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Halloween wird christlich

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30.10.2018
Als eine der ersten Kirchgemeinden der Schweiz feiert Dulliken Halloween. Und das in einer christlichen Version. Für die Sozialdiakonin Cornelia Ingold erhält das ehemals keltische Totenfest so einen zusätzlichen Aspekt.

In den letzten Jahren wurde Halloween st├Ąndig popul├Ąrer. Immer mehr Kinder und Jugendliche ziehen am 31. Oktober, wenn es eindunkelt, durch die Strassen und klingeln an den T├╝ren. Mit dem Schlachtruf ┬źS├╝sses oder Saures┬╗ betteln die kleinen Hexen, Monster und Ungeheuer um S├╝ssigkeiten.

Der Brauch aus den USA kommt nicht ├╝berall an: Cornelia Ingold, Sozialdiakonin und Mutter dreier Kinder, kennt das Dilemma. Viele Eltern k├Ânnten mit Halloween nichts anfangen. ┬źSie wollen nicht, dass ihre Kinder nachts von T├╝r zu T├╝r ziehen. Schliesslich geben sie dem Dr├Ąngen der Kinder nach, mit einem schlechten Gef├╝hl.┬╗ Manch Erwachsenen ├Ąrgere es, wenn es am sp├Ąten Abend an der T├╝r klingelt, sagt Ingold. ┬źGerade Senioren und Eltern von Babys nerven sich, wenn diese aus dem Schlaf gerissen werden.┬╗

Halloween nicht ignorieren
Die Jugendarbeit der Kirchgemeinde Dulliken setzt da an. Statt den Brauch zu ignorieren, greift sie das Bed├╝rfnis nach Halloween auf und bietet dazu eine Alternative: Halloween, in
einem geschützten Rahmen mit christlicher Ausrichtung. Seit vier Jahren kommen rund 30 Kinder ins Kirchgemeindehaus, verkleiden und schminken sich, basteln, spielen und essen Hotdogs und Süssigkeiten. 

Gef├╝hrt von einer brennenden Fledermaus-Laterne zieht die Schar dann hinaus in die Nacht zum Schulhausplatz, wo Ingold eine Geschichte erz├Ąhlt. Sie soll den Kindern und Eltern vermitteln, dass ┬źJesus das Licht der Welt ist und sie auch in dunklen Zeiten nicht alleine sind┬╗. Dieses Licht gebe Sicherheit und Vertrauen, sodass man sich nicht f├╝rchten m├╝sse, sagt die Sozialdiakonin, etwa vor den Monstern unter dem Bett oder den Gespenstern hinter der T├╝r, von denen die Kinder berichten.

Verstorbene holen die Seelen
Mit seinem Ansatz liegt Dulliken nicht daneben. Denn mit dem einstigen keltischen Neujahrsbrauch, dem ┬źSamhain┬╗, vermischen sich heidnische und christliche Traditionen. Die Kelten glaubten, dass am 31. Oktober die Welt der Lebenden mit jener der Toten zusammentrifft. An diesem Tag konnten die Verstorbenen von den Seelen der Menschen Besitz ergreifen. Wenn sich die Lebenden jedoch verkleideten und schreckliche Masken ├╝berzogen, konnten sie die Geister abschrecken.┬á

Irische Einwanderer brachten den Halloween-Brauch in den 1840er-Jahren in die USA, wo er seither mit viel Aufwand gefeiert wird. Selbst Prominente in Hollywood verkleiden sich jedes Jahr aufs Neue f├╝r die skurrilen Halloweenpartys.

Seelenbrot und leuchtende R├╝ben
Der keltische Totenkult nahm im Laufe der Zeit christliche Traditionen und Legenden auf. Der Name ┬źHalloween┬╗ geht zur├╝ck auf ┬źAll Hallows Evening┬╗, den Abend vor dem katholischen Allerheiligen. ┬źTrick or Treat┬╗, das Betteln um S├╝sses, hat ebenfalls christlichen Ursprung. Am 2. November (Allerseelen) bettelten die Christen im 9. Jahrhundert in den D├Ârfern um ┬źSeelenkuchen┬╗, ein Brot mit Johannisbeeren. Sie versprachen, im Gegenzug f├╝r die verstorbenen Angeh├Ârigen zu beten.

Der Brauch des leuchtenden K├╝rbisses hat seinen Ursprung in einer irischen Erz├Ąhlung. Ein Schlitzohr namens Jack, das gerne trank, brachte den Teufel dazu, auf einen Baum zu klettern. Dann nahm Jack ein Messer und ritzte ein Kreuz in die Baumrinde, der Satan konnte nicht mehr hinuntersteigen. Jack liess den Teufel erst herunter, als dieser versprach, dass er ihn nie mehr f├╝rchten m├╝sste.

Zwischen Himmel und H├Âlle
Als Jack starb, durfte er nicht in den Himmel, da er sich mit dem Teufel eingelassen hatte. Doch auch in die H├Âlle konnte er nicht. Der Teufel gab ihm eine ausgeh├Âhlte R├╝be, in die er eine gl├╝hende Kohle legte, damit Jack seinen Weg durch die dunkle Welt finden w├╝rde. Da es in den USA kaum R├╝ben gab, griff man auf K├╝rbisse zur├╝ck.

Aufgrund ihrer Erfahrungen in Dulliken findet es Cornelia Ingold f├╝r andere Gemeinden durchaus einen Versuch wert, Halloween nicht zu ignorieren, sondern diesen Brauch als Kinderfest ins Gemeindeleben zu integrieren: ┬źDie Jugendlichen und Kinder freuen sich, und die Eltern erleben die Kirchgemeinde als Partnerin bei einem aktuellen Alltagsproblem und mit deren Unterst├╝tzung sie einen entspannten Abend haben.┬╗ Die Integration von Halloween begr├╝ndet sie wie folgt: ┬źDie Kirche ist ein lebendiger Leib, und wir sind alle Kinder unserer Zeit. Das Evangelium hingegen darf ÔÇô als zeitlose Wahrheit ÔÇô immer wieder im neuen Kleid daherkommen.┬╗

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 30. Oktober 2018

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