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Heinrich Bedford-Strohm in Luzern

«Die Gesellschaft heute sucht nach Orientierung»

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19.09.2023
Heinrich Bedford-­Strohm hält die diesjährige Otto-Karrer- Vorlesung. Er ist Landes­bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorsitzender des Ökumeni­schen Rates der Kirchen.

Auf dem Flyer zur Otto-Karrer-Vorlesung sieht man Heinrich Bedford-Strohm auf seinem Fahrrad. Dies bilde die Realit√§t ab, sagt er. Tats√§chlich sei er in M√ľnchen fast immer mit dem Fahrrad unterwegs. Auch hier stehe es f√ľr das ¬ęAuf-dem-Weg-Sein¬Ľ, und zwar klimavertr√§glich.

Heinrich Bedford-Strohm, Sie sind letzten Herbst ins h√∂chste Amt des √Ėkumenischen Rates der Kirchen (√ĖRK) gew√§hlt worden. Was bedeutet Ihnen dies?

Das bedeutet mir sehr viel. Seit Jahrzehnten engagiere ich mich in der √∂kumenischen Bewegung. Die √Ėkumene ist mir ein Herzensanliegen. Wenn mir aber jemand gesagt h√§tte, dass ich einmal in dieses Amt gew√§hlt werden w√ľrde, h√§tte ich ihm den Vogel gezeigt.

Braucht es √ľberhaupt noch √Ėkumene? Die Kirchen sind heute f√ľr immer weniger Menschen relevant.

Gerade deswegen braucht es √Ėkumene umso dringender! Denn wie sollen wir denn Menschen f√ľr die Botschaft des Friedens und der Liebe gewinnen, wenn wir selbst unsere Trennungen nicht √ľberwinden! Wenn wir uns an die Trennungen zwischen den Konfessionen gew√∂hnen, dementieren wir jeden Tag unsere eigene Botschaft.

Welche Bedeutung hat eine christ¬≠liche beziehungsweise ¬ę√∂ffentliche Theologie¬Ľ, wie Sie sagen, f√ľr die Gesellschaft heute?

Sie hat eine grosse Bedeutung. Denn die Gesellschaft heute sucht ja nach Orientierung. Da kann man auf das jahrtausendealte Orientierungswissen des Christentums nicht verzichten.

Was ist mit einer ¬ę√Ėkumene des Herzens¬Ľ gemeint? Sind mit ihr ¬≠bisherige Zielvorstellungen der √Ėkumene √ľberholt?

Nein, Zielvorstellungen wie die sichtbare Einheit in vers√∂hnter Verschiedenheit sind nicht √ľberholt. Aber Papiere von Theologenkommissionen reichen f√ľr ihre Umsetzung nicht aus. Dass Christus Vorrang hat vor unseren konfessionellen Traditionen, muss wirklich in unser Herz einziehen.

Wenn Sie einen Wunsch frei h√§tten f√ľr die √Ėkumene: Was w√§re das?

Mein grösster Wunsch ist, dass die Gemeinschaft zwischen den Konfessionen, die wir schon jetzt immer wieder erleben, auch am Tisch des Herrn möglich ist.
Universität Luzern

 

Heinrich ­Bedford-Strohm

Der Theologe gilt als soziales Gewissen der Protestanten in Deutschland. Er ist Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorsitzender des Zentralausschusses des √Ėkumenischen Rates der Kirchen.


Otto-Karrer-Vorlesungen

Die Otto-Karrer-Gesellschaft wurde 1977 errichtet zur Erinnerung an das ¬≠Wirken des Luzerner Theologen und √Ėkumenikers ¬≠Otto Karrer. Die theologische Fakult√§t und das √Ėkumenische Institut Luzern laden j√§hrlich zur Otto-Karrer-Vorlesung ein und lassen dabei Pers√∂nlichkeiten aus Kirche, Gesellschaft und Politik zu Wort kommen.

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