Dargebotene Hand und Mütter im Südsudan
Wenn die Reformierten der Solothurner Kantonalkirche am Bettag zur Kollekte aufrufen, verbindet sie zwei Welten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: eine Telefonnummer in der Schweiz und eine Hebammenschule im Südsudan. Die Evangelisch-reformierte Kirche Kanton Solothurn widmet ihre diesjährige Bettagskollekte der Dargebotenen Hand und einem Projekt von Mission 21.
Die Zahlen zur Dargebotenen Hand sind eindrücklich: Alle zweieinhalb Minuten wählt in der Schweiz jemand die Nummer 144, rund um die Uhr. Am anderen Ende der Leitung warten freiwillige Beraterinnen und Berater auf Menschen, die mit Schulden, psychischen Krisen, häuslicher Gewalt, Sucht oder schlicht mit einem Leben kämpfen, das aus den Fugen gerät. Und das Gespräch mit 144 kann helfen, wenn nicht gar Leben retten. Der Anruf ist für die Betroffenen kostenlos, für die Organisation aber nicht: Ausbildung und Betrieb des Beraterteams kosten Geld, das grösstenteils aus Spenden finanziert werden muss.
Weltweit höchste Müttersterblichkeit
Ganz anders, aber ebenso existenziell ist die zweite Institution, die von der Kollekte profitiert. Im Südsudan sterben täglich Frauen und Neugeborene an Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt, die mit einfacher medizinischer Versorgung vermeidbar wären. Nur 19 Prozent aller Geburten werden dort von ausgebildetem Fachpersonal begleitet. Die Müttersterblichkeit zählt mit 1150 Todesfällen pro 100'000 Geburten zu den höchsten weltweit. Mission 21 betreibt deshalb mit der lokalen Partnerorganisation PRDA in Juba eine staatlich anerkannte Hebammenschule. Die dreijährige Ausbildung verbindet Theorie mit Einsätzen in Gesundheitseinrichtungen; viele Absolventinnen kehren danach bewusst in unterversorgte ländliche Regionen zurück, wo sie Geburten begleiten und Frauen medizinisch versorgen.
Für die Solothurner Kirche ist die Kombination kein Zufall. «Beide Organisationen leisten unverzichtbare Arbeit, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam haben», sagt Synodalratspräsidentin Evelyn Borer. «Die eine hört Menschen in der Schweiz zu, die nicht mehr weiterwissen. Die andere sorgt dafür, dass im Südsudan Mütter und ihre Kinder eine Geburt überhaupt überleben. Beides ist im Kern dasselbe: Wir schauen hin, wo Menschen sonst allein wären.» Der Synodalrat ruft die Kirchgemeinden und die Reformierten auf, sich am Bettag mit einer Spende zu beteiligen.
Die Kollekte, traditionell am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag eingezogen, gilt in den reformierten Kirchen als eine der wichtigsten des Jahres. Sie erinnert daran, dass Solidarität nicht an der Kantonsgrenze endet.
Dargebotene Hand und Mütter im Südsudan