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Warum Israel ein heisses Thema ist

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01.03.2016
Israel – das Thema bewegt die US-Wähler speziell im evangelikalen Lager. Was für historische Aspekte in diese Beziehungen zwischen USA und Israel hineinspielen, erläuterte jüngst der Politologe Walter Russell Mead an der Universität Luzern.

Pl├Âtzlich steht Donald Trump, der bisher die Gefahr des islamistischen Terrors erfolgreich politisch bewirtschaftete, als Freund pal├Ąstinensischer Terroristen da. Denn der bisherige Spitzenkandidat im republikanischen Bewerberfeld will als ┬źehrlicher Makler┬╗ ganz neutral den ┬źschwierigsten Deal┬╗ m├Âglich machen, n├Ąmlich Pal├Ąstinenser und Israelis wieder an den Verhandlungstisch zur├╝ckbringen.

Neutralit├Ąt gegen├╝ber Pal├Ąstinensern ÔÇô das ist f├╝r Marco Rubio, Liebling des republikanischen Partei-Establishments, ein Tabu. Denn die pal├Ąstinensische Autonomiebeh├Ârde sei aufs Engste mit dem Terror verkn├╝pft. Rubio w├Ârtlich: ┬źSie trichtern den f├╝nfj├Ąhrigen Kindern ein, dass das T├Âten von Juden ruhmreich sei.┬╗

Zionismus ÔÇô Made in USA
Israel ist eines der wenigen aussenpolitischen Themen, das bei der amerikanischen W├Ąhlerschaft auf Interesse st├Âsst. Seit Jahrzehnten hat sich eine besondere Beziehung zwischen Israel und den USA herausgebildet. Walter Russell Mead, ein prominenter politischer US-Publizist und Politologe, sagte sogar j├╝ngst bei seinem Vortrag vor Studenten an der Universit├Ąt Luzern, dass sich die amerikanisch-j├╝dische Zusammenarbeit bereits im 19. Jahrhundert in der politischen Kultur der USA verwurzelt habe. ┬źBevor Theodor Herzl in Basel die Gr├╝ndungsakte f├╝r den modernen Zionismus vorlegte, wurde bereits vom gesamten amerikanischen Establishment eine Heimst├Ątte in Pal├Ąstina gefordert┬╗, so der Professor vor den Studierenden des Zentrums f├╝r Religion, Wirtschaft und Politik. Tats├Ąchlich hatte unter dem Eindruck der russischen Pogrome gegen Juden William E. Blackstone Unterschriften gesammelt, damit sich die USA f├╝r ein j├╝disches Territorium im ┬źHeiligen Land┬╗ stark mache. Einflussreiche Milliard├Ąre wie der Erd├Âl-Magnat John D. Rockefeller oder der Bankier JB Morgan setzten ihre Unterschrift unter die Petition, die an den damaligen Pr├Ąsidenten Benjamin Harrison gelangte.

Aus historischer Perspektive spielen in die enge Allianz zwischen den USA und Israel auch theologische Gr├╝nde hinein. In Reden und Episteln betonen viele der amerikanischen Gr├╝ndungsv├Ąter die Parallelen zwischen dem eigenen Land und dem hebr├Ąischen Volk. Dass den Juden von Gott versprochene Land und auch der von Gott formulierte Auftrag, f├╝r Werte einzustehen, wurde von ihnen oft gleichgesetzt. Der Bezug zum ┬źHeiligen Land┬╗ ist nicht nur f├╝r viele Israelis, sondern auch f├╝r viele US-Amerikaner bis heute von hoher symbolischer Bedeutung. Religionsgeschichtlich kommt hinzu: Die schriftorientierte Theologie der Reformation stellte in den USA die biblische Auserw├Ąhltheit der Juden durch Gott nicht in Frage.

Martin Luther King: Pro Israel
F├╝r die schwarze B├╝rgerrechtsbewegung wiederum bildete der Auszug aus ├ägypten eine biblische Rechtfertigung f├╝r ihren Kampf f├╝r Gleichberechtigung. Der Exodus der Juden wurde immer als eine Befreiungsgeschichte eines versklavten Volkes gelesen. So wundert es nicht: In den 1950er Jahren sind viele j├╝dische Pers├Ânlichkeiten aufs Engste mit der schwarzen B├╝rgerrechtsbewegung verkn├╝pft. Der Politologe Mead betonte es bei der Luzerner Veranstaltung: Noch kurz vor seinem Tod bezog Martin Luther King eine prononcierte Pro-Israel-Position.

Heute sind indes die traditionell reformierten Kirchen der USA tief gespalten. Ob Presbyterianer oder Methodisten: In den Kirchen wird gestritten, ob Firmen wie Caterpillar, die mit dem Verkauf von Bulldozern bei der Zerst├Ârung von pal├Ąstinensischen H├Ąusern mitwirken, boykottiert werden sollen. F├╝r die Evangelikalen steht dagegen das enge Band mit Israel nie in Frage. Ein gutes Beispiel ist Jerry Falwell, der die neue christliche Rechte in den USA zu einem Block zusammenf├╝hrte und Ronald Reagans Wahl massgeblich erm├Âglichte. Er war gut befreundet mit dem rechtsnationalistischen israelischen Premier Menachem Begin und zugleich ├╝berzeugt: Die Wiederkunft Jesu h├Ąngt nach biblischer Weissagung davon ab, dass die in aller Welt verstreuten Juden wieder ins Heilige Land zur├╝ckkehren.

Evangelikale Aussenpolitik
Dies belegt auch die These von Professor Mead: Nicht die oft in Europa unterstellte ┬źj├╝dische Lobby┬╗ sei der Motor der Sonderbeziehung zwischen USA und Israel, sondern die vielen evangelikalen Gruppen, welche die unverbr├╝chliche Freundschaft mit Israel zu ihrem aussenpolitischen Programm erheben. Und so schliesst sich der Kreis: Wenn Rubio oder auch Ted Cruz, Sohn eines evangelikalen Pastors, in ihrem Wahlkampf das Thema Israel herausstellen, geht es um eines: attraktiv f├╝r die evangelikalen W├Ąhler zu sein, die bisher nach Umfragen mehr Trump zuneigen ÔÇô trotz dessen wenig christlichen Lebenswandels.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Delf Bucher / reformiert.info / 1. M├Ąrz 2016

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