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Das Fach Religion soll obligatorisch bleiben

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28.10.2022
Geht es nach den Landeskirchen, soll Religion schweizweit in den Gymnasien ein obligatorisches Fach werden. Im Kanton Solothurn gibt es bereits heute ein Wahlpflichtfach Religion oder Ethik.

Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der gymnasialen Maturit√§t steht auch f√ľr den Religionsunterricht an den Mittelschulen eine Revision an.

Bis Ende September hatten die Landeskirchen Zeit, auf die Vernehmlassung zur reagieren. Was diese taten. Ende September sandten Kirchen ihre Antwort ans Eidgen√∂ssische Departement f√ľr Wirtschaft, Bildung und Forschung.

√úberall anders geregelt
Geht es nach den Kirchen, sollen sich die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler nicht nur auf der Primar- und der Sekundarstufe mit den Religionen befassen. Fortan sollte dies auch im Gymnasium geschehen: als obligatorischer Unterrichtsstoff Religionen oder in Kombination mit Philosophie. Aktuell ist dies in jedem Kanton, ja sogar in jedem Gymnasium individuell geregelt.

Im Kanton Solothurn besuchen die Gymnasiasten in Solothurn und Olten entweder das Wahlpflichtfach Religion oder dasjenige der Ethik. Der Besuch ist obligatorisch. Die eine H√§lfte entscheide sich f√ľr Ehtik, die andere f√ľr Religion, erkl√§rt Christoph Mathys, Pr√§sident der Interkonfessionellen Kommission f√ľr den Religionsunterricht an den Solothurnischen Kantonsschulen.

Die Kommission hat sich ebenfalls an der Vernehmlassung beteiligt. Sie begr√ľsst die Stossrichtung der Revision. Besonders, dass das Fach ¬ęReligionen¬Ľ weiterhin als Grundlagenfach angeboten werden kann.

Zu viel Spielraum f√ľr die Kantone
Sie bedauert aber, dass die F√§cher Religion und Ethik nur in einer Kann-Version stehen. Die Formulierung sei zu unverbindlich und k√∂nne rasch einmal dazu f√ľhren, dass diese F√§cher aus dem Stundenplan fielen, sagt Christoph Mathys. Da h√§tten die Kantone zu viel Spielraum. Deshalb sollte von ¬ęmuss¬Ľ die Rede sein.

Die religiösen Bildungsmöglichkeiten an den Schulen seien heute schon eingeschränkt, schreibt die Kommission. Mit der Reformpolitik der Neunzigerjahre habe man den religiösen Zugang in der Bildung zu stark marginalisiert.

Religionswissen macht Kulturgeschichte verständlich
Wie die Gegenwart zeige, seien die grossen Fragen der Ethik und der Religionen nach wie vor in der Gesellschaft pr√§sent, erkl√§rt Christoph Mathys, der am Gymnasium Wirtschaft und Recht unterrichtete. Kenntnisse der Religionen und Kirchen seien bedeutsam, weil die europ√§ische Geschichte, Literatur, Architektur und Kunst ohne ein Grundwissen √ľber die j√ľdische, die christliche und die islamische Glaubenstradition nicht verstanden werden k√∂nne.

Interkulturelle Kompetenz vermitteln
M√ľsste die Schule nicht der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, dass immer weniger Mitglied einer religi√∂sen Gemeinschaft sind? ¬ęIm Gegenteil¬Ľ, meint Christoph Mathys. Die Gegenwart werde nach wie vor von kulturellen und religi√∂sen Traditionen gepr√§gt, die Orientierung, religionsbezogene Dialogf√§higkeit und interkulturelle Kompetenz verlangten, unabh√§ngig davon, ob man zu einer Religionsgemeinschaft geh√∂re oder nicht.

Heute brauche es vermehrt eine ethische Sensibilisierung und die Bereitschaft, Verantwortung f√ľr sich selbst, den Mitmenschen, die Gesellschaft und die Natur wahrzunehmen. ¬ęAll dies findet in den F√§chern Religionen und Philosophie statt¬Ľ, ist Christoph Mathys √ľberzeugt.

Tilmann Zuber

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