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Drohender Personalmangel und mehr Seelsorge im Alter

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21.06.2022
Der Kirchenrat legte der Synode erstmals eine Strategie für die nächsten zehn Jahre vor.

Es brauche eine strategische Ausrichtung ĂŒber die vierjĂ€hrige Legislatur hinaus, sagte KirchenratsprĂ€sident Christoph Herrmann an der FrĂŒhjahrssynode in MĂŒnchenstein, denn es kĂ€men VerĂ€nderungen auf die Kirche zu. Ab 2029 droht ein Personalmangel, weil zwei Drittel der Pfarr- und Religionslehrpersonen das Pensionsalter erreichen. Aber auch sonst sei es schwierig, kirchliches Personal und Freiwillige zu finden. Die Nachwuchsförderung sieht der Kirchenrat als eine der grossen Herausforderungen. Er möchte die AttraktivitĂ€t der kirchlichen Berufe und der Ausbildung ĂŒberprĂŒfen.

Zudem mĂŒsse die Kirche besser kommunizieren. Das soziale Engagement der Kirchen sei fĂŒr viele der Grund, Mitglied zu sein, so der KirchenratsprĂ€sident. Die Landeskirche mĂŒsse den Menschen vermitteln können, «wofĂŒr wir einstehen und woran wir glauben», so Herrmann. Dies zeige sich etwa in der Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz beim Thema Palliative Care oder im geplanten ökumenischen Seelsorgekonzept fĂŒr das Alter. Von solchen Angeboten profitiere die ganze Bevölkerun und man erreiche viele. Weiter möchte der Kirchenrat die Schaffung einer Diakoniestelle prĂŒfen, um Projekte zu fördern und zu begleiten.

Seelsorge im Alter
Einstimmig genehmigte die Synode 35'000 Franken fĂŒr ein ökumenisches Konzept zur Seelsorge im Alter. Die reformierte und die katholische Kirche teilen sich die Gesamtkosten von 70'000 Franken. WĂ€hrend die Kirchen in den grossen SpitĂ€lern eine institutionalisierte ökumenische Seelsorge bieten, ĂŒbernehmen die Pfarrpersonen aus den Gemeinden dies in den 30 Baselbieter Alters- und Pflegeheimen. Auch werde die psychosoziale und spirituelle Begleitung etwa bei regionalen Versorgungskonzepten oftmals zu wenig beachtet und die Kirchen bei der Erarbeitung (noch) nicht genĂŒgend eingebunden, sagte KirchenrĂ€tin Cornelia Hof. Die Zusammenarbeit aller Akteure werde aber immer wichtiger. Die Zahl der ĂŒber 80-JĂ€hrigen wird sich in den nĂ€chsten 30 Jahren verdoppeln. Im gleichen Masse möchten die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und treten erst in der allerletzten Lebensphase ins Pflegeheim ein. Damit Ă€ndern sich die Anforderungen an die spirituelle Begleitung. Die Nachfrage nach Seelsorge fĂŒr Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sowie Palliative Care werde zunehmen, so Hof. Das Konzept soll 2025 umgesetzt werden.

Guter Rechnungsabschluss
Weiter verabschiedete die Synode einstimmig die Rechnung 2021. Sie schloss mit einem Überschuss von 235'000 Franken ab. Dies sei allerdings das Ergebnis einmaliger Effekte, dĂ€mpfte KirchenrĂ€tin Sandra BĂ€tscher die Freude. Die Steuern der Unternehmen fielen höher aus als erwartet und die Personalkosten tiefer. Dazu kam ein Kursgewinn auf Wertschriften. Dank des guten Abschlusses konnte die Kirche nicht budgetierte Fondseinlagen tĂ€tigen. «Das ist eine Vorsorge fĂŒr die Zukunft», sagte Sandra BĂ€tscher.

Karin MĂŒller

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