«Das Miteinander ist das Wichtigste»
Christine Blaser spricht leise. Nicht unsicher. Eher bedacht. Sie überlegt kurz, bevor sie antwortet. Worte scheinen für die vierfache Mutter etwas zu sein, das Gewicht haben darf. «Eigentlich bin ich eher ein Hintergrundmensch», sagt sie und lächelt. Seit Januar ist sie Präsidentin ad interim der Reformierten Kirche Willisau-Hüswil. Geplant war das nicht. Im vergangenen Sommer kandidierte der Vorstand geschlossen für eine weitere Amtszeit. Doch aus persönlichen Gründen legte der Präsident Hermann Morf sein Amt überraschend auf Ende Jahr nieder. Blaser war zu diesem Zeitpunkt bereits Vizepräsidentin. «Da war relativ schnell klar, dass ich übernehme», sagt sie.
Die Aufgabe hat sie mit Respekt angenommen – und mit Freude. Auch wenn sie erst herausfinden musste, wie sie die neue Rolle gestalten will. Sie ist nicht jemand, der führen möchte, um im Mittelpunkt zu stehen. Vielmehr geht es ihr darum, Menschen zusammenzubringen. Dass sich alle wohlfühlen. Im Vorstand, in der Kirche, in der Gemeinde. «Das Miteinander ist das Wichtigste», so die gelernte Masseurin und Drogistin.
Kinder sind ihr Element
Seit 21 Jahren engagiert sich Christine Blaser bereits im Kirchenvorstand. Begonnen hat alles eher spontan. Damals lebte sie mit ihrem Mann und vier kleinen Kindern in Fischbach. Ihr Mann arbeitete als Käsermeister, gemeinsam führten sie eine Käserei. Als die Käserei geschlossen wurde, fragte der damalige Kirchenpräsident, ob sie sich eine Mitarbeit im Vorstand vorstellen könnte. «Ich glaube, sie waren überrascht, dass ich zugesagt habe», sagt Blaser und lacht. Sie war jung und neugierig. Und sie reizte die Vorstellung, etwas mitzugestalten.
In den ersten Sitzungen beobachtete sie vor allem, hörte zu und lernte. Anfangs schrieb sie Jubiläumskarten. Eine Aufgabe, die sich mit Familie und Alltag vereinbaren liess. Später übernahm sie das Ressort Kinder und Familie – ein Bereich, der ihr bis heute besonders am Herzen liegt. Überhaupt: Kinder sind für Christine Blaser mehr als ein Ressort. «Das ist mein Element», sagt sie.
Auch beruflich arbeitet sie mit Kindern. In der Schule: als Lehrerin, Klassenassistentin, Bibliothekarin oder dort, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. «Eigentlich überall», sagt sie lachend. Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen, sei ihr wichtig. Ihnen ein Fundament mitzugeben.
Glaube als Anker
Kirche bedeutet für Christine Blaser weniger Institution als Gemeinschaft, Nähe und Verlässlichkeit. Ein Ort, an dem Menschen willkommen sind. Sie selbst ist reformiert aufgewachsen. Nicht streng religiös, wie sie sagt. Aber der Glaube gehörte immer dazu. Gebete am Tisch. Religionsunterricht. Gottesdienste in regelmässigen Abständen. Später gab sie vieles davon an ihre Kinder weiter. Heute ist der Glauben für sie «ein Anker. Gerade in schwierigen Zeiten.»
Die Corona-Pandemie hat sie geprägt. Nicht wegen organisatorischer Herausforderungen. Sondern weil plötzlich fehlte, was ihr an Kirche am wichtigsten ist: Begegnung. «Wir konnten nicht so für die Leute da sein, wie wir wollten.» Gottesdienste wurden übertragen, Kontakte telefonisch gepflegt, Nachrichten verschickt. Aber vieles blieb auf Distanz. Erst in dieser Zeit habe man gemerkt, wie wichtig Gemeinschaft sei. Und darin liegt auch ihre grösste Sorge und gleichzeitig ihre grösste Hoffnung für die Zukunft der Kirche. Dass Menschen wieder zueinander finden. Dass Familien kommen. Kinder lachen. Dass Kirche ein Ort bleibt, an dem Generationen zusammenkommen. «Die Werte der Gemeinschaft dürfen nicht verloren gehen», sagt sie.
Die Kirche in Hüswil wurde in den letzten Monaten renoviert. Sie erhielt einen barrierefreien Zugang, neue WC-Anlagen und eine sanfte Auffrischung. Für Blaser ist das mehr als ein Bauprojekt. «Es ist heller und einladender geworden», sagt sie. Die Kirche solle Menschen willkommen heissen. Familien mit Kinderwagen genauso wie ältere Menschen mit Rollator. Gerade der barrierefreie Zugang sei ihr wichtig. Vieles hat bei Christine Blaser mit Offenheit zu tun. Mit Zugänglichkeit. Mit einem Ort, an dem Menschen sich nicht erklären müssen, um dazugehören zu dürfen.
Kraft findet sie draussen. Beim Laufen. In der Natur rund um Fischbach. Kilometerlange Wege, Wälder, Ruhe. «Dort kann ich abschalten», sagt sie. Und natürlich bei ihrer Familie. Sie beschreibt sich selbst als loyal, ruhig und familienverbunden. Eigenschaften, die man ihr sofort glaubt. Und genau deshalb passt sie besser in dieses Präsidium, als sie selbst lange dachte. Nicht laut und dominant. Sondern als jemand, der Menschen verbindet.
«Das Miteinander ist das Wichtigste»