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«Wer weiss, wer morgen flüchten muss?»

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27.09.2018
Am Anfang stand eine eisige Nacht eines Asylbewerbers in einer Telefonkabine. Dann ein Gebet. Die Geschichte hinter diesem Stossgebet.

Evang├ęlique Assembl├ęe Chr├ętienne in Basel, hat viel zu erz├Ąhlen. Der Mann mit dem nachdenklichen Blick reist im Jahr 2000 mit einem Studentenvisum aus dem Kongo legal in die Schweiz. Er erz├Ąhlt von den vielen Bekannten, deren Ankunft im neuen Leben in der Schweiz mit grossen ├ängsten verbunden war.
Einer berichtete dem Pastor von seiner ersten Nacht in der Schweiz, zusammengekauert in einer Telefonkabine. Ohne Papiere, m├╝de und hungrig, mitten im Winter. Der Einzige, an den er sich in diesem Moment richten kann, ist Gott. Mitendos Gebet ├╝ber die erste eisige Nacht eines Asylsuchenden in der Schweiz fand
Eingang ins ┬źBasler Gebetsbuch┬╗.
┬źSchon in dieser Nacht mach, dass mich kein Polizist entdeckt und mich wegschafft┬╗, gibt Anaclet Mitendo das Stossgebet seines Freundes wieder. 1997 war dieser vor dem B├╝rgerkrieg im Kongo in die Schweiz gefl├╝chtet. ┬źEr hat nach einigen Jahren die ┬şNiederlassungsbewilligung erhalten┬╗, erz├Ąhlt Mitendo. ┬źKurz darauf ist er verstorben, er konnte sich nicht lange ├╝ber den positiven Entscheid freuen┬╗, f├╝gt der Pastor an. ┬źR├╝hre das Herz
der Beh├Ârden an, damit sie mir das Recht geben, hier zu leben┬╗, heisst es im Gebet.

Fern von Familie und Heimat
Mitendo kennt viele solcher Schicksale: ┬źEin Grossteil unserer Gemeindemitglieder musste durch den Asylprozess.┬╗ Der Pastor sieht sich als F├╝rsprecher dieser Menschen. Ihre Situation l├Ąsst ihn nicht kalt. ┬źJeden Tag bin ich mit Asylsuchenden in Kontakt. Unsere Kirche ist eine Gastfamilie f├╝r Fl├╝chtlinge┬╗, sagt Mitendo. Er kennt das oft schwierige Leben seiner Fl├╝chtlinge, auch wenn er selbst eine solche Situation nicht erleben musste. Er sieht, wie sie warten, fern von der Heimat und Familie. K├Ânnen sie bleiben, arbeiten und ihre Kinder in die Schule schicken? Anaclet Mitendo will sich von den Geschichten nicht erdr├╝cken lassen. Als Ausgleich spielt er gerne Fussball, spaziert im Wald oder liest ein gutes Buch. ┬źDoch daf├╝r bleibt selten Zeit┬╗, sagt er.
Mit dem ┬źPsalm eines verzweifelten Mannes in einer Telefonkabine┬╗ wollte Mitendo zeigen, dass sich Menschen auf unterschiedliche Arten an Gott wenden. ┬źWir alle haben unsere je eigenen Bed├╝rfnisse. Was f├╝r den einen ├╝berfl├╝ssig ist, ist f├╝r den anderen notwendig.┬╗
Der Pastor erlebt, wie sich die Stimmung gegen├╝ber den Fl├╝chtlingen ver├Ąndert hat, die Forderungen nach Abschiebung und verst├Ąrkten Grenzen lauter werden. ┬źMenschen siedeln nicht freiwillig um┬╗, sagt er, ┬źsie m├╝ssen.┬╗ Kein Land, auch nicht die Schweiz, sei sch├Âner als das eigene Geburtsland. Dann f├╝gt er hinzu, heute seien es die Menschen aus afrikanischen L├Ąndern, die ihr Land verlassen. ┬źWir wissen nicht, wer es morgen sein wird. Aber eines wissen wir, wir alle haben das Recht auf Leben.┬╗
┬źLass mich jemandem in diesem Land begegnen, der gut ist. Wenn du mich hier wohnen l├Ąsst, werde ich dir immer dankbar sein┬╗, beendet der Mann in der Telefonkabine sein Gebet.

27.09.18 / Noemi Sch├╝rmann

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