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Wie hälts Frau Merkel mit «C»?

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23.09.2017
Am Anfang stand Angel Merkel, die Frau aus dem Osten, unter dem Verdacht Atheistin zu sein. Heuet ist sie die Gläubige in dem sich immer stärker säkularisierenden Deutschland.

Die Auguren der Meinungsforschungsinstitute sehen Angela Merkel klar in der Pol-Position, um zum vierten Mal deutsche Kanzlerin zu werden. Beten f√ľr den Wahlsieg muss die protestantische Pfarrerstochter also nicht.¬† Macht sie nach eigenem Bekenntnis auch nicht. Denn ihr Credo ist es, Politisches und Religi√∂ses nicht zu vermischen, wenn sie auch ¬ęfast jeden Tag¬Ľ im Gebet Kraft sucht. Volker Resing, Chefredakteur der katholischen ¬ęHerder-Korrespondenz¬Ľ, hat die religi√∂sen √Ąusserungen der deutschen Bundeskanzlerin w√§hrend ihrer Polit-Karriere gesammelt und die Spiritualit√§t der m√§chtigsten Frau der Welt in dem Buch ¬ęAngela Merkel - die Protestantin¬Ľ ¬†ausgeleuchtet.

Zwischen  Repression und Anpassung
Der Titel zeigt schon: Der Politbeobachter Resing mit einem Gesp√ľr f√ľrs Religi√∂se hat keine M√ľhe der Kanzlerin das Etikett ¬ęChristin¬Ľ zu verleihen. Das war anfangs nicht so. ¬ęDa war sie die grosse Unbekannte.¬Ľ Biographisch schwebte bei der Frau aus dem Osten vieles im Graubereich: Wie war ihre Haltung zum SED-Regime? War ihr Vater, Pfarrer¬† Horst Kasner, nicht stramm auf Linie? ¬ęAn Versuchen hat es nicht gefehlt, sie in die N√§he des Regimes zu r√ľcken¬Ľ, sagt Resing am Telefon.¬† Aber sie sei den f√ľr die Pragmatikerin Merkel so typischen ¬ęWeg zwischen Repression und Anpassung¬Ľ gegangen.

Weltanschauliche Positionen vor sich herzutragen, dass sei ihr mit ihrer Diktaturerfahrung ein Gr√§uel gewesen. So erkl√§rt sich auch, dass Merkel am Anfang ihrer Karriere kaum Einblicke in ihr religi√∂ses Innenleben gew√§hrte. Heute dagegen bekennt sie sich ganz freim√ľtig zum Glauben. So betonte sie auf einem CDU-Empfang w√§hrend des Evangelischen Kirchentags in Berlin: ¬ęReligion geh√∂rt in den √∂ffentlichen Raum.¬Ľ Mit der gr√∂sseren Bereitschaft Merkels, sich religi√∂s zu offenbaren, und der sich gleichzeitig stark s√§kularisierenden deutschen Gesellschaft ¬†kommt deshalb Resing zum Schluss: ¬ęAnfangs vermuteten viele in ihr die DDR-Atheistin in einem mehrheitlich christlichen Land. Heute ist Merkel die Gl√§ubige in einem s√§kularen Deutschland.¬Ľ

¬ęViva Frangela!¬Ľ
Ganz gut dazu passt, dass die Protestantin Merkel ein geradezu herzliches Verh√§ltnis zum Papst aufgebaut hat. Die Wochenzeitung ¬ęZeit¬Ľ schreibt √ľber diese politische Freundschaft unter dem Titel ¬ęViva Frangela!¬Ľ. ¬†Bereits vier Mal ist sie zur Privataudienz in den Vatikan gereist. Was den obersten Katholiken mit der Protestantin verbindet, ist nat√ľrlich ihre Haltung zur Fl√ľchtlingskrise.

Die schicksalhafte √Ėffnung der Grenzen im September 2015 hat ihr aber auch viel Sympathie im evangelischen Lager eingebracht. Schon deshalb arrangierte der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm eine Begegnung zwischen Merkel und dem Expr√§sidenten Barack Obama beim Kirchentag, was manche Bedford-Strohm, selbst Mitglied der SPD, als Wahlkampfhilfe auslegten. Nat√ľrlich befragte der EKD-Ratsvorsitzende Merkel kritisch vor dem Brandenburger Tor, warum in Deutschland gut integrierte Afghanen abgeschoben w√ľrden. Die Kanzlerin dagegen pochte auf den Rechtsstaat, der bei aller humanit√§ren H√§rte f√ľr einen einzelnen Fl√ľchtling als letzte Instanz entscheide.

Mittelweg zwischen Recht und humanitärer Hilfe
F√ľr Resing ist das typisch f√ľr die Kanzlerin. Sie sei auch nicht bei der Fl√ľchtlingskrise ¬ęgesinnungsethisch losgaloppiert¬Ľ, sondern habe immer versucht, einen Mittelweg zwischen staatlichen Interessen und humanit√§rer Verpflichtung zu finden. Am populistischen Rand hingegen bleibt Merkel die Schleusen√∂ffnerin f√ľr die Islamisierung Deutschlands. Und Resing sieht in Anbetracht der vielen unentschiedenen W√§hler, aber auch der demoskopischen Schwierigkeiten das populistische Elektorat zuverl√§ssig ¬†vorherzusagen, einen AfD-Stimmenanteil von mehr als zehn Prozent als durchaus realistisch an. Resing w√∂rtlich: ¬ęNach zw√∂lf Jahren Merkel macht sich bei vielen √úberdruss breit. Kombiniert mit der Fl√ľchtlingsthematik, hilft dies der AfD.¬Ľ

Delf Bucher, reformiert.info, 23. September 2017

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