Schritt für Schritt zur neuen Kirche
Die Farbe blätterte von der Fassade. Stellenweise war sie verwittert, ausgeblichenvom Wetter. Ein erstes Zeichen, dass etwas getan werden muss. «Man hat es einfach gesehen», sagt Dani Brand, Vorstandsmitglied der Kirchgemeinde Willisau-Hüswil und verantwortlich für Liegenschaften. Die Kirche in Hüswil wurde 1939 gebaut. Wann sie zuletzt umfassend renoviert wurde, weiss heute niemand mehr so genau.
Es blieb nicht bei der Fassade. Auch im Innern zeigte sich Handlungsbedarf: veraltete Elektroinstallationen und sanitäre Anlagen, kein barrierefreier Zugang. «Wenn man etwas macht, dann richtig», sagt Brand. Der Anspruch wuchs mit jeder neuen Erkenntnis.
Ein Thema wurde zentral: der rollstuhlgängige Zugang. Die Kirche liegt am Hang, der Zugang ist schwierig. Verschiedene Lösungen standen im Raum, auch ein Lift. «Aber die sind störungsanfällig und aufwendig im Unterhalt», sagt Brand. Am Ende fiel der Entscheid für eine bauliche Lösung. Ein neuer Weg, mehr Platz, ein Zugang, der funktioniert.
Was heute sichtbar ist, war ein langer Prozess. Drei bis vier Jahre Planung, immer wieder Anpassungen, neue Ideen, die wieder verworfen wurden. Auch weil der Raum begrenzt ist. Parkplätze wären weggefallen, Anschlüsse wären zu aufwendig geworden. «Man muss Kompromisse finden.»
Gebaut wird seit November. Zuerst draussen, dann im Innern. Neue WC-Anlagen, ein Vorraum, ein rollstuhlgängiger Zugang ins Untergeschoss. Während der Arbeiten kamen weitere Probleme zum Vorschein: Wasserschäden, beschädigte Böden. Dinge, die vorher niemand gesehen hatte. «Dann musst du entscheiden», sagt Brand. «Da kannst du nicht lange überlegen.»
Dinge, die niemand gesehen hatte
Brand ist Landwirt. Entscheidungen zu treffen, gehört für ihn zum Alltag. Und doch ist dieses Projekt anders. «Hier ist es öffentlich», sagt er. «Du kannst nicht alles breit abstützen, sonst kommst du nicht vorwärts.»
Vieles müsse schnell entschieden werden, oft ohne lange Vorbereitung. Der Architekt berate, aber die Verantwortung bleibe. Die Kosten liegen bei rund 360'000 Franken. Ein Teil davon war absehbar, anderes kam erst während der Arbeiten dazu – etwa bei der Fassade. Zwei Seiten der Kirche mussten neu gemacht werden. «Das hat man vorher nicht gesehen», sagt Brand. Trotzdem sei man insgesamt im finanziellen Rahmen geblieben.
Die Arbeiten sind im Endspurt. In den nächsten Wochen wird die ganze Kirche neu gestrichen und die Umgebung gestaltet. Wo früher dichtes Gebüsch stand, öffnet sich heute der Blick. «Das war nicht das Hauptziel», sagt Brand, «aber es ist ein schöner Nebeneffekt.» Die Kirche wirkt offener, zugänglicher.
Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen
Brand kennt diesen Ort seit seiner Kindheit. Er ist hier aufgewachsen, hat in dieser Kirche geheiratet. «Ein Bezug ist da», sagt er. Heute gehe man nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche, die Gesellschaft habe sich verändert. Die Besucherzahlen seien rückläufig.
«Man macht sich schon Gedanken, wenn man so viel investiert.» Und doch sei Nichtstun keine Option gewesen. «Die Kirche muss man unterhalten», sagt Brand. Es sei eine Gratwanderung zwischen Aufwand und Nutzen. Zwischen dem, was nötig ist, und dem, was möglich bleibt. Was darf bleiben? Brand zögert kurz. «Die Stille», sagt er dann. Die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, nachzudenken. «Das hat man heute sonst fast nicht mehr.»
Draussen ist der neue Zugang bereits sichtbar: breiter, offener, einfacher zu begehen. Noch fehlt der letzte Anstrich, noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen, noch fehlt die Bepflanzung rund um die Kirche. Aber es zeichnet sich ab, wie die Kirche wirken wird: heller, zugänglicher, ein Ort, der bleibt und sich dennoch verändert.
Schritt für Schritt zur neuen Kirche