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Eine andere Perspektive

Pride-Gottesdienst in Luzern

von Wolfgang Holz / kath.ch
min
19.09.2023
Ein Zeichen für Liebe, Vielfalt und Gleichberechtigung setzen: Dies taten rund 60 Besuchende, die am ökumenischen Gottes­dienst zur Pride Zentralschweiz in der Luzerner Peterskapelle teilnahmen.

Zugegeben, anfangs fĂĽhlte man sich im Gottesdienst etwas irritiert. Denn anstatt auf den Altar der Peterskapelle zu schauen und das Kreuz Jesu anzubeten, blickten
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Pride- Gottesdienst in die entgegengesetzte Richtung – auf einen Vorhang in den Regenbogenfarben unterhalb der Orgel.
Meinrad Furrer, römisch-katholischer Seelsorger, klärte schnell auf. Die Sitzordnung sei bewusst geändert worden, um «eine andere Perspektive einnehmen zu können». Eine originelle Idee: «Denn so stärkt uns der Heiland den Rücken», so ­Furrer. Der Gottesdienst wurde gestaltet von Vroni Stähli (reformiert), Patrick ­Blickenstorfer (christkatholisch), Meinrad Furrer (katholisch), Tom Muster (Gesang) und Pirmin Lang am Piano.

Alle drei Geistliche thematisierten im Gottesdienst die Frage: «Lebe ich die beste Variante in meinem Leben?» In den Wortbeiträgen, die immer wieder feierlich durch den lyrischen Baritongesang von Tom ­Muster, aber auch durch das kräftige Mitsingen aller Mitfeiernden untermalt wurden, kamen Gedanken zu Abgrenzung, ­Toleranz, Identität und persönlicher Liebe zur Sprache. Eine Fürbitte, die vorgelesen wurde, lautete: «Ich bitte Gott um mehr Liebe für mich selbst.» Nach dem Vaterunser und dem allgemeinen Segen wurde zum Apéro in der Peterskapelle eingeladen.

«Viele getrauen sich nicht»

«Ich bin schon das zweite Mal hier», sagte ein 78-Jähriger gegenüber kath.ch. Ihm gefalle die offene und tolerante Ambiance des Gottesdienstes. Er lebe schon seit Jahren in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit seinem zwölf Jahre jüngeren ­Partner, erzählt er. Er stammt aus einer Landgemeinde im Luzernischen. «Ich kenne hier niemanden im Gottesdienst. Viele Luzernerinnen und Luzerner trauen sich nicht, in den Pride-Gottesdienst zu gehen, weil sie fürchten, erkannt zu werden. Luzern ist halt doch eine kleine Stadt.»

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