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Kirchenmusikerin Mirjam Wagner

Musik als Brücke zu den Menschen

von Carole Bolliger
min
28.10.2026
Für Mirjam Wagner ist Musik weit mehr als schöne Klänge. Sie verbindet Menschen, schenkt Trost und schafft Gemeinschaft. Seit einem Jahr prägt die Kirchenmusikerin das musikalische Leben der Reformierten Kirche Zug. 

Musik war schon immer in ihrem Leben – nicht einfach als Hobby oder Beruf, sondern als etwas, das trägt. «Musik war für mich mein Zuhause», sagt Mirjam Wagner. Ganz selbstverständlich. Schon als Jugendliche reiste sie mit einem Chor durch verschiedene Länder. Sie spielte in Palästina, in den USA und an vielen anderen Orten. Dabei erlebte sie, wie Menschen über Musik miteinander in Kontakt kommen – selbst wenn sie keine gemeinsame Sprache sprechen. «Man verbindet sich plötzlich mit Menschen, die man sonst nie kennengelernt hätte.» Bis heute hat sie diese Erfahrung nicht losgelassen.

Immer schneller, immer virtuoser

Dabei führte Wagners Weg zunächst gar nicht zur Kirchenmusik. Die heute 30-Jährige studierte Klavier und wollte Konzertpianistin werden. Doch je länger das Studium dauerte, desto stärker störte sie etwas. «Es ging vor allem darum, besser zu sein als die anderen.» Üben. Wettbewerbe. Karriere. Musikalisch war das anspruchsvoll. Erfüllt fühlte sich Wagner trotzdem nicht.

Erst als sie während des Studiums die Kirchenmusik entdeckte, änderte sich ihr Blick. Dort ging es plötzlich nicht mehr darum, wer schneller oder virtuoser spielte. Musik bekam einen anderen Zweck. «In der Kirchenmusik habe ich gemerkt, dass Musik Menschen etwas geben kann.» Sie könne Trost schenken, Hoffnung wecken oder einfach einen Moment schaffen, in dem Menschen zur Ruhe kommen. Genau darin sieht Wagner bis heute den Sinn ihrer Arbeit.

Die Kirche als Klangraum

Seit einem Jahr ist Mirjam Wagner Kirchenmusikerin der Reformierten Kirche Zug. Neben Gottesdiensten organisiert sie die Konzertreihe der Kirchgemeinde, entwickelt neue Formate und unterrichtet an der Musikschule. Dabei möchte sie die Kirchenmusik bewusst öffnen. «Kirchenmusik soll für alle da sein.»

Gospelchöre, Kinderkonzerte, Akkordeon, arabische Klänge oder ungewöhnliche Instrumentenkombinationen gehören ebenso dazu wie Orgelkonzerte. Bewusst sucht Wagner nach Formationen, die Menschen überraschen und neugierig machen. Tradition und Offenheit schliessen sich für sie nicht aus. Im Gegenteil. Gerade der Kirchenraum biete Möglichkeiten, die ein Konzertsaal nicht habe. «Die Akustik, das Licht, die Atmosphäre – all das macht etwas mit den Menschen.»

Hinzu komme die besondere Nähe zwischen Publikum und Musikerinnen und Musikern. In der Zuger Kirche sitzen die Besucherinnen und Besucher beinahe auf Augenhöhe mit den Künstlern. «Das fühlt sich eher an wie ein gemeinsames Erlebnis als wie eine klassische Bühne.»

Neue Ära nach vier Jahrzehnten

Als Wagner ihre Stelle antrat, wurde ihr schnell bewusst, dass sie in grosse Fussstapfen tritt. Ihr Vorgänger Hans-Jürgen Studer hatte die Kirchenmusik während fast vier Jahrzehnten geprägt. Sie setzt deshalb nicht auf einen radikalen Neuanfang. Vielmehr entwickelt sie das Bestehende behutsam weiter. Sie möchte regionale Musikerinnen und Musiker stärker einbeziehen, neue Konzertformen ausprobieren und Menschen ansprechen, die bisher kaum Berührungspunkte mit Kirchenmusik hatten. «Ich wünsche mir, dass Menschen einfach kommen und erleben, wie vielfältig Kirchenmusik sein kann.» Jede Idee soll zur Kirche passen. Musik dürfe unterhalten, sagt sie. Sie solle aber auch zum Nachdenken anregen.

Wenn Mirjam Wagner über ihre Arbeit spricht, fällt immer wieder ein Wort: verbinden. «Musik verbindet Generationen. Musik verbindet Kulturen. Musik verbindet Menschen – das wünsche ich mir auch in Zug.»

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