Was sich ändert – und was bleibt
Warum braucht es einen Zusammenschluss?
Für Lars Funk beginnt die Antwort nicht bei den Strukturen, sondern bei der Entwicklung der Kirche. Die Mitgliederzahlen gehen seit Jahren zurück, finanzielle Spielräume werden kleiner, und es wird zunehmend schwieriger, Behördenmitglieder, Freiwillige und kirchliche Fachpersonen zu finden. Gleichzeitig arbeiten die vier Kirchgemeinden bereits heute in vielen Bereichen eng zusammen.
Der Zusammenschluss sei deshalb kein Selbstzweck, sondern eine Antwort auf diese Veränderungen. «Wir wollen die Kirche nicht neu erfinden», sagt Funk sinngemäss. «Wir möchten sie so organisieren, dass sie auch in Zukunft handlungsfähig bleibt.»
Auch für Reto Dubach steht fest, dass sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert haben. Kirche sei heute nicht mehr selbstverständlich Teil des Alltags. Menschen seien mobiler geworden, suchten Angebote nach ihren Interessen und bewegten sich längst über Quartiergrenzen hinweg. «Nichtstun ist keine Option», bringt er es auf den Punkt. «Es geht nicht um Abbau, sondern um Zukunftsfähigkeit.»
Wird jetzt alles zentralisiert?
Diese Sorge begegnet dem Projektteam immer wieder. Lars Funk kann sie gut nachvollziehen. Gerade deshalb sei von Beginn an klar gewesen, dass nicht das kirchliche Leben zentralisiert werden solle, sondern die Organisation dahinter. Gottesdienste, Seelsorge, Bildungsangebote, Freiwilligenarbeit und Begegnungen sollen weiterhin dort stattfinden, wo Menschen leben – in den Quartieren und an den vertrauten kirchlichen Orten.
Reto Dubach verweist auf die gemeinsam erarbeiteten Leitlinien. Sie halten ausdrücklich fest, dass die einzelnen Kirchen und Gemeindezentren ihren Charakter behalten und ihre jeweiligen Stärken weiterentwickeln sollen. Vielfalt entstehe nicht dadurch, dass überall alles gleich sei, sondern dadurch, dass unterschiedliche Orte unterschiedliche Schwerpunkte setzen können.
Was bringt eine gemeinsame Kirchgemeinde?
Heute gestalten die vier Kirchgemeinden das kirchliche Leben vor Ort. Der Stadtverband unterstützt sie mit administrativen und organisatorischen Dienstleistungen. Diese gewachsene Struktur hat sich bewährt, führt aber auch zu zahlreichen Schnittstellen und einem hohen Koordinationsaufwand. Der Zusammenschluss soll diese Organisation vereinfachen und Verantwortlichkeiten klarer regeln.
Für Lars Funk liegt darin eine grosse Chance. «Wenn weniger Energie in organisatorische Abläufe fliessen, bleibt mehr Kapazität für die eigentliche Aufgabe der Kirche: Menschen zu begleiten und Gemeinschaft zu fördern.» Schlankere Strukturen seien kein Selbstzweck, sondern würden Freiräume schaffen. «Am Ende sollen die Menschen mehr von ihrer Kirche haben – vielfältiger, näher am Leben und offen für unterschiedliche Bedürfnisse.»
Was bedeutet das für die Quartiere?
Wer heute seine Kirche im Quartier schätzt, soll dies auch künftig tun können. Das kirchliche Leben soll nicht von einem einzigen Ort aus gestaltet werden. Vielmehr sollen die verschiedenen kirchlichen Orte weiterhin ihre eigenen Profile pflegen und gleichzeitig enger zusammenarbeiten. Gottesdienste sollen weiterhin an verschiedenen Orten stattfinden. Neu können Angebote jedoch besser aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist Vielfalt, nicht Konzentration. Das bedeutet, dass nicht mehr an jedem Sonntag in jeder Kirche um dieselbe Uhrzeit Gottesdienste stattfinden werden, die dasselbe Profil haben. Dafür werden unterschiedliche Gottesdienste zu verschiedenen Zeiten an zusätzlichen Wochentagen angeboten werden können.
Reto Dubach sieht darin eine Stärke. Die Stadt Schaffhausen sei überschaubar, viele Angebote würden schon heute über Gemeindegrenzen hinweg genutzt und unterschiedliche Berufsgruppen würden bereits seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten.«Wir können auf bewährte Erfahrungen zurückgreifen, der Zusammenschluss ist deshalb kein Blindflug.»
Was geschieht nach einer Zustimmung?
«Nach einer Zustimmung am 27. September geht das kirchliche Leben in den Quartieren weiter, Gottesdienste und Veranstaltungen finden wie gewohnt statt, und die vertrauten Ansprechpersonen bleiben bestehen», betont Lars Funk.
Im Hintergrund bereiten die Behörden alles so vor, dass die neue Kirchgemeinde Schaffhausen-Stadt am 1. Januar 2028 nahtlos starten kann. Eine Findungskommission sucht geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für den zukünftigen Kirchenstand und die Geschäftsprüfungskommission. Die bisherigen Behörden bleiben bis Ende 2027 im Amt und sorgen dafür, dass alle Aufgaben zuverlässig wahrgenommen werden. «Die organisatorischen Vorbereitungen schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die neue Kirchgemeinde ihre Arbeit geordnet aufnehmen kann und Kirche auch künftig lebendig und nahe bei den Menschen bleibt», ergänzt Reto Dubach.
Worüber wird am 27. September entschieden?
Für Lars Funk ist die Antwort klar: Es geht um weit mehr als um eine neue Organisationsform. Es geht um die Frage, wie Kirche in der Stadt Schaffhausen in Zukunft präsent sein will. Der Zusammenschluss soll die Voraussetzungen schaffen, damit kirchliches Leben auch in den kommenden Jahrzehnten vielfältig, sichtbar und nah bei den Menschen bleibt.
Reto Dubach formuliert es ähnlich: «Es geht nicht darum, das Gewachsene aufzugeben, sondern gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.» Genau darüber entscheiden die Mitglieder der vier Kirchgemeinden am 27. September an der Urne.
Informationen und Abstimmungsbotschaft: www.ref-sh.ch
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