Schärrer von der Kirchgemeinde Steig gab zu bedenken, Pfarrpersonen, die oft für mehrere Gemeinden gleichzeitig zuständig sein werden, hätten es künftig schwerer mit Führung und persönlicher Präsenz. Auch über die genaue Definition der «theologischen Begleitung» rangen die Synodalen intensiv, wobei einige eine stärkere Verknüpfung mit verbindlicher Verantwortung forderten. Demgegenüber stand der Wunsch nach einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe, wie ihn die Sozialdiakonin Nicole Russenberger formulierte.

Am Ende jedoch folgte die Synode den Anträgen des Kirchenrats in deutlicher Geschlossenheit und nahm sämtliche Berufsbilder nahezu einstimmig an. Die grösste Kompetenzerweiterung erhielt das Berufsbild der Katechetinnen und Katecheten. Auch das neue Berufsbild der Gemeindekoordinatorin hiessen die Synodalen gut.

Erstes Defizit seit 15 Jahren

Parallel zu den Strukturreformen sah sich die Synode mit einer Premiere konfrontiert: Erstmals seit 15 Jahren schloss die Jahresrechnung mit einem Defizit von rund 165'000 Franken ab. Finanzreferentin Gabriele Schäfer bezeichnete die Entwicklung angesichts gestiegener Personalkosten als erwartbar. Da drei Viertel des Budgets auf das Personal entfallen, seien die Sparmöglichkeiten begrenzt. Schäfer schloss daher eine moderate Anhebung der Zentralsteuer gegen Ende des Jahrzehnts nicht aus, sollte sich die finanzielle Lage nicht stabilisieren.

Reformationsjubiläum wirft Schatten voraus

Einen Blick in die Zukunft warf die Synode schliesslich auf das Reformationsjubiläum 2029. Sie diskutierte ein umfangreiches Konzept mit Veranstaltungen zwischen März und September. Kötter mahnte die Synodalen, man müsse entscheiden, ob man «Fähnlein schwenken oder Fahne zeigen» wolle.

Die Synodalen unterstützten die weitere Planung. Gleichzeitig äusserten einige Synodale Bedenken, ob kleinere Kirchgemeinden genügend Ressourcen und Freiwillige für zusätzliche Projekte hätten. Schliesslich beauftragte die Synode den Kirchenrat, das Konzept weiter auszuarbeiten. Eine Verpflichtung der Kirchgemeinden zur Teilnahme wurde jedoch ausdrücklich ausgeschlossen.

Der Blick zurück auf 500 Jahre Reformation bildete damit einen passenden Kontrast zum eigentlichen Schwerpunkt der Synode: den Weichenstellungen für die Kirche von morgen. Noch liegen mehrere Jahre Arbeit vor den Verantwortlichen. Rechtstexte müssen ausgearbeitet, politische Hürden genommen und die Reformen in den Kirchgemeinden verankert werden, damit die geplante Inkraftsetzung 2029 funktioniert. Mit ihrem Entscheid hat die Synode jedoch den Grundstein gelegt. Oder, wie es Kirchenratspräsident Wolfram Kötter formulierte: «Die Synode hat heute Geschichte geschrieben.»

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