Mit Herz und Verstand hinter den Kulissen
Wer Anne-Marie Hadorn begegnet, spürt schnell ihre Bodenständigkeit und ihre Verbundenheit mit der Natur. Sie ist am Zürcher Rheinufer geboren und aufgewachsen und lebt auch heute in der Nähe des Rheins nah bei Schaffhausen. Hier gründete sie ihre Familie, kennt die Menschen und die Geschichten hinter den Fassaden. Vielleicht ist es diese Verwurzelung, die ihren Blick auf die Welt prägt: aufmerksam, dankbar und frei von grossem Aufheben.
Arbeit soll Sinn machen
Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie zunächst im Bankenbereich und später an verschiedenen administrativen Stellen. Wichtig war ihr dabei nie das Prestige oder ein möglichst hoher Lohn. «Mir war immer wichtig, dass meine Arbeit Sinn macht», sagt sie und erzählt von ihrer Zeit auf der Geschäftsstelle der Krebsliga Schaffhausen. Sie engagierte sich nebenbei in der Hausaufgabenhilfe, in Bibliotheken und in sozialen Projekten.
Immer wieder suchte sie Aufgaben, bei denen sie Menschen unterstützen konnte. Vor neun Jahren führte sie dieser Weg zur Kirche. Zunächst arbeitete sie sowohl für die Kirchgemeinde St. Johann-Münster als auch für den Stadtverband, später verlagerte sich ihr Schwerpunkt zunehmend auf die Verbandsarbeit.
Die Fäden zusammenhalten
Was nicht offensichtlich ist: Hinter jeder Kirchgemeinde stehen Menschen, die organisieren, koordinieren, abrechnen, planen und dokumentieren. Ohne diese Arbeit im Hintergrund könnten Gottesdienste, Veranstaltungen oder Projekte kaum stattfinden. Anne-Marie Hadorn gehört zu jenen Menschen, die die Fäden zusammenhalten. Sie erstellt Statistiken, führt Buchhaltungen, bereitet Unterlagen vor und unterstützt zahlreiche Prozesse. Dabei versteht sie ihre Aufgaben nie als blosses Verwalten. «Auch wenn man Administration macht, kann man helfen», erklärt sie. Gerade das habe ihr an der Kirche gefallen: dass die Arbeit letztlich Menschen zugutekommt und nicht nur wirtschaftlichen Zielen dient. «Es ging mir nie darum, Karriere zu machen. Wenn die Arbeit Freude bereitet und erfüllt, ist vieles andere nicht so wichtig.»
Veränderungen mitdenken
In den vergangenen Jahren erlebte sie die Veränderungen der Kirche aus nächster Nähe mit: Sinkende Mitgliederzahlen, knapper werdende Personalressourcen und die Suche nach neuen Strukturen prägten viele Diskussionen. Als Mitarbeiterin des Stadtverbands nahm sie auch die intensiven und konstruktiven Vorarbeiten für den Zusammenschluss zu einer gemeinsamen Kirche Schaffhausen-Stadt wahr, über den die Kirchgemeindemitglieder am 27. September abstimmen.
Sie sieht darin vor allem eine Chance. Nicht aus Spargründen, sondern weil eine verschlankte Struktur mithilft, kirchliche Arbeit langfristig zu sichern. Besonders wichtig sind ihr dabei die Seelsorge und die Nähe zu den Menschen. «Es wäre schade, wenn am Schluss nur noch über Geld gesprochen würde», sagt sie. Kirche müsse auch künftig Räume schaffen, in denen Menschen Begleitung, Gemeinschaft und Spiritualität finden.
Fragen stellen
Dass Veränderungen Zeit brauchen, weiss sie aus Erfahrung. Kirchliche Entscheidungswege seien oft lang, sagt sie schmunzelnd. Ideen wandern durch verschiedene Gremien, werden diskutiert, angepasst und manchmal auch verworfen. Dennoch schätzt sie die demokratischen Prozesse der Kirche. «Am Ende sucht man nach einem guten Kompromiss.»
Für ihre Arbeit nennt sie drei wichtige Eigenschaften: Zuverlässigkeit, Flexibilität und die Bereitschaft mitzudenken. Wer in einer kirchlichen Verwaltung arbeite, müsse nicht nur Aufgaben ausführen, sondern auch Fragen stellen, Entwicklungen wahrnehmen und gelegentlich auf Dinge aufmerksam machen, die sonst übersehen würden.
Dabei behält sie stets die Menschen im Blick. Und das hängt auch mit ihrem Glauben zusammen. Sie sei nicht besonders religiös aufgewachsen. Ihr Glaube sei etwas gewesen, was langsam gewachsen sei. Heute beschreibt sie ihn vor allem als Gottvertrauen. Ein Vertrauen, das sie durch gute Zeiten trägt und ihr auch in schwierigen Momenten Halt gibt. «Manchmal schimpfe ich auch mit Gott», sagt sie und lacht. Dann wieder erlebt sie, wie sich plötzlich Lösungen zeigen oder neue Gedanken entstehen. «Manchmal studiere ich lange an einem Problem herum, und plötzlich ist die Lösung einfach da.»
Dankbarkeit als Lebensgefühl
Für die Mutter zweier erwachsener Kinder gehört dieses Vertrauen zum Leben wie das Atmen. Es zeigt sich weniger in grossen Worten als in einer Haltung der Dankbarkeit. Sie spricht davon, wie privilegiert sie sich fühlt, in der Schweiz geboren zu sein, gesund leben zu dürfen und viele Wahlmöglichkeiten erhalten zu haben. Vorbild für diese Dankbarkeit war ihr dabei ihr Vater, der trotz langer Krankheit seine Lebensfreude bewahrte. Seine Haltung beeindruckt sie bis heute.
Wer mit Anne-Marie Hadorn spricht, merkt schnell, dass sie kein grosses Aufheben um ihre Person macht. Das passt zu ihrer Arbeit in den vergangenen neun Jahren: Die Fachfrau hielt vieles zusammen, organisierte, koordinierte und unterstützte Prozesse im Hintergrund.
Im Herbst gibt sie diese Aufgabe weiter. Sie freut sich auf Unternehmungen mit ihrer Enkelin und auf alles, was im Alltag bisher manchmal zu kurz kam. Spaziergänge geben ihr Ruhe und neue Energie. Der Kirche bleibt sie verbunden.
Mit Herz und Verstand hinter den Kulissen