Im «Sonntagszimmer» sind alle Schwestern und Brüder
Seit 2010 öffnet das «Sonntagszimmer» an jedem siebten Tag der Woche von acht bis in die Nacht seine Türen. Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten verbringen hier gemeinsam den Sonntag. Etwa zweihundert Menschen kommen Woche für Woche zusammen. Dabei sind gut zwanzig verschiedene Sprachen zu hören. Thomas und seine Mutter Doris aus dem Oberbaselbiet, Jean-Pierre aus dem Elsass, Jin aus China, Marjorie und Vera aus Brasilien, Kamal aus Marokko, Christopher aus Sri Lanka, Priya aus Indien, Mira aus Serbien, Larysa aus der Ukraine sowie Fidan und Mustafa aus der Türkei – sie alle und noch viele weitere verbringen den Sonntag gemeinsam.
Gemeinschaft und Frieden finden
Fragt man sie und andere Gäste, was ihnen am «Sonntagszimmer» besonders gefalle, antworten sie in ihren Muttersprachen und in unterschiedlichsten Schriften. Wir haben sie gebeten, ihre Gedanken auf Karten festzuhalten. So stark sich Sprachen und Schriften unterscheiden, so ähnlich sind sich die Aussagen: Die meisten finden im «Sonntagszimmer» Gemeinschaft, gutes Essen, Frieden und eine sinnvolle Beschäftigung. Viele erleben es als bereichernd, wenn sie in ihrer oft herausfordernden Lebenssituation der Gemeinschaft etwas zurückgeben können, indem sie in Küche und Kirche mithelfen.
Viele sprechen bereitwillig über ihre Situation und lassen sich auch gerne fotografieren. Andere möchten und können nicht mit Namen und Gesicht in der Öffentlichkeit erscheinen: Sie suchen und finden im «Sonntagszimmer» Schutz vor Gewalt und Unsicherheit.
Gastgeber des «Sonntagszimmers» sind Thawm Mang und Silvia Gurtner. Thawm Mang stammt aus Burma und weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, in einem fremden Land anzukommen. Im Unterschied zu vielen anderen Kirchgemeinden pflegt er in der Matthäuskirche deshalb bewusst eine gelebte Willkommenskultur: Jeder Mensch ist willkommen und wird integriert. Neue Gäste werden bei ihrem ersten Besuch öffentlich mit Namen begrüsst und erhalten einen Platz. Niemand muss sich beweisen oder eine Leistung erbringen. Alle gehören sofort dazu.
Der Ablauf ist am Sonntag klar strukturiert. Trotzdem dürfen die Besucherinnen und Besucher kommen und gehen, wann sie möchten. Die Hausregeln sind einfach und werden freundlich, aber bestimmt umgesetzt: keine Beschimpfungen, keine Beleidigungen, keine Gewalt. Rassismus und Sexismus haben keinen Platz, Alkohol und Drogen sind untersagt.
Zusammen essen verbindet
Thawm Mang ist überzeugt, dass die besondere Atmosphäre auch damit zu tun hat, dass das «Sonntagszimmer» in der Matthäuskirche beheimatet ist. Oft bleibt der Hintereingang geschlossen. Dann müssen alle Besuchenden den Weg durch die Kirche nehmen. Auch Menschen ohne religiösen Bezug spüren dabei die Ruhe und die Kraft, die die Kirche ausstrahlt, und nehmen eine respektvolle Haltung ein. Die Kirche macht alle Menschen zu Schwestern und Brüdern.
Dies, obwohl die Kulturen und die Weltanschauungen sehr unterschiedlich sind: Christinnen und Christen, Muslime, Hindus und Menschen anderer Glaubensrichtungen sitzen im «Sonntagszimmer» gemeinsam an einem Tisch. Was sie verbindet, sind der Hunger und die Freude am gemeinsamen Essen, das Teilen von Speis und Trank. Dabei achtet das Team des «Sonntagszimmers» bewusst darauf, dass die verschiedenen Nationalitäten an den Tischen gemischt sind. So fördern die Gastgeber das gegenseitige Verständnis und sie verhindern, dass einzelne Gruppen dominieren. Familien bleiben selbstverständlich zusammen.
Zwischen den Mahlzeiten und während gemeinsamer Momente singen die Gäste Lieder und sprechen Gebete aus unterschiedlichen Traditionen und in verschiedenen Sprachen. Multikulturalität zeigt sich nicht nur an den Menschen, sondern auch in der Küche, in den Rezepten, in der Dekoration und in den Festen, die alle im «Sonntagszimmer» gemeinsam feiern.
Spenden – IBAN: CH84 0077 0254 2516 1200 1 –, lautend auf «Sonntagszimmer», 4051 Basel
Im «Sonntagszimmer» sind alle Schwestern und Brüder